Tierheim

Verschwundene Katze nach fast zwei Jahren zurück bei ihrer Familie im Nordharz

Eine abenteuerliche Reise liegt hinter Katze Leni aus Danstedt im Nordharz. Sie war seit 2019 verschwunden. Nun ist sie zurück.

Von Jörg Niemann
Madlen Liopold und Sascha Schmidt sowie ihre beiden Kinder Emma und Sophie aus Danstedt freuen sich über die Rückkehr von Katze ?Leni".
Madlen Liopold und Sascha Schmidt sowie ihre beiden Kinder Emma und Sophie aus Danstedt freuen sich über die Rückkehr von Katze ?Leni". Foto: Jörg Niemann

Danstedt - Die neunjährige Leni, eine von drei Katzen von Familie Lippold aus der Danstedter Büchenstraße, ist ein sehr verschmustes Tier. Und sie hat in den vergangenen zwei Jahren viele Abenteuer erlebt – Abenteuer, auf die sie sicher gern verzichtet hätte. Madlen Lippold, ihre Besitzerin aus dem Nordharz-Dorf berichtet: „Leni wurde bei uns geboren und ich hatte sie schon in der Hand, als sie zwei Tage alt war. Sieben Jahre lebte sie in unserer Familie, wurde nach der Geburt meiner Tochter Emmi deren Liebling. Doch dann kam der 19. Mai 2019 und damit das Teichfest in Danstedt. Dieser Tag sollte ein einschneidendes Erlebnis hervorrufen“, sagt die Frau.

Madlen Lippolds Lebensgefährte ist Sascha Schmidt, der Chef des örtlichen Anglervereins. Sie selbst steht an solchen Festtagen oft längere Zeit in der Küche, um Nudeln mit DDR-Tomatensoße zu kochen. Sich um die Haustiere zu kümmern, ist an solchen Tagen zeitlich limitiert, aber eigentlich kein Problem. „Leni und die anderen Katzen bekommen morgens ihr Futter und sind dann oft den ganzen Tag über im Ort unterwegs. Erst abends kommen sie nach Hause – an jenem 19. Mai traf das auch auf alle Haustiere zu – nur Leni blieb weg“, berichtet Madlen Lippold. An jenem Abend war bei Familie Lippold/Schmidt zwar ein wenig Unruhe, aber noch keine Aufregung. Warum auch, schließlich kam Leni seit sieben Jahren stets wieder nach Hause. Diesmal sollte es anders sein.

Als es in den Folgetagen noch immer kein Lebenszeichen von Leni gab, startete die Familie eine umfangreiche Suche. „Zunächst wurden Nachbarn und Freunde alarmiert. Danach wurden die Anglerfreunde von Sascha mit hinzugezogen. Dann brachten wir Aushänge im ganzen Ort an, starteten in verschiedenen Facebook-Gruppen eine Fahndung und informierten Gemeindeverwaltung, die Post-Zusteller, die Feuerwehr, die Regionalbereichsbeamten der Polizei im Nordharz und fragten in den Tierheimen der Region nach. Doch bei allen Aktivitäten gab es nicht den geringsten Ansatzpunkt auf einen Verbleib unserer Katze - Leni war buchstäblich spurlos verschwunden“, erinnert sich Madlen Lippold.

Bei Suche nach Leni nie aufgegeben

Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. „Je länger Leni verschwunden blieb, je größer wurde meine Hoffnung, dass sich ihr Verbleib doch noch klärt. Deshalb habe ich die Suche nie aufgegeben und selbst noch in diesem Jahr verschiedene Internetseiten der Region abgeklappert. Und ich hatte Erfolg“, kann es Madlen Lippold auch nach einem Vierteljahr noch nicht ganz fassen.

Es war inzwischen der 5. März 2021, als fast 22 Monate nach dem Verschwinden der Katze, als Madlen Lippold ihre Leni auf einer Facebook-Seite aus Bad Harzburg sah. Eine Frau aus der Kurstadt suchte nach „ihrer“ Katze, die inzwischen den Namen „Tricolore“ bekommen hatte. Tricolore bedeutet so viel wie dreifarbig. Genau diese besondere Fellzeichnung war es, die eine Wiedererkennung ihrer Leni eindeutig ermöglichte. Madlen Lippold nahm sofort Kontakt zu der Frau auf, die ihrerseits felsenfest behauptete, Eigentümerin der Katze zu sein. Doch kurz nach dem ersten Telefonat waren der Facebook-Beitrag gelöscht und die Frau für weitere Rückfragen nicht mehr erreichbar.

Am gleichen Abend tauchte Leni aber erneut im Internet auf, diesmal als unbekanntes Fundtier im Tierheim Eckertal. „Abends erreicht man ja im Tierheim niemanden mehr, aber ich sofort eine Mail geschrieben, als Beweismittel ein Jugendfoto von Leni angehängt und darum gebeten, dass sie irgendeinem vermeintlichen Eigentümer herausgegeben wird“, so Madlen Lippold.

Strafanzeige gegen Frau aus Bad Harzburg

Am nächsten Morgen stand die Danstedterin schon um 8.30 Uhr vor dem Tierheim. Sie schilderte den Mitarbeitern im Eckertal die Umstände, legte weitere alte Fotos der Katze als Eigentumsnachweis vor und erklärte sich zu einem Experiment bereit. Madlen Lippold ging in einen Nebenraum des Katzenraumes und rief Lenis Namen. Von da an war die Samtpfote nicht mehr zu halten, sprang aufgeregt im Käfig umher und war offenbar sehr froh, wieder nach Hause zu kommen.

Freude auch bei Familie Lippold/Schmidt – wenngleich es nun für Leni eine neue Spielgefährtin gab – nämlich Sophie, die inzwischen geborene zweite Tochter des Paares. Seit der Rückkehr nach Danstedt verlässt Leni ihr Zuhause aber kaum noch. Und die Frau aus Bad Harzburg wurde zunächst mit einer Strafanzeige bedacht – ein Ergebnis ist noch offen.