Blankenburg

Viel Lob, Kritik und weitere Ideen für Blankenburgs Altstadt-Sanierung

Die Blankenburger waren aufgerufen, sich mit Ideen in die weitere Entwicklung des Sanierungsgebietes ihrer Altstadt einzubringen. Die Bürgerinitiative ProBlankenburg hat dazu gleich mehrere Vorschläge unterbreitet. Sie lobt die Herangehensweise des beauftragten Planungsbüros, übt aber auch Kritik.

Von Jens Müller
Erster Rundgang durch die Blankenburger Altstadt im September 2020 mit Stadtplaner Stephan Westermann (links). Eines der Ziele war dabei auch der Faktoreihof.
Erster Rundgang durch die Blankenburger Altstadt im September 2020 mit Stadtplaner Stephan Westermann (links). Eines der Ziele war dabei auch der Faktoreihof. Foto: Jens Müller

Blankenburg

„Öffentliche Beteiligung zur Fortschreibung des Rahmenplanes für das Sanierungsgebiet Altstadtkern mit Schloss“ – so lautet der ziemlich sperrige Titel eines Aufrufs an die Blankenburger, sich mit Ideen und Anregungen sowie Kritik an den mit Hilfe eines Stadtplaners skizzierten weiteren Planungen für die Innenstadtsanierung einzubringen. Das Büro von Stadt-und Landschaftsplaner Stephan Westermann (Berlin/Magdeburg) hatte im Sommer vergangenen Jahres damit begonnen, den aktuellen Zustand und die Nutzung des öffentlichen Raumes samt der 579 im Sanierungsgebiet liegenden Gebäude zu erfassen. Auf mehreren moderierten Touren mit Investoren, Vertretern der Stadtverwaltung und Institutionen wurden Bewertungen und erste konkrete Vorschläge gesammelt. Darüber hinaus hatten sich laut Westermann 253 Einwohner an einer Onlinebefragung zur Wertung des erreichten Sanierungsstandes beteiligt. Weitere Ziele und Handlungsfelder seien auf einer Online-Konferenz diskutiert worden, die allesamt in einem ersten Planentwurf mündeten.

Neue Struktur der Städtebauförderung

Hintergrund war die Umstrukturierung der bundesweiten Städtebauförderung von vormals sechs möglichen Programmen auf nunmehr drei im Jahr 2020. Immerhin ist die Stadt Blankenburg in zwei dieser Programme vertreten: „Lebendige Zentren“ sowie „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Zuvor hatte die Harzstadt seit 1991 von Fördermitteln aus den Programmen „Städtebaulicher Denkmalschutz“, „Stadtumbau Ost“ und „Soziale Stadt“ profitiert.

Großes Problem: Leerstand von Geschäften

Nun heißt es also, sich mit kreativen Konzepten auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, um weiterhin Fördertöpfe anzapfen zu können. Und die zielen sowohl auf weiteren Erhalt und Aufwertung von historischen Altstädten, als auch darauf, Quartiere lebenswerter zu gestalten und Strukturveränderungen nachhaltig zu bewältigen.

Positives Leitbild entwickelt

Die Mitglieder von Pro Blankenburg haben sich mit dem ersten Entwurf des neu aufgestellten Rahmenplans kritisch auseinandergesetzt, wie Annekatrin Wagner mitteilte. Die Chefin der Ratsfraktion ihrer Bürgerinitiative lobte dabei die „ausführliche und intensive Analyse zum Sanierungsgebiet Altstadtkern“ durch das Büro von Stephan Westermann, das auch bereits bestehende Konzepte mit betrachtet und einen engen Bezug zum Stadtentwicklungskonzept (ISREK) herausgestellt habe. „Positiv sind das Leitbild und die Entwicklungsziele für den Altstadtkern zu bewerten, da sie Visionen aufzeigen, wie es weitergehen könnte und wieviel Substanz in diesem Stadtquartier steckt. Denn immerhin wohnt jeder fünfte Bürger dort“, so Annekatrin Wagner.

Einzelhandelskonzept noch nicht umgesetzt

Das größte Problem stelle jedoch ihrer Meinung nach die Innenstadt mit 16 leerstehenden Ladenlokalen in und um die Lange Straße herum dar. „Das vor 2018 beschlossene und aus Steuermitteln teuer bezahlte Einzelhandelskonzept ist bisher für uns nicht sichtbar umgesetzt worden“, kritisiert sie. Zudem beschreibe die Analyse eine „unzureichende Fördermittelverfügbarkeit zur Stimulierung privater Investitionen“ und empfehle den Einsatz eines Citymanagers. Aus Sicht von Pro Blankenburg sei dies aktuell finanziell nicht machbar. Hier sollte die Wirtschaftsförderung der Stadt aktiver werden.

Tummelplatz mit Wochenmarkt beleben

Ausdrücklich begrüßt wird der Plan, den Tummelplatz und den Faktoreihof aufzuwerten. Dabei verweist Pro Blankenburg auf ihre eigene Initiative zum Neustart eines Wochenmarktes. „Ein Wochenfrischemarkt auf dem Tummelplatz würde auf jeden Fall zu einer Belebung beitragen, zumal die Voraussetzungen dazu vorhanden sind. Weiterhin wäre es sehr zielführend, wenn der Tummelplatz durch ein Begrünungskonzept und Plätze, die zum Verweilen einladen, aufgewertet werden könnte“, sagt sie.

Kunst in den öffentlichen Raum

Um die Stadtmitte als Standort zu stärken, werde in dem 76 Seiten umfassenden Rahmenplan auch über Kunst im öffentlichen Raum gesprochen. „Auch hier gibt es schon Ansätze, die leider seit Ende der 1990-er Jahre nicht mehr verfolgt wurden“, erinnert Annekatrin Wagner. So sollte der Brunnen auf dem Tummelplatz einst mit einer Bronzefigur der heiligen Katharina nach einem Entwurf von Thilo Brensing und mit Bezug auf die einstige niedergebrannte Garnisonskirche aufgewertet werden. „Dieses Vorhaben sollte man unbedingt wieder aufgreifen und ganz konkret verfolgen.“

Mehr touristische Anreize

Zudem schlägt sie mehr Anreize für touristische Altstadtbesuche vor, unter anderem regelmäßige Rathausführungen, den Ausbau der Münzmühle als technisches Denkmal mit einem Mühlencafé, Themenführungen zu „Frauenorten“ in der Innenstadt und historischen Einzeldenkmalen. Nicht vernachlässigt werden sollten die hohe Verkehrsbelastung und die begrenzten Parkkapazitäten. „Fakt ist: Unsere Innenstadt ist ein liebenswerter Ort zum Wohnen, Handeln und Verweilen. Die zahlreichen Denkmalbereiche, großflächigen Grünanlagen, der nahe gelegene Stadtwald bieten alle Voraussetzungen für eine gute Lebensqualität. Wir sollten jetzt gemeinsam schauen, was machbar ist und aus Möglichkeiten Wirklichkeiten werden lassen“, so Annekatrin Wagner.