Versorgung

Wasserwerk Zillierbachtalsperre liefert weniger, aber besseres Wasser

Das Wasserwerk Zillierbachtalsperre bei Elbingerode versorgt seit 2021 den Oberharz bis zum Brocken mit Wasser. Das hatte einige Änderungen im Betrieb zur Folge.

Von Katrin Schröder 14.05.2022, 18:53
Nikolai Witte, Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Holtemme-Bode (WAHB, rechts), und Wassermeister Felix Schumann an der Pumpenanlage des Wasserwerks Zillierbachtalsperre bei Elbingerode, die das Wasser in die Ortsteile der Stadt Oberharz bringt.
Nikolai Witte, Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Holtemme-Bode (WAHB, rechts), und Wassermeister Felix Schumann an der Pumpenanlage des Wasserwerks Zillierbachtalsperre bei Elbingerode, die das Wasser in die Ortsteile der Stadt Oberharz bringt. Katrin Schröder

Elbingerode - Im Pumpenkeller kann man sein eigenes Wort nur mit Mühe verstehen. Durch ein großes graues Rohr rauscht ununterbrochen Wasser aus der Zillierbachtalsperre in das Wasserwerk. „Hier senken wir den Wasserdruck ab, um die Anlagen nicht unnötig zu belasten“, erklärt Felix Schumann und zeigt ein Messgerät. Er ist Wassermeister für den Wasser- und Abwasserzweckverband Holtemme-Bode (WAHB), der vor knapp eineinhalb Jahren das Werk übernommen hat. Seitdem hat sich dort einiges geändert.

Das Wesentliche ist, dass seit Anfang 2021 viel weniger Wasser das Werk passiert als zuvor. Die Stadtwerke Wernigerode hatten als Vorgänger des WAHB die Stadt aus der Talsperre versorgt und dazu pro Jahr rund 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Für den Oberharz werden aber nur noch 350.000 bis 400.000 Kubikmeter im Jahr benötigt, sagt WAHB-Geschäftsführer Nikolai Witte.

Dadurch läuft der Betrieb langsamer, was sich positiv auf die Wasserqualität auswirkt. Das Zauberwort: Ruhe. Im ruhigen Wasser können sich Schwebstoffe besser auf dem Grund absetzen – zum Beispiel in den großen Behältern in der Filterhalle. Darin durchläuft es zwecks Reinigung mehrere Schichten, in denen Erde, Sand und Schmutz hängen bleiben sollen.

Überwachung an allen Stationen

Damit das besser funktioniert, werden dem Wasser verschiedene Substanzen zugesetzt. Ein Flockungsmittel zieht die unerwünschten Partikel wie ein Magnet an, der pH-Wert wird abgesenkt, damit das Mittel einwandfrei wirken kann, und später wieder angehoben. All dies wird durch Messgeräte an allen Stationen des Weges überwacht, den das Wasser durch vielfach verschlungene Rohrleitungen nimmt. Die Daten können auf den Bildschirmen im Wasserwerks-Büro sowie in der WAHB-Zentrale in Silstedt nachverfolgt werden.

Gesundheitlich sind die Zusätze zum künftigen Trinkwasser unbedenklich, betonen Schumann und Witte. Das Wasser von der Zillierbachtalsperre werde regelmäßig in einem Magdeburger Labor untersucht, 150 Parameter werden abgeprüft. Zum Vergleich: Bei Mineralwasser seien es nur 50.

Wenn das Wasser die Filteranlagen passiert hat, geht der Blick wieder auf eine Anzeigetafel. Der wichtigste Wert sei der Grad der Trübung, sagt Felix Schumann. Das Gerät zeigt 0,066 FNU, die gängige Einheit zur Messung der Trübung. Damit könne man mehr als zufrieden sein, so Schumann: „Der Grenzwert liegt bei 1,0.“

Wie im Schwimmbad

Erst wenn das Wasser sauber ist, wird es desinfiziert – mithilfe einer Chlordioxid-Lösung, die in einem eigenen Raum hergestellt wird. „Das ist im Prinzip wie im Schwimmbad“, sagt Witte – nur dass dort Chlorgas verwendet wird, das anderen Zwecken dient.

Das Reinwasser fließt dann ins benachbarte Gebäude, von wo es über ein verzweigtes Netz von Rohren und Pumpen in Richtung Elbingerode und von dort weiter in die Haushalte der Kunden gepumpt wird. Ein Teil des sauberen Nass wird in einem Reinwasserbehälter zurückgehalten. Insgesamt 1500 Kubikmeter können gelagert„Damit können wir einen Tag lang den Oberharz versorgen“, sagt Witte.

Nach der Übernahme des Wasserwerks musste der WAHB die vorhandene Steuerungs- und Messtechnik erneuern. Mittlerweile seien alle relevanten Geräte ausgetauscht worden, berichtet Felix Schumann. Dies war zum einen nötig, weil die Erstausstattung des 2003 errichteten Wasserwerks in die Jahre gekommen war. Zum anderen musste die Technik an die geänderten Erfordernisse angepasst werden.

Sparen durch Abschalten

Durch den niedrigeren Durchlauf konnten zum Beispiel einige Pumpen abgeschaltet werden. Die Ersparnis machte sich rasch bemerkbar, denn die Maschinen sind rund um die Uhr in Betrieb und verbrauchen Strom. „Die Ausgaben für die Erneuerung hatten wir ruck-zuck wieder drin“, so Schumann.

Aufwand betreiben musste der WAHB außerdem, um das Wasserwerk ans Internet anzubinden. Die Telekom hatte eine marode Leitung aus Richtung Wernigerode abgeschaltet, Ersatz war nicht vorgesehen, Mobilfunkempfang nur ein Traum. „Hier gibt es absolut kein Netz“, so Witte. „Doch das haben wir in den Griff bekommen.“

Ein Internetkabel führt nun vom Wasserwerk zum Hochbehälter Lerchenkopf bei Elbingerode, von dort geht das Signal per Richtfunkanlage zum Brocken und dann ins weltweite Netz. Rund 400.000 Euro habe der WAHB allein für die Internetanbindung sowie für die Anpassung der Steuerungstechnik ausgegeben.

Für Störungen gewappnet

Störungen habe es bisher nicht gegeben, berichtet Schumann – und wenn sie eintreten, sei man mit einem eigenem Notstromaggregat und einer doppelten Infrastruktur darauf vorbereitet. Nicht beeinflussen könne man zum Beispiel Stürme, die die Talsperre aufwühlen und Bäume auf den Weg zum Wasserwerk stürzen ließen.

Die Stürme im Februar hätten zum Beispiel spürbar mehr biologische Stoffe ins Wasser geweht, berichtet Felix Schumann. Bei der Beräumung des Weges habe man mit dem Landesforst zusammengearbeitet.

Dieser sollte stets passierbar sein – auch im September, wenn der WAHB zum 30-jährigen Bestehen interessierte Besucher in den Wald einlädt. Geplant ist unter anderem ein Tag der offenen Tür im Wasserwerk Zillierbachtalsperre.

Die Reserve im Reinwasserbehälter des Wasserwerks würde reichen, um den Oberharz 24 Stunden lang zu versorgen.
Die Reserve im Reinwasserbehälter des Wasserwerks würde reichen, um den Oberharz 24 Stunden lang zu versorgen.
Fotos (3): Katrin Schröder
Das Wasserwerk Zillierbachtalsperre ist Anfang 2021 vom Wasser- und Abwasserzweckverband Holtemme-Bode (WAHB) übernommen worden.
Das Wasserwerk Zillierbachtalsperre ist Anfang 2021 vom Wasser- und Abwasserzweckverband Holtemme-Bode (WAHB) übernommen worden.
Katrin Schröder