Wernigerode l „Es ist für uns ein schwieriges Jahr gewesen“, sagt Dietmar Hanisch. Der Händler steht vor dem Rathaus mit dem großen Weihnachtsbaum. Der Markt vor ihm ist bis auf ein paar Schaulustige fast leer. Ein Bild, das Bände spricht.

Hanisch formuliert im Namen der Wernigeröder Kaufmannsgilde, einem Zusammenschluss der Innenstadthändler. Normalerweise beginnt für sie mit dem Start in die Adventszeit eine wichtige Phase – generieren sie doch in den Wochen vor Weihnachten einen großen Teil ihres Jahresumsatzes. Doch dieses Jahr ist vieles anders. Das Gros an zahlfreudigen Besuchern wird ausbleiben, die Kassen in den vielen kleineren und größeren Ladengeschäften werden deutlich seltener und leiser klingen. Es ist zu erwarten, dass dieses schwierige Jahr für die Händler auch schwierig enden wird.

Zeichen für Zusammenhalt

Doch es gibt einen Lichtblick – eine kleine Aktion, die kurzfristig entstanden ist, Hand in Hand mit der Stadtverwaltung, der Wernigerode Tourismus GmbH und weiteren Partnern. „Wintersprossen“ heißt die Initiative – erdacht von der Wernigeröder Künstlerin Anke Duda. „Eine tolle Idee und etwas besonderes für die kommenden Wochen“, verspricht Dietmar Hanisch. Und darum geht es: Die Händler gestalten Leitern und stellen diese vor ihren Geschäften auf.

Bilder

Sprosse für Sprosse weihnachtlich dekoriert, seien diese Leitern ein Zeichen für den Zusammenhalt des Einzelhandels und für die Verbundenheit der Wernigeröder mit den Innenstadthändlern, erläutert Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). „Wir wollen wie immer in schweren Zeiten nach vorn schauen.“ Die Leiter sei dafür ein passendes Symbol. „Steht sie doch für den Aufstieg – den Aufstieg aus der Dunkelheit ins Licht. Und für uns aktuell für den Aufstieg aus der Ungewissheit in die Gewissheit, dass es eine Zeit nach Corona geben wird.“

Einkaufen in der Innenstadt

Die Stadt werde lange brauchen, um zum Stand vor dem März 2020 zurückzukehren, befürchtet der OB. Sowohl was den Einzelhandel betreffe als auch die Hotellerie und die Gastronomie, so Gaffert. „Aber wir wollen unser Wernigerode bald wieder so erleben, wie wir es kennen und lieben.“ Der Einzelhandel sei da eine wichtige Säule. „Unsere Geschäfte sind eines der Aushängeschilder unserer Stadt.“

Gafferts Hoffnung: „Wir wünschen uns, dass die Leute aus dem Umland nach Wernigerode kommen, um hier ihre Weihnachtsgeschenke zu kaufen.“ Und auch, um die geschmückten Leitern vor den Läden zu bewundern. 40 Leitern seien bereits verteilt. Weitere seien kostenlos im Rathaus erhältlich, informiert Gaffert, der trotz der schweren Wochen optimistisch in die Zukunft blickt. „Ich bin überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen, die Leiter wieder nach oben zu steigen.“

Unterstützung

Das sei der Rückhalt, den die Händler jetzt brauchen, heißt es von Dietmar Hanisch. „Diese Unterstützung tut gut. Sie stärkt uns den Rücken.“ Wie auch die anderen Geschäftstreibenden freue er sich trotz aller Schwierigkeiten auf die nächsten Wochen. „Wir sind voller Tatendrang.“ Und das nicht nur unter der Woche, sondern auch an den Adventssonntagen im Dezember.

Übrigens: Wie OB Peter Gaffert informiert, soll die schönste Leiter am Ende gekürt und versteigert werden. „Der Erlös kommt dem Mädchenchor des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums zugute.“

Krippenweg

Traditionell wird der Weihnachtsmarkt in der bunten Stadt am Freitag vor dem ersten Advent eröffnet. Das wäre am 27. November. Um dieses besondere Datum nicht vergehen zu lassen, wird Peter Gaffert um 17 Uhr nach einer kleinen Ansprache und etwas Musik die Weihnachtsbeleuchtung erstrahlen lassen. „Wir wollen die Traditionen aufrecht erhalten, auch wenn wir leider auf den Stollenanschnitt, Glühwein und das Beisammensein verzichten müssen“, so der OB. Nicht verzichten müssen die Wernigeröder auf den Krippenweg – die beliebte Aktion des Ökumenischen Arbeitskreises der Kirchen. Bis zum 6. Januar sind Weihnachtskrippen in den Schaufenstern der Altstadt ausgestellt – zum Anschauen und Innehalten.

Die kleine Zeremonie auf dem Markt wird live übertragen und kann über den Facebook-Kanal der Stadt Wernigerode verfolgt werden.