Wernigerode l Einen kleinen Hoffnungsschimmer für alle Dürregeplagten in Sachsen-Anhalt konnte Wettermann Marc Kinkeldey am Dienstagmorgen auf dem Brocken vermelden: „Wir haben den ersten Regen seit zehn Tagen gehabt. Immerhin 1,8 Liter pro Quadratmeter", sagte er. Der Wetterfrosch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) weiter: „Im Juni gab es nur 50 Liter Niederschlag. Dies ist etwa die Hälfte vom Durchschnitt. Überhaupt waren die letzten Monate sehr trocken. Wir haben bisher nur 600 Liter Jahresniederschlag von durchschnittlichen 1900 Litern - also nur ein Drittel. Aber das halbe Jahr ist schon rum." 

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es immer mal zwei bis drei Monate sehr trockene Phasen, aber über sechs Monate am Stück sei sehr selten. „Zuletzt war es in den 50er- und 60er- Jahren auf dem Brocken so", erläuterte Kinkeldey.

Die Dürreperiode hat Auswirkungen auf die Umwelt. Wald- und Feldbrände fegen über das ganze Land. Vom Brocken aus konnte Marc Kineldey dies in den vergangenen Wochen sehr gut beobachten: „Es gab viele große Rauchwolken. Es war schwarz am Horizont."

Damit sich dies ändert, reichen die knapp zwei Liter Regen von Dienstagmorgen nicht aus. Um die Waldbrandgefahr zu bannen, bräuchte es keinen kurzen Platzregen, sondern tagelange Niederschläge, damit die Feuchtigkeit auch in die Erde eindringen kann. Doch damit ist vorerst nicht zu rechnen. Zwar ziehen seit Dienstag aus Nordwesten erste dunkle Wolken in Richtung Mitteldeutschland, aber schon am Freitag erwarten die Experten ein neues Hoch.

Wie sich die Trockenheit der vergangenen Monate auf die Natur im Harz auswirkt, beobachten auch Uta und Klaus Karle aus Sondershausen in Thüringen. Sie wandern seit Jahren immer wieder auf Norddeutschlands höchsten Berg: „Das Moor war immer nass, doch jetzt ist es trocken. Auch in den Flüssen ist nirgends mehr Wasser." Deshalb freuten sich beide über eine Führung durch den Brockengarten. Die Pflanzen dort überstehen die extremen Wetterbedingungen gut.