Ökologie

Wildpflanzen-Verein in Benneckenstein wirbt um Hilfe für neuen Park

Der Wildpflanzen-Verein in Benneckenstein arbeitet weiter an seinem Ziel: den ersten Ewilpa – kurz für: Essbare-Wildpflanzen-Park – im Harz errichten. Die Eröffnung lässt allerdings länger auf sich warten als geplant – auch wegen Corona.

Von Katrin Schröder
Mitglieder des Vereins Wildpflanzen in Benneckenstein richten gemeinsam den künftigen Ewilpa (Essbare-Wildpflanzen-Park) hinter der Grundschule her (von links): Gitta Bock, Renate Köhler, Gudrun Kopka, Cornelia Broutschek und Marion Werner.
Mitglieder des Vereins Wildpflanzen in Benneckenstein richten gemeinsam den künftigen Ewilpa (Essbare-Wildpflanzen-Park) hinter der Grundschule her (von links): Gitta Bock, Renate Köhler, Gudrun Kopka, Cornelia Broutschek und Marion Werner. Foto: Katrin Schröder

Benneckenstein - Für die einen ist es ein Haufen Erde, für andere ein künftiger Kräutergarten. „Bärlauch, Knoblauchrauke und Minze sind schon da“, sagt Gudrun Kopka und zeigt auf die frisch eingesetzten Pflanzen. Salbei und Giersch haben ebenfalls ihren Platz gefunden – wobei letzterer nicht eigens gepflanzt werden musste. „Den haben wir auch so“, sagt die Benneckensteinerin. Was viele jedoch als Unkraut im Garten bekämpfen, ist für sie und ihre Mitstreiter im Wildpflanzen-Verein ein nützliches und schmackhaftes Gewächs. Um dies anderen näher zu bringen, arbeiten sie gemeinsam an der Errichtung des ersten Essbare-Wildpflanzen-Parks, kurz: Ewilpa, im Harz und in Ostdeutschland (die Volksstimme berichtete).

Seit der Vereinsgründung im November 2019 hat sich einiges getan, berichtet Gudrun Kopka: Die Zahl der Mitglieder ist von 18 auf 56 angestiegen. Das Interesse sei groß, das bemerkten die Vereinsmitglieder zum Beispiel bei ihren Arbeitseinsätzen, die sie jüngst am Pfingstwochenende und am gestrigen Donnerstag absolvierten. Spontan hätten Passanten geholfen, einen Zaun zu setzen, berichtet Vereinsmitglied Renate Köhler.

Viele kämen zudem durch „Mundpropaganda“ zu dem Verein. „Es interessiert uns einfach, was man mit vielen Dingen aus der Natur anfangen kann“, sagt Renate Köhler. Wer wisse, wie Heilpflanzen wirken, könne sich etwa manchen Gang in die Apotheke sparen. „Ich habe viele Pflanzen im Garten und habe mich oft gefragt, ob das, was ich herausnehme, nicht doch nützlich ist“, sagt Vereinsmitglied Cornelia Broutschek. Zum Beispiel der Giersch: Aus ihrem Garten hat sie das Kraut verbannt, bevor sie im Wildpflanzen-Verein erfuhr, wie schmackhaft es sein kann. Zubereiten könne man ihn wie Spinat, weiß die Vorsitzende Gudrun Kopka. „Er gehört in jeden Salat“, ergänzt Mitglied Gitta Bock und empfiehlt Gänseblümchen als essbare Dekoration. Davon gab es auf dem Wilden Buffet nach dem Einsatz zu Pfingsten reichlich. Wie man mit Wildpflanzen kocht und aus ihnen Kosmetik und Heilmittel herstellt, lernen die Vereinsmitglieder und andere Interessierte bei Kursen und Workshops. Bei Rundgängen durch die Flur kann man erfahren, welche Pflanzen die heimische Umgebung bietet. Mit Kindern der benachbarten Grundschule haben sie bereits ein Projekt organisiert, den Schülern gezeigt, wie aus Brennesseln Tee und aus Spitzwegerich Salbe gegen Insektenstiche hergestellt wird.

Online in der Pandemie

In der Pandemie hatte und hat der Verein jedoch mit Einschränkungen zu kämpfen. „Corona hat uns ausgebremst“, sagt Renate Köhler. Abgesehen von den coronakonformen Arbeitseinsätzen an der frischen Luft wurden Treffen in den virtuellen Raum verlegt. Online-Kurse bietet Gudrun Kopka über die Internetseite ihrer Wildpflanzenschule an.

Zudem soll bald das nächste Heft der vereinseigenen Zeitschrift „Waldgarten“ gedruckt werden. „Es soll viermal pro Jahr erscheinen – eine Jahreszeit für jede Ausgabe“, erklärt Gudrun Kopka. Bisher sei das Magazin gut angekommen, die letzte Ausgabe wurde jedoch nicht gedruckt, da wegen der Pandemie kaum Gelegenheit zum Verkauf bestanden hätte.

Derzeit konzentrieren sich die Mitglieder aber darauf, den geplanten Ewilpa herzurichten. Auf der rund 2000 Quadratmeter großen Wiese hinter der Grundschule, die der Verein gepachtet hat, sowie auf einigen Flächen am nahe gelegenen Gondelteich haben 20 Mitstreiter aus Benneckenstein, Bad Harzburg, Erfurt, Bad Sachsa, Hohegeiß und Göttingen nun rund 40 Bäume und Sträucher gepflanzt. Hasel- und Walnussbäume, Ebereschen wachsen in der „Genussecke“ nahe dem Teich, entlang des Wegs am Gewässer wurden Kornelkirschen und Weißdorn gepflanzt. Neben Bäumen wurden auf dem eigenen Gelände auch Apfel- und Birnenquitte, Kräuter und Walderdbeeren in die Erde gebracht. Auf weitere Pflanzen warten die Mitglieder noch, manche können erst nach dem Sommer gepflanzt werden.

Geld für Infotafeln fehlt

Für den frühen Herbst – ein halbes Jahr später als geplant – werde die Eröffnung des Parks angepeilt, sagt Gudrun Kopka. Was noch fehlt, sind Informationstafeln, die Besuchern Aufschluss darüber geben, welche Pflanzen sie vor sich haben, woran man sie erkennt und welche wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamine, Spurenelemente und Antioxidantien sie enthalten. Offen ist derweil, wie diese finanziert werden sollen. Eine Tafel koste im Schnitt 500 Euro, sagt Gudrun Kopka: Die Aufsteller mit jeweils zirka einem Quadratmeter Fläche müssten wasser-, wetter- und lichtfest sein, stabile Halterungen haben und der rauen Harzer Witterung trotzen. Mindestens 20 Tafeln brauche man. Zwar hat der Verein Fördergeld erhalten, das aber nicht für die Aufsteller verwendet werden darf. „Daher sind wir auf Spender und Sponsoren angewiesen“, so Gudrun Kopka.

In der Genussecke nahe dem Gondelteich in Benneckenstein wachsen nun Haselnuss- und Walnussbäume sowie Ebereschen.
In der Genussecke nahe dem Gondelteich in Benneckenstein wachsen nun Haselnuss- und Walnussbäume sowie Ebereschen.
Foto: Katrin Schröder