Wernigerode l Jens Bode ist aufmerksamer Volksstimme-Leser und Pächter einer Gartenparzelle im Hasseröder Nesseltal. Dort, wo am Dienstag die Stadtverwaltung Wernigerode ihre vergebliche Offensive gegen Wildschweine unternahm. Laut Mitteilung aus dem Rathaus wurde die Treibjagd wegen unterschätzter Mäharbeiten nach etwa drei Stunden abgebrochen, ohne, dass die Beteiligten einen Schwarzkittel zu Gesicht bekamen.

Absperrzäune zu schwach

„Das stimmt so nicht“, meldete sich Jens Bode am Mittwoch in der Redaktion am Lesertelefon. „Die von mir alarmierte Polizei hat für den Abbruch gesorgt“, behauptete der Wernigeröder und schilderte: Er habe live die Aktion beobachtet und festgestellt, dass „Gefahr in Verzug war“. Aus seiner Sicht hätten die Bauzäune als Absperrung nicht gereicht, um aufgescheuchte Wildschweine aufzuhalten, zumal er die von der Stadtverwaltung vermutete Anzahl der auf dem Gelände hausenden Schwarzkitteln anzweifelt. „Von wegen nur eine Bache mit sechs Frischlingen. Ich habe mehr beobachtet, schätze, es haben sich in den verwilderten Gärten 10 bis 15 Wildschweine versteckt“, begründete der Laubenpieper seine „Angst“, wie er zugibt, dass die wütende Rotte die Zaunfelder locker umgerannt hätte.

Gefahr für Urlauber vermutet

Womöglich wären die Wildschweine auf die Straße Langer Stieg oder auf das Gelände des angrenzenden Hasseröder Ferienparks gerannt und es wären vielleicht noch ahnungslose Urlauber zu Schaden gekommen. Als dann Eltern mit Kinderwagen der Weg entlang des Jagdgebietes gewährt wurde, „habe ich um 9.15 Uhr die Polizei gerufen“, sagt Jens Bode. Kurz nach dem Eintreffen der Beamten sei die Mäh-Aktion der Mitarbeiter einer Hausmeisterfirma, mit der die Schwarzkittel in den Wald getrieben werden sollten, abgebrochen worden.

Für Jens Bode sei es der „verkehrte Weg“ gewesen, um die Borstentiere aus den verwilderten Kleingärten zu vertreiben, die seit Monaten über Grundstücke bis hin zum Kapitelsberg trampeln und Beete aufwühlen. „Ich habe im Beisein der Polizei vorgeschlagen, dass sich alle noch aktiven Pächter und die Garteneigentümer gemeinsam an einer Treibjagd mit wirksamen Mitteln wie beispielsweise lautstarkem Klopfen beteiligen.“ Der Hilferufer weiter: „Motorsensen bringen nicht den Erfolg. Das Geräusch kennen die Viecher.“ Im Rathaus wurde am Mittwoch bei einer Jagdauswertung festgelegt, die Vertreibung der Wildschweine zu wiederholen. Dass ein Gartenpächter die Polizei gerufen und somit für den Abbruch gesorgt haben soll, war für Pressesprecher Tobias Kascha „neu“. Er wolle es prüfen und versicherte gegenüber der Volksstimme: „Ich habe die Informationen weiter gegeben, die mir von den Verantwortlichen nach der erfolglosen Jagd zugekommen sind.“