Wernigerode l Eine weitere Brache mitten in Wernigerode könnte zum Wohnquartier werden. Der Bau- und Umweltausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung den aktualisierten Plan für ein knapp 4800 Quadratmeter großes Areal zwischen Schreiberstraße und Minslebener Straße weiterempfohlen. Sechs Stadträte stimmten dafür, zwei dagegen. So weit, so gewöhnlich.

Ungewöhnlich dagegen die kleine, aber gravierende Änderung, die Siegfried Siegel (SPD) vorschlug: Eine Ergänzung, die das Errichten von Ferienwohnungen ausschließt. „Dies ist eine kleine Stellschraube, mit der wir der Entwicklung zu immer mehr Ferienwohnungen in Wernigerode entgegenwirken können“, erläuterte der stellvertretende Ausschussvorsitzende und langjährige Stadtrat.

Zustimmung gab es von Grünen und Linken, Bedenken wegen zu strengen Vorschriften, die Investoren abschreckten, aus der CDU-Fraktion. Übernommen wurde die Änderung mit fünf Ja- und drei Nein-Stimmen. Ob das Ferienwohnungsverbot für das Grundstück im Stadtfeld tatsächlich in Kraft tritt, entscheidet der Wernigeröder Stadtrat in seiner nächsten Sitzung. Zudem stehe nicht fest, dass der Zusatz Rechtskraft erlangen könne, ergänzte Stadtplaner Michael Zagrodnik.

Anteil der Ferienwohnungen steigt seit Jahren

Hintergund: Urlauberdomizile machen lediglich fünf Prozent des Wohnraums in der Wernigeröder Altstadt aus, laut Verwaltung sei der Anteil im übrigen Stadtgebiet noch niedriger – und liege damit deutlich unter den Werten anderer Tourismus-Regionen. Viele Einwohner bemängeln jedoch immer wieder, dass Ferienwohnungen Wohnraum verdrängen. Der Anteil von Gästeunterkünften sei noch vertretbar, habe in den vergangenen Jahren aber „deutlich“ zugenommen, hieß es im September 2020 aus dem Rathaus.

Die wachsende Anzahl der Bauanträge im Zusammenhang mit Ferienwohnungen sei „markant“, die Entwicklung „weiter zu beobachten“. Zumal Wernigerode dadurch weitere Herausforderungen blühen: mehr Parksuchverkehr zum Beispiel.

Chaos auf dem Asphalt vor ihren Haustüren befürchten auch Anwohner der Minslebener Straße, wenn im Viertel wie geplant neue Familienhäuser errichtet würden. Auf dem künftigen Baugelände sollen Garagen wegfallen, sodass sie ihre Autos anderswo parken müssten. Zudem befürchten sie mehr Verkehr, „da die angrenzenden Erschließungsstraßen erheblich beeinträchtigt werden“, wie es in der Stellungnahme eines Anwohners zur öffentlichen Auslegung des Projektplans heißt. Einer seiner Vorschläge: Die Umgestaltung der Minslebener Straße zur Einbahnstraße zwischen Schmatzfelder Straße/ B 244 und Halbauer Straße, um Parkplätze auf beiden Seiten der Fahrbahn zu ermöglichen.

Keine Chance für Einbahnstraße

„Eine Umplanung der Verkehrsströme zur Entspannung der Verkehrssituation in der Minslebener Straße ist nicht Gegenstand der vorliegenden Bauleitplanung“, schreibt dagegen die Stadtverwaltung in ihrer Abwägung. Die Einbahnstraßen-Regelung werde auf Grund der Nachteile für die Erschließung des Quartiers nicht in Betracht gezogen. Zudem gelte die Stellplatzsatzung, nach der jeder Eigentümer auf seinem Grundstück ausreichend Parkraum zu schaffen habe.

Eine weitere Befürchtung aus dem Umfeld des neuen Wohngebiets konnte Stadtplaner Zagrodnik im Bauausschuss dagegen zerstreuen: Das Umweltamt der Harzer Kreisverwaltung habe keine Bedenken wegen kontaminierter Abfälle aus DDR-Zeiten im Boden vorgebracht. Das Projekt steht unter dem Stichwort „Nachverdichtung“, um der Nachfrage nach Wohnraum in Wernigerode gerecht zu werden.