Wernigerode l Der Blick von seinem Bürofenster aus ist phänomenal. In der Ferne der Brocken. In unmittelbarer Nähe die Blöcke des Wohngebietes Burgbreite. „Ich sehe, was bereits geschafft ist. Und was an Arbeit noch vor uns liegt“, sagt Christian Zeigermann. Vor wenigen Tagen hat der 49-Jährige sein Büro im Domizil der GWW bezogen. Zeigermann ist neuer Chef der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode und ist damit Herr über 3000 Wohneinheiten. Er beerbt die langjährige Geschäftsführerin Kirsten Fichtner, die sich vor einigen Wochen in den Ruhestand verabschiedet hat.

Und der gebürtige Landsberger kommt vom Fach. Nach dem Architekturstudium in Dessau sammelte er in Ägypten erste Berufserfahrungen bei einen Schul- und Kindergarten-Bauprojekt in einem traditionellen Wohnviertel. „Das war eine spannende Zeit“, blickt er zurück. „Ich konnte das anwenden, was ich im Studium gelernt hatte und gleichzeitig eine spannende Kultur kennenlernen.“ Nach dem einjährigen Auslandsaufenthalt wechselte Zeigermann zur Stadtverwaltung Halle. „Ich wollte Stadtplanung verstehen.“ Sein Arbeitsfeld: die Entwicklung alter Industriebrachen. „Damals wusste man noch nicht, wohin sich die Stadt entwickelt und wie man mit den Brachen umgeht.“ Die nächste berufliche Station war für Zeigermann die Hallesche Wohnungsbaugesellschaft, wo er sich zuerst mit Portfolioentwicklung beschäftigte und später als Abteilungsleiter für Hochbau viele Sanierungsprojekte in der Innenstadt koordinierte. Zuletzt war er wieder für die Stadt Halle tätig – als Schulbaukoordinator.

Warum er sich für den Chefposten in Wernigerode beworben hat? „Ich wollte mich weiter entwickeln und mehr Verantwortung übernehmen.“ Diese Chance habe er nun bei der GWW. Dabei könne er aus den „Erfahrungen seines Lebens“ schöpfen. „Das ist meine Philosophie.“

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Mehr Lebensqualität

Im Moment ist er noch dabei, so richtig in Wernigerode anzukommen, sagt Zeigermann. Die Wohngebiete Burgbreite und Stadtfeld hat er bereits besichtigt. Die Stippvisite im Harzblick steht noch aus. „Ich will schauen, wie die Wohnungen aussehen, in welchem Zustand sie sind, was energetisch gemacht werden muss, welche Bedeutung die Freiflächen haben.“ All das sei Voraussetzung, um sich dann gemeinsam mit dem Aufsichtsrat Gedanken über die Investitionsplanung für die nächsten Jahre zu machen.

Wernigerode sei eine „Perle im Harz“, das hat der Landsberger bereits festgestellt. „Bisher kannte ich die Stadt nur als Urlaubsort“, sagt Zeigermann. „Aber der erste Eindruck ist toll: die Bahn, Brocken, Schloss, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, der starke Zusammenhalt – das macht die Stadt lebenswert.“

Noch mehr Lebensqualität für die Wernigeröder – das hat sich Christian Zeigermann zum Ziel gesetzt. Deshalb interessiert ihn, wie die Mieter ihr Quartier wahrnehmen, wie zufrieden sie sind. „Als städtisches Wohnungsunternehmen sind wir für alle Bürger da – vom ALG-2-Empfänger bis zum Professor – alle sollen bei uns Wohnraum finden. Wir haben da Vorbildfunktion.“ Das heißt, die GWW müsse sowohl „qualifizierten Wohnraum für Leute mit wenig Geld als auch höherwertige Wohnungen“ vorhalten.

Neubau oder Sanierung

Zudem sollen vor allem die älteren Mieter mehr ins Bewusstsein des Großvermieters rücken. „Vereinsamung im Alter ist in Deutschland ein großes Thema.“ Wie lange können Senioren in ihren eigenen vier Wänden bleiben, bevor sie ins Altenheim umziehen. „Diesen Zeitpunkt solange wie möglich herauszuzögern, ist Aufgabe eines Wohnungsunternehmens“, so Zeigermann. Stichwort altersgerechtes Wohnen. „Dabei geht es nicht nur um Aufzug und Herdabschaltung, sondern auch um Gemeinschaftsräume und Möglichkeiten, sich zu treffen.“ Er verstehe das als soziale Arbeit.

Ein Großprojekt für die nächsten Jahre wird die Francke-Grundschule. Plan ist es, dass die GWW die Schule samt Grundstück von der Stadt kauft, herrichtet und an die Stadt vermietet. Ob Neubau oder Sanierung, das wird gerade in den Fachausschüssen diskutiert. „Wir wollen beide Möglichkeiten neutral betrachten.“ Wichtig sei es ihm, die Stadträte aufzuklären und gemeinsam die beste Variante für die Stadt zu erarbeiten. „Dabei wollen wir die Schule und die Leute vor Ort mitnehmen und nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.“

Begeistert zeigt er sich von seinen Mitarbeitern. „Das ist ein tolles Team hier, ein frisches Unternehmen mit engagierten jungen Leute.“ Als „Neuer“ habe er den Blick von außen. Und das ist sogar von Vorteil. Man sehe vieles aus einer anderen Perspektive.