Wolmirstedt l Ein viertel Jahrhundert stand Christine Maluck dem Schrankeverein vor. Ende Januar ist sie auf eigenen Wunsch ausgeschieden. „Ich hoffe, dass das Baby, das ich auf den Weg gebracht habe, weiter läuft“, sagte sie zur Mitgliederversammlung. Im Schlosskeller wurde sie am Montagabend offiziell verabschiedet. Es gab Blumen und Geschenke, selbst Tränen wurden verdrückt.

Vereinsvorsitzender Wolfgang Buschner dankte für die Arbeit und all das Herzblut, das Christine Maluck all die Jahre in ihre Arbeit gesteckt hatte und betonte: „Sie hat den Verein auf wirtschaftlich gesunden Füßen hinterlassen.“ Christine Maluck ist inzwischen in ihren ursprünglichen Erzieherberuf zurückgekehrt und arbeitet in einer Wolmirstedter Kita.

Bis zum 30. April wird Sebastian Filipp ehrenamtlich die Geschäftsführung des Vereins übernehmen. Diesem Vorschlag stimmte die Mitgliederversammlung einstimmig zu. Länger möchte er diese Aufgabe aus beruflichen Gründen nicht wahrnehmen. Damit hat für den Verein die Suche nach einem hauptamtlich arbeitenden Geschäftsführer begonnen. „Die Sicherstellung des Geschäftsbetriebs ist durch ehrenamtliches Engagement allein nicht sicherzustellen“, machte Wolfgang Buschner deutlich.

Der Schranke-Verein betreibt das Bürgerhaus, das der Stadt gehört, kümmert sich um den laufenden Betrieb, die Bewirtschaftung des Hauses, organisiert und betreut Veranstaltungen und Zirkel. Für die tägliche Arbeit hat die langjährige Mitarbeiterin Daniela Wirthgen den Hut auf, deren Wochenarbeitszeit mit dem Weggang Christine Malucks auf 35 Stunden erhöht wurde. Weitere drei Vereinsmitglieder bekommen ab sofort eine Aufwandsentschädigung, da sie unter anderem als Betreuer dauerhaft die Chor-, Mal-, Foto- oder Töpferzirkelabende absichern.

Nicht nur personell, auch finanziell muss sich der Verein auf Veränderungen einstellen. Die Betriebskosten von bisher 23 000 Euro übernimmt künftig die Stadt. Daran wird also nicht gedreht. Anders bei der Förderung der freien Kulturarbeit. Die wird 2016 von 20 000 auf 15 000 Euro verringert. Im kommenden Jahr sollen es noch einmal 5000 Euro weniger werden. Das ist dem Sparkurs der Stadt geschuldet, die ein 1,3-Millionen-Euro-Loch aufzufüllen hat.

Die Vereinbarung über die neuen Bedingungen ist dem Verein laut Wolfgang Buschner am 18. Februar diesen Jahres zugegangen. Nicht alle Passagen stoßen im Schranke-Vorstand auf Zustimmung. So soll der Verein in diesem Jahr 30 Prozent der Raumnutzungsgebühren, die bei Privatfeiern gefordert werden, an die Stadt abführen. 2017 sollen es noch 25 Prozent sein. Wolfgang Buschner sieht darin eine Diskrepanz zu dem Anspruch, dass sich der Verein selber tragen möge. Die Verhandlungen mit der Stadt werden weitergeführt.

Aus Erfahrung muss der Schranke-Verein rund 70 000 Euro pro Jahr erwirtschaften, um alle Aufgaben erledigen zu können. Zwar übernahm und übernimmt die Stadt weiterhin die Betriebskosten, aber die Bewirtschaftungskosten muss weiterhin der Verein stemmen. Dazu zählen Kosten für Telefon, Porto, Haftpflichtversicherung oder Kleinstreparaturen. Weiterhin muss die Vereinskasse unter anderem Aufwandsentschädigungen für Helfer, Bezahlung für hauptamtlich Angestellte sowie Künstlerhonorare hergeben, sofern diese nicht durch Einnahmen gedeckt sind.

Einnahmen für die Vereinskasse werden unter anderem am Tresen des Schlosskellers und durch Vermietung erzielt. Um so erfreulicher ist es, dass das Integrationsbündnis Interesse bekundet hat, die Räume anzumieten, die bis zum Jahresende durch die Malgruppe „Selma“ genutzt waren. „Das Integrationsbündnis gehört auch inhaltlich in unser Haus“, freut sich Wolfgang Buschner auf die Zusammenarbeit, „wir sind schließlich ein soziokulturelles Zentrum.“