Wolmirstedt l Die Wolmirstedter sind nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung medizinisch in fast allen Bereichen gut versorgt. Engpässe gibt es vor allem bei Kinder- und Jugendpsychiatern. Fünf sogenannte Versorgungsaufträge sind in der Magdeburger Region nicht erfüllt, das heißt, fünf Kinder- und Jugendpsychiater werden gesucht.

Wolmirstedt wird hinsichtlich der Versorgung mit Fachärzten nicht gesondert betrachtet, sondern in eine Region integriert. Wie bei den Kinder- und Jugendpsychiatern wird auch für die hausärztliche Versorgung das gesamte Magdeburger Umland zugrunde gelegt. Demnach ist die Versorgung mit 44,5 besetzten Hausarzt-Stellen zu 108 Prozent sichergestellt.

Facharztversorgung gesichert

Die fachärztliche Versorgung in der Börde ist zumeist ebenso gesichert. Neben den fehlenden Jugendpsychiatern gibt es im Raum Magdeburg eine offene Hausarztzulassung, in der Börde kann sich nach dem aktuellen Stand noch ein weiterer Dermatologe ansiedeln, außerdem gibt es noch je eine halbe Stelle für einen Nervenarzt und für einen Urologen.

Das heißt, es gibt gar nicht so viele Ärzte, die in ein Ärztehaus ziehen könnten, es sei denn, die bereits praktizierenden Mediziner geben ihre Praxen auf und ziehen um. Bleibt die Frage: Wollen sie das? Und: Wer baut so ein Haus?

Dafür gibt es derzeit keine verlässlichen Antworten. Dennoch hatte die Debatte um ein Ärztehaus vor Jahren einen harten Kern. Als die Fusion der Krankenhäuser von Haldensleben und Wolmirstedt Fahrt aufnahm, wurde lange um die Nachnutzung des Wolmirstedter Krankenhauses gerungen. Allerdings war schon 2005 tendenziell abzusehen, dass sich niedergelassene Ärzte kaum für einen Einzug in ein Ärztehaus erwärmen konnten. Trotzdem sollte das Sana Ohre-Klinikum ein Nachnutzungskonzept für das verlassene Krankenhaus erarbeiten. Doch 2012 war klar: Der Plan einer Praxisklinik galt auch aufgrund mangelnder Interessenten endgültig als gescheitert. Wolmirstedt bekam von Sana das 33.000 Quadratmeter große Grundstück des ehemaligen Krankenhauses und eine Summe von 40.000 Euro, um selbst ein Nachnutzungskonzept zu erarbeiten.

Ärztehaus nicht realisierbar

Das war ein Schlusspunkt, trotzdem flammt der Gedanke an ein Ärztehaus im kollektiven Gedächtnis Wolmirstedts immer wieder auf, zuletzt im Bürgermeisterwahlkampf. Den gewann die parteilose Marlies Cassuhn. Die hatte allerdings kein Ärztehaus versprochen, obwohl ihr die Vorstellung durchaus sympathisch ist. „Für Patienten ist das sicher ein gutes Modell.“

Doch im Zuge des Port-Projektes, das sich vor zwei Jahren der Zukunft der Primär- und Langzeitversorgung von Patienten widmete, war der Gedanke an ein Ärztehaus ebenfalls als derzeit nicht realisierbar eingeschätzt worden, vor allem, weil nicht klar war, welche Ärzte dort einziehen wollen und/oder sollen.

Bereitschaftsdienst erreichbar

Der aus diesem Projekt hervorgegangene Verein „Gesundheit für Wolmirstedt“ sieht die Zukunft der medizinischen Versorgung entweder im Rahmen eines Netzwerkes aus multiprofessionellen Teams, lässt aber auch den Gedanken an ein Zentrum zu. Konkrete Planungen gibt es jedoch auch in diesem Kreis nicht.

Übrigens: Wer außerhalb der Sprechzeiten dringend medizinische Hilfe braucht, kann sich an eine Notfallnummer wenden. Unter 116 117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.