Barleben l Drei Viertel der Barleber sind mit der Lebensqualität in ihren Orten insgesamt zufrieden. Allgemein gäbe es auch eine hohe Wohnzufriedenheit. Das geht aus einer Studie hervor, bei der die Regionalberatung Futour 296 Bürger aus den Ortschaften Barleben, Meitzendorf und Ebendorf befragt hat. Diese wird gemeinsam mit den Diskussionsbeiträgen von Bürgern als Grundlage für das Integrierte gemeindliche Entwicklungskonzept genutzt, kurz „Barlebens Agenda 2030“ genannt. Und trotzdem, hat Bürgermeister Frank Nase (CDU) noch große Visionen für seine Gemeinde. Ihm schweben kreative und innovative Wohnraumflächen vor. Smartes, also internetgestütztes Wohnen ist dabei ein Stichwort. Nase denkt dabei an Modelle wie „sprechende Mülleimer“ und „Kühlschränke, die sich programmieren lassen“. „Gebäude können dafür auch ihre eigene Energie erzeugen“, führte er seine Vorstellung in der Leitbildwerkstatt zur Agenda 2030 weiter aus.

In der Zukunft könnte ein „urbaner Menschenschlag“ in seiner Vorstellung in Barleben wohnen, die solche Angebote gern annehmen. Damit meine er zum Beispiel junge Menschen, die in Technik-Berufen arbeiten, auf eine Ausgewogenheit von Leben und Arbeit achten und weltoffen und international sind.

Anonyme Zitate aus der Befragung wie „Kein ausreichendes Angebot an Mietwohnungen“ und „Keine Bauträger mit ihren Einheitshäusern mehr, sondern mehr individuelle Bauen zulassen“ zeigen allerdings, dass die derzeitigen Bürgersorgen in eine andere Richtung gehen. Nase ging auf diese Einwände ein: „Darüber hinaus soll auch bezahlbarer Wohnraum für jede Altersklasse bestehen und weiter erschlossen werden. Dabei gehe es nicht nur um Mehrfamilienhäuser, sondern auch Reihenhäuser, Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser.“ Hierbei denkt er auch daran, neue Flächen zu erschließen. Es sollen zunächst mehr Häuser gebaut werden, als die, die im Moment nachgefragt werden. „Wir wollen erst ein Angebot schaffen, und dann die Dinge erlebbar gestalten“, so Nase.

Im Bürgerdialog hakte hier eine Meitzendorfer Bürgerin, Katrin Röhrig ein. „Ich finde die Ideen von altergerechtem Wohnen und bezahlbaren Wohnungen ja sehr gut“, sagte sie. „Dabei muss man jedoch auch bedenken, dass wir zum Beispiel in Meitzendorf nicht mehr viele freie Flächen haben. Da wäre es ein erster Ansatz, zu sehen, welche bestehenden Grundstücke vielleicht wieder öffentlich nutzbar werden können“, so die Verwaltungsmitarbeiterin.

Sie habe erlebt, wie ihr Sohn, der in Barleben gelernt hat und gern auch hier bleiben würde, große Probleme hatte, eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Nach meinem Eindruck wollen viele junge Leute hier bleiben“, so Röhrig. Um dem Thema bezahlbares Wohnen Herr zu werden, hat sie die Idee, zunächst ein Teilwohnen auf existierenden Grundstücken möglich zu machen.

Eine Landwirtin, die der Veranstaltung beiwohnt, hat einen anderen Einwand: Sollen für dieses neue Wohnen Ackerflächen weichen? Nase sagt daraufhin: „Es ist nicht auszuschließen, dass auch einmal eine Ackerfläche versiegelt wird.“ Doch Baulücken zu erschließen werde die oberste Priorität haben.

Doch zum familienfreundlichen Wohnen gehöre nicht nur das Wohnen selbst, sondern die Gemeinde wolle ebenso Ärzte willkommen heißen und dafür auch Räume schaffen. Hierbei sei bereits ein Investor im Gespräch für den Bau eines entsprechenden Gebäudes. „Doch wir sind auch an die Richtlinien der kassenärztliche Vereinigung gebunden“, sagt er und erläutert, „nicht jeder kann jeden Facharzt haben“. An dieser Stelle würden Wunsch und Realisierbarkeit noch sehr stark auseinander klaffen.