Katastrophenschutz

Altes Feuerwehrauto in Samswegen gefährdet Brandschutz - doch es gibt Ideen

In Samswegen steht ein fast 30 Jahre altes Löschfahrzeug, das der Bund zur Verfügung gestellt hat. Nun droht das Fahrzeug auszufallen. Ein Ersatz ist nicht in Sicht.

Von Tom Wunderlich 12.05.2022, 18:13
Das Löschfahrzeug aus der Bundebeschaffung ist mittlerweile 29 Jahre alt. Die Technik funktioniert nur noch ansatzweise.
Das Löschfahrzeug aus der Bundebeschaffung ist mittlerweile 29 Jahre alt. Die Technik funktioniert nur noch ansatzweise. Foto: Feuerwehr

Samswegen - Stolz waren die Kameraden der Samsweger Feuerwehr, als sie in den 90er Jahren, nur drei Jahre nach dem Fall der Mauer, ein hochmodernes Löschgruppen-Fahrzeug Katastrophenschutz vom Bund zugewiesen bekamen.

1993 hatte der Landkreis Börde entschieden, dass die Samsweger künftig im Katastrophenschutz mitmischen sollen. Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Das alte Löschfahrzeug ist fast 30 Jahre alt, nicht mehr alle Teile der Technik sind noch vollkommen intakt. Das geht aus einem aktuellen Beschlusspapier der Gemeinde Niedere Börde hervor. Demnach sei die Dieselpumpe immer wieder defekt, Ersatzteile seien nur schwer auftreibbar.

Eine Stilllegung des Einsatzfahrzeugs droht. Das Szenario würde sich durchaus als katastrophal entpuppen, da der Oldie nicht nur im Katastrophenfall eingesetzt wird, sondern auch für den Grundschutz in der Gemeinde. Hierbei kommt Samswegen eine besondere Rolle zu, da die Wehr auch in die Ortschaften Meseberg und Jersleben immer mit ausrückt. Die beiden Wehren verfügen jeweils nur über ein Fahrzeug. In Jersleben ist ein sogenanntes Tragspritzenfahrzeug mit 750 Liter Wassertank untergebracht. In Meseberg nur ein Mehrzweckfahrzeug ohne Wassertank. Die Feuerwehr Samswegen bringt demzufolge ein Löschfahrzeug mit 2500 Liter Wassertank sowie das benannte Katastrophenschutz-Löschfahrzeug mit. Dieses verfügt zwar über keinen Wassertank, kann dafür aber neun Einsatzkräfte transportieren und bringt zudem eine leistungsstarke Pumpe mit.

Neuzuteilung ungewiss

Nun ist jedoch ungewiss, wann das Katastrophenschutzfahrzeug im Landkreis ersetzt werden soll. Wie aus einem Schreiben des Landkreises an den Bürgermeister hervorgeht, gebe es aktuell drei dieser Fahrzeuge im Landkreis Börde. Allerdings sei vom Bund nicht festgelegt, nach wieviel Jahren die Löschfahrzeuge ersetzt werden müssten. Allerdings steht bereits fest, dass bei Aussonderung der Fahrzeuge nur zwei Ersatzfahrzeuge zugeteilt werden. Problem hierbei: Auf die Verteilung der Fahrzeuge im Land nimmt der Bund keinen Einfluss. Außerdem gebe es spezielle Kriterien für eine Neuzuordnung. So heißt es: „Ein Aussonderungsverfahren für ein Bundesfahrzeug wird eingeleitet, wenn unter anderem die Durchführung von Wartung und Instandsetzung des Fahrzeuges nicht mehr wirtschaftlich ist.“ Im Klartext bedeutet dies, dass solche Löschfahrzeuge erst ausgetauscht werden, wenn bei diesen ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt.

Nun ist es jedoch so, dass eine defekte Dieselpumpe nicht unbedingt als Totalschaden gilt. Allerdings sieht man das in der Niederen Börde anders, denn somit ist der Grundschutz akut gefährdet, wenn das Fahrzeug nicht mehr anspringt. So geschehen am 17. Februar dieses Jahres. Problem: Ersatzteile für die fast dreißig Jahre alte Technik gibt es nicht mehr. Aktuell versuchen die Einsatzkräfte immer wieder selbst, das Fahrzeug irgendwie am Leben zu halten.

Soweit will es die Gemeinde nicht kommen lassen und hat nun deswegen mehrere Optionen zur Entscheidungsfindung offengelegt. Bereits in Stein gemeißelt scheint die Tatsache, dass bei einem Totalausfall in nächster Zeit erstmal ein Ersatzfahrzeug aus der Gemeinde herhalten muss. Konkret geht es dabei um das Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Gersdorf. Dieses würde dann nach Samswegen verlegt werden. In diesem Falle müssten die vier Einsatzkräfte der Gersdorfer Wehr bei Alarm zum Dahlenwarsleber Gerätehaus fahren und dort aktiv mitwirken. Allerdings soll dies nur als Übergangslösung genutzt werden.

Hoffen auf neues Fahrzeug

Die erste Option bestünde darin, dass die Gemeinde und der Landkreis auf eine Neuzuweisung des Bundes hoffen können. Allerdings besteht hier die Problematik, dass sich nicht sagen lässt, wann die Ersatzbeschaffung kommen wird. Vorteil wäre bei dieser Option, dass der Gemeinde keine direkten Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung entstehen würden.

Landesbeschaffung nutzen

Die zweite Option erfordert vor allem ein schnelles Handeln und ein Quäntchen Glück. Gemeint ist eine gemeinsame Beschaffung mit dem Land Sachsen-Anhalt. Hier profitieren teilnehmende Kommunen durch eine zentralisierte Beschaffung durch das Innenministerium. Somit würde die Teilnahme aus Ausschreibungsverfahren größtenteils wegfallen. Allerdings ist hier Eile geboten, denn der Beschaffungsprozess seitens des Landes läuft bereits. Noch mit in die Beschaffungsmaßnahme hineinzurutschen, erfordert vor allem auch Glück. Sollte dies gelingen, könnte ein hochmodernes Fahrzeug frühestens 2024 in Samswegen stationiert werden. Auch die Teilnahme am Katastrophenschutz wäre damit langfristig gesichert. Der Nachteil hier wiederum ist, dass dann zwei Jahre lang ein wasserführendes Fahrzeug in Samswegen fehlen würde. Weiterhin würde die Niedere Börde mit dieser Option weitere Verpflichtungen eingehen, ohne zu wissen, ob das aktuelle Fahrzeug nicht doch noch ersetzt werden würde. Zudem würden sich die Kosten auf rund 550.000 Euro belaufen. Diese müssten erst in den Haushalt aufgenommen werden. Dies wäre mit einem höheren Verwaltungsaufwand verbunden, weil die Verwaltung erst eine kommunalrechtliche Stellungnahme einholen müsste.

Eigenes Fahrzeug kaufen

Die dritte Option könnte unterdessen noch teurer für die Niedere Börde werden. Diese sieht nämlich vor, dass die Verwaltung in Eigenregie ein neues Löschfahrzeug ausschreibt. Allein das Verfahren würde mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen. Zudem ist auch hier offen, wann das Fahrzeug geliefert werden könnte. Die Marktlage stellt sich bei den Aufbauherstellern für Feuerwehrfahrzeuge aktuell nämlich so dar, dass nicht nur die Kosten durch die Decke gehen, im Fall der Niederen Börde ist mit weit mehr als nur 550.000 Euro zu rechen, sondern auch eher große Aufträge bevorzugt werden, als die von kleinen Gemeinden, wie der Niederen Börde. Vor 2025 rechnet die Verwaltung nicht mit einer möglichen Lieferung.

Neufahrzeug umsetzen

Die letzte Möglichkeit könnte vor allem innerhalb der Gemeindefeuerwehr für ordentlichen Unmut sorgen, denn so schlägt die Verwaltung vor, dass das neue Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Groß Ammensleben, das bereits bestellt ist, nach Samswegen versetzt wird. Dann müssten die Groß Ammensleber weiterhin ihr 25 Jahre altes Tanklöschfahrzeug nutzen. Das Problem: Hierfür könnte dann erst eine neue Ausschreibung erfolgen, wenn klar ist, ob es eine Ersatzbeschaffung durch den Bund für den Samsweger Oldie geben wird. Die Konsequenz wäre, dass das neue Fahrzeug dann wieder nicht vor 2025 ausgeliefert werden würde. Die Mehrkosten würden sich auf 500.000 Euro belaufen. Sollte bis dahin das Groß Ammensleber Fahrzeug ausfallen, soll das Fahrzeug aus Gersdorf hier stationiert werden. Die Auswirkungen wären deutlich geringer, da im Groß Ammensleber Bereich mehr wasserführende Fahrzeuge stationiert sind.

Am Dienstag soll der Gemeinderat über das brisante Thema entscheiden. Dabei bevorzugt die Verwaltung die letzte Variante. Die Ortswehren kritisieren den Plan und wollen sich höchstwahrscheinlich für die Option der Landesbeschaffung starkmachen. Das würde die Mitwirkung im Katastrophenschutz sichern. Daran beteiligen sich Samswegen, Groß Ammensleben und Dahlenwarsleben.