Rogätz l Wie hat sie es geliebt, durch die Elbwiesen zu wandern und am Ufer der Ohre herumzustreifen, Pflanzen zu entdecken und Tiere zu beobachten. Waltraud Neuendorf hatte fast immer ihren Fotoapparat dabei und bis vor wenigen Jahren auch ihren geliebten Dackel.

Unzählige Aufnahmen sind entstanden, vor allem von markanten Bäumen. „Die haben auf mich immer eine magische Anziehungskraft ausgeübt“, erzählt sie und gesteht, sie habe regelrecht gelitten, als eines Tages eine große Pappel am Kanal umgestürzt und in der Mitte zerborsten war. „Aber wie groß war die Freude dann im nächsten Jahr, als die Baumruine neu austrieb.“ Gleich zuhauf sprossen neue, frische Zweige auf der zur Brücke gebogenen Pappel.

Kamera war immer dabei

Waltraud Neuendorf beobachtete auch gern die Biber und suchte alljährlich nach dem seltenen Aronstab. Regelrecht ins Schwärmen gerät sie immer noch, wenn sie an einen Spaziergang am Kapellenberg denkt, wo sie eines Abends tausende Glühwürmchen umschwirrten. Nach und nach hat die am 24. Januar vor 90 Jahren in Berlin geborene Frau eine Sammlung von mehreren hundert Bildern zusammengestellt. Seit ihr aber das Augenlicht immer mehr Probleme bereitet und sie zu erblinden droht, denkt sie an Umzug.

Bilder

Jetzt ist es soweit. In diesen Tagen kehrt die verwitwete und kinderlose Frau zurück in die Nähe von Berlin, in die Nähe von Verwandten. Vor 45 Jahren war Waltraud Neuendorf ihrem Ehemann Ottchen nach Rogätz in dessen Heimat gefolgt.

Kein leichter Gang für die gelernte Schneiderin und TBC-Gesundheitsfürsorgerin, die einst am Prenzlauer Berg tätig war. Für „Angeschwemmte“ ist es in Rogätz nie ganz einfach Fuß zu fassen.

Abschied fällt nicht leicht

Aber Waltraud Neuendorf hat das neue Zuhause, vor allem seine herrliche Umgebung lieben gelernt. Der Abschied fällt deshalb nicht leicht. Die Mehrzahl ihrer schönen Fotos, von denen einige schon einmal in einer Ausstellung der Heimat- und Kulturfreunde zu sehen waren, lässt sie hier. Die Heimatfreunde haben sie in Empfang genommen und versprochen, dass die Bilder nicht nur gut verwahrt, sondern auch noch einmal in einer Ausstellung gezeigt werden.

Aber nicht nur die Fotos bleiben in Rogätz, auch die rustikale Bank am Kanal wird an Waltraud Neuendorf erinnern. Sie war vor Jahren ein Geschenk ihres Neffen. Die Rogätzer Heimat- und Kulturfreunde sagen Danke und wünschen Waltraud Neuendorf noch viele schöne Jahre.