Wolmirstedt l Ingeborg Seevogel überreichte dem CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens den Katalog mit fünf Forderungen. Die sollen das Bundesteilhabegesetz besser machen. „Bitte, legen Sie es nicht in die Schublade“, beschwor die Frau, die in der Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt ist. Manfred Behrens versprach, die Forderungen mit den Fachkollegen durchzusprechen und zu gegebener Zeit im Bodelschwingh-Haus über die Ergebnisse zu berichten.

Die Mitarbeiter, Werkstatt- und Bewohnerbeiräte haben sich in ihren Lebensbereichen umgeschaut und daraufhin Mängel im Bundesteilhabegesetz festgestellt. Sie möchten unter anderem, dass die gemeinschaftliche Wohnform der Pflege in einem Pflegeheim finanziell gleichgestellt ist. Das ist derzeit nicht so geregelt und kann dazu führen, dass behinderte Menschen, die in Einrichtungen wie dem Bodelschwingh-Haus in Wohngruppen zusammenwohnen, künftig in ein Pflegeheim umziehen müssen, da nur dafür die vollen Gelder fließen.

Weiterhin möchten sie die Freibetragsgrenze für Erspartes erhöhen. Die liegt derzeit bei 5000 Euro. Auch der Werkstattlohn solle nicht auf die Grundsicherung angrechnet werden. Damit gehe schließlich der Anreiz verloren, erklärt Bodelschwingh-Haus-Vorstand Sven Pazina, sich ganz besonders anzustrengen. Die Werkstattbeschäftigten tun das zwar trotzdem, doch in Folge lukrativer Aufträge und guter Leistungen hätten sie auch gern etwas mehr Geld in der Tasche.

Eine weitere Forderung betrifft vor allem Mitarbeiterinnen wie Janine Steinig. Sie ist die Frauenbeauftragte in der Werkstatt für behinderte Menschen und findet es wichtig, dass es Schulungen für Frauenbeauftragte gibt. Auch andere Berater aus den Reihen der behinderten Menschen sollen Schulungen erhalten, damit sie Hilfesuchende gut beraten können. Während dieser Schulungen sollen ihnen Menschen zur Seite stehen, die dabei helfen, den Lernstoff zu bewältigen.

Wichtige Forderung

Eine ganz wichtige Forderung sei, erklärt Bodelschwingh-Haus-Mitarbeiterin Stephanie Hugo, dass Bildung und Arbeit für alle Menschen mit Behinderung möglich wird.

Behördensprache macht behinderten Menschen oft zu schaffen, deshalb wünschen sie sich mehr Erklärungen in leichter Sprache. „Es wäre schön, den Lohnzettel in leichter Sprache zu bekommen“, nennt Janine Steinig ein Beispiel. Außerdem wünscht sie sich, mehr Geld für das Mittagessen zur Verfügung zu haben, sodass es für eine gesunde Ernährung reicht.

Die Forderungen haben die Mitarbeiter und Werkstatt- und Bewohnerbeiräte beim fünften Rheinsberger Kongress des Bundesverbandes der evangelischen Behindertenhilfe herausgearbeitet. Dem Vortrag lauschte neben Manfred Behrens auch Wolmirstedts Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU). Er wird ab dem 7. September als Landrat arbeiten und im Vorgriff auf den Dienstantritt münzte er die Forderungen auf alle Einrichtungen des Landkreises, die mit behinderten Menschen arbeiten. Er bot Unterstützung an, sagte: „Nehmt mich in die Pflicht.