Wellen l Seit zwei Wochen machen Absperrvorrichtungen jeglichen Kraftfahrern die Durchfahrt auf der Chaussee zwischen Wellen und der Bundesstraße 1 unmöglich. Bauarbeiter sind hier mit der Sanierung der Straße beschäftigt – haben abgefräst und bringen eine neue Decke auf. Für die Wellener bringt das eine Umleitung über Niederndodeleben oder Groß Rodensleben und Ochtmersleben mit sich, um aus ihrem Ort herauszukommen. Mehrere Kilometer pro Tag über drei Wochen – wie angekündigt – das läppert sich. Und das regt die Wellener auf.

Auf ihre Frage, warum der Verkehr bei einer halbseitigen Sperrung nicht mittels einer Ampel an der Baustelle vorbeigeführt werden hätte können, hat Daniel Ashoff eine plausible Erklärung. Dem Mitarbeiter des Landkreises Börde, im Straßenverkehrsamt für die Verkehrsorganisation zuständig, sind die Hände gebunden.

Schuld ist eine neue Arbeitsstättenregel, die im Dezember 2018 in Kraft getreten ist. „Mit dieser Richtlinie wurden für Bauarbeiten im Straßenraum neue zusätzliche Sicherheitsräume zum Schutz der Bauarbeiter geschaffen“, erklärt Ashoff auf Nachfrage der Volksstimme. Dadurch verbreiterten sich zum Vergleich der Vorjahre die notwendigen Breiten zum Ausführen von Bauarbeiten. Viele Straßensanierungen können so nun nur noch unter Vollsperrung erfolgen, weil den Straßen die erforderliche Breite fehlt. Das betrifft auch die Landesstraße (L) 46 bei Wellen.

Allerdings sieht Daniel Ashoff in der Vollsperrung auch einen Vorteil: So kann die Straße auf einmal in voller Breite saniert werden. Eine Mittelnaht, an der in der Vergangenheit zumeist zuerst die Schäden auftraten, entfällt somit. Nachfolgereparaturen können minimiert werden. Außerdem kann durch die Arbeiten in einem Zug der Zeitraum für die Baumaßnahme kürzer gehalten werden.

Alternative zu der kilometerlangen Umleitung wäre aus Sicht der Wellener auch eine Route über die drei zur Verfügung stehenden Feldwege in Richtung Nord und West gewesen – eben so wie es dem Bus erlaubt ist. Das gibt unter anderem Claudia Euler an, die somit auch den Weg verkürzen hätte können, wenn sie ihr Kind morgens nach Irxleben in die Schule bringt. Nach Daniel Ashoffs Aussage muss die Sicherheit auf den Umleitungsstrecken gewährleistet sein. Der Öffentliche Personennahverkehr gehöre zur Daseinsvorsorge. Somit wurde geprüft, ob insbesondere der Schülerverkehr über die Feldwege geleitet werden kann, um die Pünktlichkeit zu gewährleisten. Um die Verkehrssicherheit gewähren zu können, wurden andere Fahrzeuge aller Art, außer landwirtschaftliche Fahrzeuge, entsprechend einer Ausschilderung von den Busstrecken auf den Feldwegen verbannt. Kontrollen werden durchgeführt und so mancher wurde zur Kasse gebeten.

Auch Max Pschihoda bekam den Kontrolldruck zu spüren – unberechtigt, wie er sagt. Als er im Auftrag eines Landwirts (mit Berechtigungsschein) zu einem Feld unterwegs war, geriet er in die Kontrolle durch die Polizei. Ein Verwarngeld wurde angedroht, alles Reden half nichts. Das macht ihn sauer.

Ob berechtigt oder unberechtigt: Besonders die Fahrweise derer, die den „Pflaumenweg“ in oder aus Richtung Irxleben nutzen, regt Anlieger am Irxleber Weg wie Dennis Brecht auf. Kaum einer hält sich an Geschwindigkeitsreduzierung und Rechts-vor-links-Regel in dem Wohngebiet. Notfalls wird auch rasant auf den Grünstreifen ausgewichen.