Barleben l Seit rund drei Monaten dreht Marcel Rauch im Auftrag der Gemeinde regelmäßig seine Runden durch Barleben, Ebendorf und Meitzendorf. Zumeist ist er abends und an den Wochenenden unterwegs, wenn die Mitarbeiter des Ordnungsamtes längst Feierabend haben und Jugendliche gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Dazu suchen die jungen Leute spezielle Orte auf. Doch naturgemäß bringt das Ärger mit sich. Denn oft ist es den Anwohnern in der Nähe der Treffs zu laut. Außerdem hinterlassen die Jugendlichen Müll, der die Ecken verschandelt. Hin und wieder gehen die Freizeitgestaltungen der Mädchen und Jungen sogar mit Vandalismus und Gewalt einher.

Einer der neuralgischen Punkte ist die sogenannte Platte hinter dem Heimatmuseum im Breiteweg in Barleben. Unschwer ist zu erkennen: Hier scheinen sich Leute zu treffen, um zu trinken und Spaß zu haben. Graffiti verschandeln eine Mauer aus Ziegelsteinen. Aber auch eine Mülltüte ist dort abgestellt, um befüllt zu werden.

Noch während des Gesprächs schnappt sich Marcel Rauch die Tüte und beginnt sofort, Müll aufzusammeln. „Da bin ich mir selbst nicht zu schade“, sagt der 1,95-Meter-Hühne. Und schließlich gehöre das auch zu seinen Aufgaben. Doch er selbst sieht sein Tätigkeitsfeld zwischen dem des Ordnungsamtes und einem Sozialarbeiter. „Ich fahre abends los und steure die typischen Treffpunkte an. Wenn ich die Jugendlichen dann antreffe, bewege ich sie dazu, sofort ihren Müll wegzuräumen“, erklärt Rauch. Das klappe immer. Deshalb habe er stets große Müllsäcke dabei, die er an den Treffpunkten verteilt.

Schon seit mehreren Jahren habe er sich der Verwaltung angeboten, innerhalb der Gemeinde für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Bei Bürgermeister Frank Nase (CDU) sei er auf offene Ohren gestoßen. Deshalb wurde die Funktion der City-Streife aus der Taufe gehoben, zunächst jedoch nur zur Probe für ein halbes Jahr.

„Ich wollte seinerzeit den Gemeinderat davon überzeugen, einen externen Dienstleister zu binden, um bestimmte Gebiete in unserer Gemeinde zu bestreifen. Das ließ sich jedoch finanziell nicht darstellen“, erklärt unterdessen Barlebens Rathauschef auf Volksstimme-Nachfrage. Deshalb seien nur kleine statt großer Lösungen in Frage gekommen. In diesem Zuge habe er sich an die Gesuche von Marcel Rauch erinnert. Dann sei gemeinsam mit Ordnungsamtschef Jens Sonnabend die Idee einer Leicht-Version der City-Streife erarbeitet und Marcel Rauch für eine sogenannte geringfügige Beschäftigung gewonnen worden.

„Und das hat sich bisher richtig gelohnt“, ist Frank Nase überzeugt. So habe es nicht nur vermehrt positive Gespräche mit Kindern und Jugendlichen gegeben. Es seien auch mehr Ordnungswidrigkeiten aufgenommen worden. „Insgesamt hat sich die Ordnungssituation zudem stabilisiert“, sagt der Bürgermeister. So konnte beispielsweise die Treppe am alten Rathaus repariert werden. Hier waren Sparren am Geländer beschädigt worden.

Die Maßnahme laufe zwar planmäßig bis zum 30. Juni. Doch nach Gesprächen mit Jens Sonnabend herrsche „eine positive Grundeinstellung zu dem neuen Format, so dass wir damit wohl fortfahren werden“, erklärt Nase.

Arbeit hätte Marcel Rauch genug. Denn neben der Platte hinter dem Museum nennt die City-Streife auch die Rampe unter dem Aldi-Markt, die Bushaltestelle vor der Mittellandhalle oder den Anger zwischen Sportplatz und Adamsee als besonders neuralgische Punkte. In Meitzendorf und Ebendorf gehe es dagegen ruhiger zu, „weil die Jugendlichen aus den Ortschaften nach Barleben kommen“, sagt Rauch.

Immer wieder würde er auch von Anwohnern wegen Ruhestörung kontaktiert. „Dann fahre ich dorthin, um die Jugendlichen dazu zu bewegen, sich doch Am Anger zu treffen“, erklärt Rauch. Es sei auch schon vorgekommen, dass Anwohner wegen Vandalismus anriefen. „Junge Leute sind in einen Vorgarten eingestiegen und haben dort Dinge geklaut und zerstört.“ Einige Jugendliche hätten sogar mit Schlägen gedroht. Oftmals fehle der Respekt. „Doch die meisten sehen ihre Fehler sofort ein und räumen mit auf“, sagt der Sicherheitsmann.

Ordnung ist Marcel Rauch ein Bedürfnis, wie er sagt. Selbst tagtäglich in der Sicherheitsbranche tätig führt er die Funktion der City-Streife zusätzlich aus. „Den Antrieb habe ich schon seit langem.“ Seit 20 Jahren wohne er in Barleben und hat sich bereits als Gründer der Nachbarschaftshilfe hervorgetan. Hintergrund waren die vielen Wohnungs- und Hauseinbrüche vor fünf Jahren. Mittlerweile sind 80 Personen in der Gruppe organisiert. „Barleben liegt mit selbstverständlich am Herzen, keine Frage“, begründet er seinen Einsatz und fügt hinzu: „Wenn man einmal in Barleben wohnt, möchte man hier nicht mehr weg.“ Doch bitte soll es ruhig und sauber sein.

Seiner Meinung nach hat sich seit seinen Einsätzen als City-Streife schon vieles zum Besseren verändert. Nun gelte es, mehr und mehr Vertrauen aufzubauen. So resümiert Marcel Rauch: „Das macht mir richtig Spaß. Ich würde das gern weitermachen.“