Wolmirstedt l Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gibt es seit 27 Jahren nicht mehr. Noch länger ist es her, dass dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) das Handwerk gelegt wurde. Dennoch reichen die Folgen von damals bis in die heutige Zeit, greifen wie Tentakeln noch immer in Lebensgeschichten ein. Das wurde im Wolmirstedter Rathaus deutlich, denn über 40 Männer und Frauen aus dem Bereich des ehemaligen Ohrekreises nahmen das Beratungsangebot der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur an.

„Viele Bürger haben Anträge auf Stasiakteneinsicht gestellt“, fasst der zuständige Referent Dr. Wolfgang Laßleben zusammen. Bei einigen kristallisierte sich heraus, dass neben der Staatssicherheit noch weitere Stellen am Unrecht beteiligt waren – beispielsweise die SED-Kreisleitung.

Laufende Meter im einstelligen Bereich

Die Stasi-Akten sind im Landesarchiv aufbewahrt, für jede Stadt in laufenden Metern vermessen. Dabei fällt auf, dass aus Wolmirstedt nur 19 laufende Meter erhalten sind. Zum Vergleich: Aus Zerbst gibt es noch 88, aus Osterburg 110, aus Oschersleben 279 und aus Haldensleben 176 laufende Meter Stasiakten.

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Wie diese extrem wenigen Wolmirstedter Akten zu erklären sind, kann Wolfgang Laßleben nicht konkret beantworten. Aber er weiß, dass es nach der Wende zwei Möglichkeiten gab, nach denen Stasiakten vernichtet wurden. Zum einen gab es die reguläre Vernichtung, weil die Aufbewahrungszeit abgelaufen war. Zum anderen gab es in der Wendezeit wilde Vernichtungsaktionen, bei denen quasi Spuren verwischt werden sollten.

Akteneinsicht unbegrenzt möglich

2019 endet auch die Frist, bis zu der kommunale Mandatsträger überprüft werden. Die persönliche Stasiakteneinsicht hingegen wird, wie der Blick in ein Archiv, auch künftig unbegrenzt möglich sein.

Die Mitarbeiter der Behörde zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kommen im Zweijahresturnus in die Kommunen. Wer zwischendurch Auskunft braucht, kann sich auch direkt an die Geschäftsstellen wenden.