Einbrecher

Diebe sorgen für kuriosen Trikottausch

Sportvereine haben es schwer, so auch der FSV Barleben 1911. Dazu können dann aber noch ungebetene Gäste kommen.

Barleben l Für die Langfinger war der Einstieg in das Sportlerheim des FSV eine leichte Nummer. Schon ein Aushang hat sie darauf hingewiesen, dass das Gelände derzeit nicht genutzt wird. „Das war wohl schon eine Art Werbung für die Diebe“, schätzt Andreas Ibe von der Geschäftsstelle des Vereins ein. „Allerdings mussten wir diesen Aushang anbringen.“

Zuvor hatten Gemeinderäte darauf hingewiesen, dass immer wieder Kinder auf dem Vereinsgelände spielen, obwohl doch eigentlich Lockdown sei. „Wir können ja wohl schlecht einen Mitarbeiter den ganzen Tag lang in den Geschäftsstelle stationieren, damit er bei eventuellen Zuwiderhandlungen einschreitet“, bringt Ibe vor. „Daher haben wir den Aushang an allen Zugängen angebracht.“ Um der Pflicht genüge zu tun, haben die Barleber damit wohl Werbung für Einbrecher gemacht.

Die sind auch tatsächlich darauf aufmerksam geworden und sind praktisch kürzlich auf einen Besuch im Sportlerheim vorbei gekommen. Sie hatten es auf Buntmetall abgesehen, erwiesen sich dabei auch als ausgesprochen wählerisch. „Irgendwie waren sie sogar noch höflich“, schätzt Ibe ein. „Das mag komisch klingen, ist aber so.“ Die Langfinger drehten nämlich vor ihren Aktionen noch das Wasser ab. In erster Linie taten sie das wohl nur, um in Ruhe arbeiten zu können. Den Barlebern haben sie damit jedoch einen gehörigen Wasserschaden erspart.

Dann langten die Diebe jedoch ganz gut zu. Im Kassenhaus entfernten sie fein säuberlich die Stromleitungen, im Sanitärcontainer hatten sie es auf Eckventile abgesehen und im eigentlichen Sportlerheim nahmen sie Heizungsteile und Duschköpfe mit. Auf Armaturen waren sie dagegen nicht ganz so scharf, die blieben an Ort und Stelle. Auch Selters sowie Putz- und Spülmittel für die Barleber Trikotagen standen nicht sonderlich hoch im Kurs. Das alles blieb unberührt.

Kurios ist dagegen das Auftauchen von Trikots der SG Hohenwarsleben. „Kein Mensch weiß, wie die in das Sportlerheim gelangt sind“, erzählt Andreas Ibe. „Ich kann nicht beschwören, dass sie ein Geschenk der Einbrecher sind. Aber sie waren vorher nicht da.“ Sollten die Hohenwarsleber Interesse an dem Trikotsatz haben, können sie gern Kontakt zur Geschäftsstelle des FSV aufnehmen. „Wir können dann einen Übergabetermin vereinbaren“, versichert Ibe.

Der Manager der SG Hohenwarsleben, Michael Hoppe, ist ganz erstaunt über die Nachricht von den in Barleben aufgetauchten Trikots. „Es ist für mich nicht vorstellbar, dass unsere Spieler einen kompletten Trikotsatz im Sportlerheim des FSV einfach so liegen lassen“, sagt er. Die ganze Angelegenheit sei reichlich kurios. „Ich werde kurzfristig Kontakt zu den Barlebern aufnehmen, damit wir das klären können“, fügt er hinzu.

Härter traf es bei dem Einbruch den Betreiber der örtlichen Sportlergaststätte. Ihn erleichterten die Diebe um seine mehrere tausend Euro teure Schankanlage. Die Polizei hat den Fall sofort aufgenommen. Die Sportler haben aber die Versicherung aus dem Spiel gelassen. „Die gestohlene Schankanlage ist da eine andere Nummer“, sagt Andreas Ibe. „Unser Schaden liegt dagegen bei mehreren hundert Euro. Da würde eine eventuelle Hochstufung bei der Versicherung für uns nicht gut machen.“ Die Schäden wollen die Sportler selber beheben. Die Heizung im Sportlerheim funktioniert inzwischen wieder und auch das Wasser ist wieder verfügbar.

Zuletzt gab es keine weiteren Einbrüche in Sportlerheim, bestätigt der Pressesprecher des Polizeireviers Börde, Matthias Lütkemüller. „Es gibt Tatverdächtige, bei denen entsprechendes Diebesgut gefunden wurde“, sagt er. „Das Verfahren läuft allerdings noch und liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.“ In den in Barleben aufgehängten Bekanntmachungen des Vereins sieht er nicht in erster Linie eine Einladung für Diebe. „Das ist ganz sicher eine Formulierungsfrage“, sagt er. „Außerdem schließt die Durchsetzung der Pandemie-Verordnungen ja nicht aus, dass ein Hausmeister auf dem betreffenden Objekt nach dem Rechten sieht.“