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UkraineDrei Künstler, drei Köpfe und der Krieg

Während die Welt aus den Fugen gerät, ziehen sich drei Künstler in ein Atelier zurück. Geboren sind sie in Russland, in der Ukraine und in Deutschland. Spielt ihre Herkunft für die Kunst eine Rolle?

Von Gudrun Billowie 05.12.2023, 20:30
Noch fehlen die Schädeldecken, aber Alexander Suslow (v.l.), Victoria Veil und Paul Ghandi haben große Freude daran, sich gegenseitig als Plastik zu formen.
Noch fehlen die Schädeldecken, aber Alexander Suslow (v.l.), Victoria Veil und Paul Ghandi haben große Freude daran, sich gegenseitig als Plastik zu formen. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt. - Paul Ghandi mag es, Kulturen zu verbinden. Das zeigt der Wolmirstedter Bildhauer in seinem Namen, den er sich selbst zugelegt hat. Paul steht für das Abendland, die westliche Welt, den Okzident, Ghandi bezieht sich auf das Morgenland, den Orient. Seine Künstlerfreunde sind in aller Welt verstreut, ihre Herkunft ist nebensächlich. Funktioniert das auch, wenn Künstler aus zwei Ländern kommen, die gerade im Krieg sind?

Alexander Suslow ist Fotograf, seine Heimat St. Petersburg. Die Stadt hat er schon lange verlassen, lebt seit Jahrzehnten in Magdeburg, hat sich längst einen Namen gemacht als Fotograf und vor allem als Künstler.

Victoria Veil ist Malerin und Grafikerin, sie stammt aus Kiew. Auch sie lebt in Magdeburg, sehr lange schon. Der gebürtige Russe und die gebürtige Ukrainerin arbeiten zusammen, stellen nun ein launiges Projekt auf die Beine, im Atelier von Paul Ghandi.

Paul Ghandi hat Victoria Veil geformt. Entgegen der sehr ernst schauenden Plastik, lacht die Grafikerin in Echt sehr gerne.
Paul Ghandi hat Victoria Veil geformt. Entgegen der sehr ernst schauenden Plastik, lacht die Grafikerin in Echt sehr gerne.
Foto: Gudrun Billowie

Das befindet sich hinter seinem Wohnhaus in Wolmirstedt und es tut allen gut, dort zusammenzukommen. Meistens nämlich erschafft jeder in seinem eigenen Atelier Werke, allein. Diesmal arbeiten sie gemeinsam mit Ton, sie formen gegenseitig ihre Köpfe.

Dabei tauchen der Fotograf und die Malerin in die wunderbare Welt der Plastiken ein, arbeiten nicht – wie gewohnt – zweidimensional, sondern bedienen alle drei Dimension. Wie die Arbeit mit Ton funktioniert, lernen sie von Paul Ghandi.

Kunst muss kein reales Abbild sein: So sieht Fotograf Alexander Suslow den Bildhauer Paul Ghandi.
Kunst muss kein reales Abbild sein: So sieht Fotograf Alexander Suslow den Bildhauer Paul Ghandi.
Foto: Gudrun Billowie

Victoria Veil hat Malerei, Grafik und Design studiert, kennt sich aus mit der Anatomie von Gesichtern. Die gebürtige Ukrainerin formt den Kopf des gebürtigen Russen Alexander Suslow. Der wiederum formt das Gesicht von Paul Ghandi, der sich wiederum Victoria Veil vorgenommen hat. Spielt der Krieg Russlands gegen die Ukraine in diesem Atelier eine Rolle?

Victoria Veil hat Alexander Suslow als Büste geformt.
Victoria Veil hat Alexander Suslow als Büste geformt.
Foto: Gudrun Billowie

„Wir reden darüber“, sagt Paul Ghandi, „aber wir sind Künstler.“ Alle drei sehen ihre Aufgabe darin, durch ihre Kunst Menschen zusammenzuführen. Das sei mit Fotografien, Grafiken und Plastiken wunderbar möglich. Werde Kunst hingegen allzu politisch, werde sie plakativ, meint der Bildhauer. Das sei nicht das Ansinnen ihrer Kunst.

Dennoch, es gibt diesen gemeinsamen Blick auf die Ukraine. Paul Ghandi beispielsweise hat 2006 im Donezk gearbeitet, im Rahmen eines Bildhauersymposiums die übermenschengroße Plastik „Woman and Nightbirds geschaffen“, Frauen und Nachtvögel. Manchmal fragt er sich, ob sie noch steht.

Die gemeinsame Arbeit im Atelier schätzen sie alle. Victoria Veil ist geradezu begeistert von der Arbeit mit Ton. „Ich muss unbedingt weitermachen.“

Die Plastiken werden bald ausgestellt: In Galerien in Buckau und in London.