Barleben l Die Barleberin präsentiert einen proppevollen Terminkalender und sagt verschmitzt lächelnd: „Also an Langeweile leide ich jetzt nicht unbedingt.“ Bekannt ist sie gerade den jungen Bewohnern des Ortes als Märchenoma. Das Vorlesen ist ihre absolute Leidenschaft und sie ist mit viel Herzblut bei der Sache. Ob in Kindertagesstätten, in Schulen, im Mehrgenerationenzentrum oder in der Bibliothek – Roswitha Kus ist eine sehr gefragte Vorleserin.

„Das steht auch für mich persönlich an erster Stelle“, gibt sie zu. „Natürlich mache ich alle anderen Sachen auch gern, aber die Arbeit mit den Kindern bereitet mit schon sehr viel Vergnügen und ich mache das sehr gern.“

Start ins Ehrenamt mit Hindernissen

Ist die 73-Jährige jetzt eine feste Institution, war der Beginn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit doch ein recht steiniger Weg für sie. „Als ich im Jahr 2006 Rentnerin geworden bin, führte mich mein erster Weg zur Kita Barleber Schlümpfe“, erzählt sie. „Dort erläuterte ich meine Idee, wurde aber abgelehnt, da man meine Dienste nicht benötigte.“ Das bekam sie nur wenig später sogar vom seinerzeitigen Barleber Ortsbürgermeister schriftlich.

Da war Roswitha Kus schon etwas geschockt. Den Beginn einer ehrenamtlichen Tätigkeit hatte sie sich gewiss leichter vorgestellt. Bei kirchlichen Trägern hatte sie dagegen mehr Erfolg und nach einem Vorstellungsgespräch begann ihre Karriere als Märchenoma, denn schon bald waren ihre Termine als Vorleserin quasi in aller Munde. „Über die Jahre kamen immer mehr Institutionen dazu und jetzt habe ich gut zu tun“, erklärt sie.

Die gelernte Diplom-Betriebswirtin führt dabei peinlich genau Buch, denn ihre Zeit als vielbeschäftigte Rentnerin muss natürlich entsprechend geplant werden. Eine Freude sind für sie die Begegnungen mit den Kindern und Eltern über die Jahre geworden. „Man sieht sich ja nicht nur bei den Vorleseterminen“, sagt sie. „Wenn ich dann mit meinem Mann einfach einmal Spazieren gehe und die Leute freundlich Grüßen, dann ist das schon schön.“ So erkennen sie dann spätere Schüler als Märchenoma auf der Straße wieder.

Vielen bleibt das Prozedere bei den Vorlesungen in Erinnerung. So wählen die Mädchen an ungeraden Tagen die Geschichten aus – und die handeln dann meist von Prinzessinnen. An geraden Tagen dürfen die Jungen die Themen vorschlagen. Da steht dann oft der böse Wolf im Mittelpunkt. Gemeinsam können sich alle oft auf Hänsel und Gretel einigen, denn ihre eventuell vorhandenen Geschwister mögen die Kinder offensichtlich gern, schätzt die Märchenoma ein.

Vielfältige Hobbys und Tätigkeiten

Seit elf Jahren ist Roswitha Kus Leiterin der Selbsthilfegruppe für die Diabetiker, die in den Räumen des Mehrgenerationenzentrums heimisch ist. „Ich war vorher schon Mitglied und wir treffen uns jeden ersten Dienstag im Monat“, erzählt sie. „Außerdem bin ich das älteste aktive Mitglied im Chor Concordia. Wir sind gerade auf der Suche nach einem geeigneten Proberaum für die Zukunft.“

Außerdem organisiert sie den Apothekenlauf, der jeden Mittwoch stattfindet. „Wir haben jetzt schon 452 Läufe absolviert, dafür gibt es vier Routen durch den Ort“, sagt sie Eine führt sogar bis zum Druckzentrum der Volksstimme. Durchschnittlich sind acht bis zwölf Teilnehmer dabei. „Ins Leben gerufen hat die Aktion im Jahr 2009 unser Apotheker Ulrich Korn“, erläutert die Barleberin. „Er ist auch selber hin und wieder mit dabei und hat immer ein offenes Ohr.“

Das ist aber noch lange nicht alles für Roswitha Kus. Sie ist in Sport- und Spielgruppen aktiv und liest zudem gern einmal ein Buch. „Nachts mache ich oft meine Pläne für die ehrenamtlichen Tätigkeiten“, sagt sie. „Fernsehen ist nichts für mich, da beschäftige ich mich lieber mit anstehenden Terminen.“ Selbst zu den Kommunalwahlen hat sie sich aufstellen lassen. Bei allem bleibt aber auch noch Zeit für ihre Familie. Sie und ihr Mann haben einen Sohn und eine Tochter und sind inzwischen die Großeltern von zwei Enkeln.

„Einmal im Jahr machen wir sogar Familienferien“, verrät die 73-Jährige. „Das ist genau so wie man sich das vorstellt: Wir fahren gemeinsam weg und verleben schöne Tage miteinander.“ Das gefällt den Mitgliedern der Familie wohl recht gut, denn diese gute Tradition wird seit immerhin sechs Jahren intensiv gepflegt.