Wolmirstedt l Dorli Bierhals verschwindet fast hinter dem Steuer des Kleintransporters des Deutschen Roten Kreuzes. Die 75-Jährige ist klein und zierlich, vor allem aber ist sie das Gesicht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Das bescheinigt Kreisgeschäftsführer Ralf Kürbis und hofft, sie möge lange noch aktiv bleiben.

Mit dem Kleintransporter fährt sie durch den Kreis, oft zu Blutspenden oder sie ermöglicht Senioren damit eine Einkaufsfahrt. Dorli Bierhals kann sich gar nichts anderes vorstellen. „Mein Leben ist das DRK“.

Dem Heimatdorf verbunden

Das soll so bleiben, 60 Jahre ist sie schon dabei und es soll weitergehen. Nur kürzer treten wird sie, bei bördekreisweit organisierten Blutspendeaktionen künftig nicht mehr dabei sein. Dem Blutspendeteam in ihrem Heimatdorf Samswegen bleibt sie allerdings weiter erhalten. Was treibt sie an? Ganz klar: „Ich muss unter Leute.“

Solange Dorli Bierhals denken kann, hat sie sich für die Arbeit dieser Hilfsorganisation interessiert. Zunächst wurde das DRK ihre berufliche Heimat, arbeitete unter anderem als Lagerleiterin. Nach der Wende sollte sie in Halle tätig werden. „Wie sollte ich dort hinkommen, so früh von Samswegen aus?“, wundert sie sich noch heute über diesen Auftrag. Daraufhin bot ihr das DRK eine Stelle in Wolmirstedt an und fortan war Dorli Bierhals überglücklich mit der Arbeit.

Solange es den Zivildienst gab, hat sie sich um die Zivis des DRK gekümmert, hatte auch die Kleiderkammer unter ihren Fittichen. Bei all dem saß sie immer gern am Steuer eines Kleintransporters, hat Menschen mit Behinderungen gefahren. Auch mit Essen auf Rädern war sie lange unterwegs. Das hat ihr gefallen.

Mammutaufgaben beim Hochwasser

Mehrmals musste Dorli Bierhals zudem Mammutaufgaben in Großküchen stemmen. Beim Hochwasser 2002 versorgte sie mit ihrem Team in Zielitz 17 Tage lang gut 600 Helfer. Eine ähnliche Dimension erreichte die Arbeit beim Sachsen-Anhalt-Tag in Haldensleben im Jahr 2000.

Die Blutspende ist ihr seit 1993 ans Herz gewachsen. „Im Landkreis werden im Jahr etwa 115 Termine angeboten“, erzählt Mandy Oelke, Leiterin für Soziale Arbeit beim DRK. Fast ein Viertel, etwa 25 davon, deckt Dorli Bierhals ab, fährt mit ihrem Team nach Colbitz, Burgstall, Zielitz, Haldensleben oder baut die Station im Landratsamt auf. Für die anderen Spendentermine stehen drei weitere Betreuungsgruppen bereit.

Die Arbeit für jede der Blutspendenaktionen beginnt bereits gut zwei Wochen vor der eigentlichen Spende. Plakate müssen aufgehängt, die Frauen zusammengetrommelt, der Imbiss eingekauft werden.

Nicht zu ersetzen

Beim Blutspenden selbst ist Dorli Bierhals diejenige, die am Computer sitzt und die Anmeldedaten der Spender entgegennimmt. Ihre Teamkolleginnen schmieren und garnieren Schnittchen, denn schließlich soll jeder, der einen halben Liter Blut gegeben hat, danach schnell wieder zu Kräften kommen. Das Kreis-Team muss künftig ohne Dorli Bierhals auskommen, Nachwuchs steht allerdings bereit, zeigt sich Ralf Kürbis erleichtert.

Mit den Samsweger Blutspendehelferinnen wird Dorli Bierhals weiterhin das Medizinerteam unterstützen, auch die Wellener Senioren nimmt sie weiterhin im Kleinbus mit auf Einkaufstour. Und wegen all dem ist für DRK-Chef Kürbis klar: Dorli Bierhals ist nicht zu ersetzen.