Wolmirstedt l Die Märzwoche ist grau. Die Marktbesucher erledigen ihre Einkäufe, schwatzen mit den Händlern, mit anderen Marktbesuchern, eilen schließlich mit vollen Taschen oder Blumensträußen davon. Die Marktzeile ist belebt, nach der Mittagsstunde jedoch beinahe leer. Viele Händler packen zusammen.

In weniger grauen Wochen zeigt sich ein anderes Bild. Sobald die Sonne die Stadt mit Licht übergießt, kommen viele Besucher, der Mittwochs- und Freitagsmarkt ist Handelsort und Treffpunkt zugleich, Bürger aus Wolmirstedt und den umliegenden Ortschaften kommen zumeist am Vormittag, auch, weil es neben Obst, Gemüse, Fisch oder Käse viele Neuigkeiten gibt. Das soll ab April zuverlässig von 9 bis 15 Uhr möglich sein.

Regelung bis 30. September

Zunächst soll diese Regelung bis zum 30. September gelten, diese Saison ist eine Testphase. Dann werden Verwaltung und Markthändler erneut zusammenkommen und wenn sich diese Regelung bewährt hat, wird die Marktsatzung geändert.

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Die schreibt derzeit vor, dass der Markt bis 16 Uhr andauert. Die Realität sieht jedoch anders aus, viele Händler haben den Markt bereits um 14 Uhr verlassen. Das schlägt Lücken, die verbliebenen Händler stehen dann ziemlich einzeln in der Fußgängerzone verteilt und ärgern sich über das ausgedünnte Bild, das der Wochenmarkt am Nachmittag abgibt.

„Ich bin eine Verfechterin der längeren Standzeit“, sagt Blumenhändlerin Monika Biernoth, „die Stadt ist doch schon so tot.“ Sie sieht es für das gesamte Markttreiben als schädlich an, wenn jeder zu einer anderen Zeit geht. „Ich habe nachmittags immer noch Kunden“, sagt sie und wünscht sich, dass alle Händler gemeinsam bis in den Nachmittag bleiben.

Unterschiedliche Sicht der Händler

Manja Eisenga sieht das ein wenig anders. Sie bietet Käse an und hat die Erfahrung gemacht, dass nach 14 Uhr fast keiner mehr kommt. Länger möchte sie auf dem Markt auch künftig nicht stehen. Die 15-Uhr-Regelung ärgert sie auch deshalb, weil ihr Arbeitstag bereits um 5 Uhr beginnt. In der Morgenstunde wird Ware gepackt, ab 7 Uhr kann sie mit dem Verkaufswagen auf den Boulevard fahren. Bleibt sie bis 14 Uhr stehen, dauert ihr Arbeitstag bereits neun volle Stunden.

Diesem Argument pflichten auch Rita und Gerd Blume bei. Sie verkaufen Obst und Gemüse und auch ihr Arbeitstag beginnt um 5 Uhr. „Länger, als bis 14 Uhr hier zu stehen, macht keinen Sinn“, sagt Rita Blume, „danach kommen die Kunden nicht mehr.“ Gerd Blume weist außerdem darauf hin, dass Obst und Gemüse im Sommer bei höheren Temperaturen nicht den ganzen Tag über frisch bleiben können. „Wir arbeiten an der Luft und nicht in klimatisierten Räumen.“

Dirk Grams handelt ebenfalls mit Obst und Gemüse und steht am anderen Ende des Marktes, neben der ehemaligen „Süßen Ecke“ und behauptet das Gegenteil. „Ich bleibe oft bis 17 Uhr stehen“, sagt er, „es gibt ja schließlich auch Leute, die arbeiten.“ Zu ihm kommen Kunden auch noch am Nachmittag.

Verwaltung sucht Kompromiss

Aus all diesen Meinungen hat die Stadtverwaltung den Kompromiss erarbeitet, dass der Markt von 9 bis 15 Uhr dauern soll, dazu haben die Händler die Möglichkeit, ihren Stand zwei Stunden vor und zwei Stunden nach der Geschäftszeit auf- und abzubauen. Ab 7 Uhr sind die Poller offen, dann kann der Markt befahren werden, ab 17 Uhr kommen die Mitarbeiter des Wirtschaftshofs, um die Fußgängerzone zu reinigen.

Und was sagen die Kunden? Kathleen Bünsch ist aus der Nachtschicht gekommen und nutzt den Vormittag, um auf dem Markt einzukaufen. Ihr ist wichtig, dass der Markt überhaupt bleibt.

Renate Lehmann ist Inhaberin der Frisierkunst und nutzt die Wege zur Bank, um unterwegs am Vormittag Frischware zu besorgen. „Insofern bin ich also nicht die klassische Berufstätige, die erst am Nachmittag in die Stadt gehen kann.“ Für die „klassischen“ Berufstätigen wünscht sich Rentnerin Edith Dietl, dass die Markthändler auch am Nachmittag noch zur Verfügung stehen. „Ich kaufe gern vormittags auf dem Markt ein, aber für meine Tochter ist es schwierig.“

Auswertung Ende Sommer

Monika Hahn, die ebenfalls Rentnerin ist, geht auch gerne vormittags auf dem Markt einkaufen, sagt: „Aber wer wirklich berufstätig ist, hat null Chancen.“ Wieviele der Berufstätigen und anderen Bürger am Nachmittag tatsächlich auf den Markt gehen werden, ob sich das Geschäft für die Händler wirklich lohnt, wird am Ende des Sommers ausgewertet.