Wolmirstedt l In der Börde wurden am Mittwoch laut Gesundheitsamt 41 Menschen gezählt, die derzeit mit dem Corona-Virus infiziert sind, in ganz Sachsen-Anhalt waren es Dienstag laut Sozialministerium 687. Die Zahlen sind gering im Vergleich zu denen, die beispielsweise süddeutsche Regionen vermelden, trotzdem gehen die Nachrichten über steigende Infektionszahlen auch an den Wolmirstedtern nicht spurlos vorbei. Deutliches Zeichen: Es wird wieder gehamstert.

Das erstaunt Verkäuferinnen und Marktleiter, denn sie hatten gedacht, die Bürger haben aus der Zeit des ersten Lockdowns gelernt. Da gab es eigentlich keine Warenknappheit, nur Engpässe, die durch die Hamsterkäufe entstanden waren. Nun scheint es wieder auf diese Art Mangel hinauszulaufen, die ersten Supermarktregale sind leer. Und wieder wird die Hamsterliste von einem Produkt angeführt: Toilettenpapier.

Im Drogeriemarkt Rossmann sind lediglich einzelne Pakete der teureren Sorten zu haben, ansonsten ist alles verkauft. „Dabei hatten wir so viel auf Lager“, sagt Heike Harwig. Doch die Vorräte sind zusammengeschmolzen wie Schnee im Juni. Wegen der Hamsterkäufe ist der Markt - wie im März - dazu übergegangen, wieder nur zwei Packungen pro Kunde abzugeben.

Bestände nehmen ab

Doch nicht nur Toilettenpapier ist gefragt. Auch Küchenrollen-, Feuchttücher- und Seifenbestände nehmen rapide ab.

Dasselbe Bild zeigt sich nebenan im NP-Markt. Auch dort ist das Toilettenpapierregal leergefegt. Außerdem packen die Kunden wieder vermehrt Mehl in den Einkaufswagen. Mehl wird knapp, auch wenn sich zeitgleich nur 20 Kunden zwischen den Regalen bewegen dürfen.

Ansturm auf Konserven

Im Penny-Markt gibt es zwar noch Toilettenpapier, dafür sind Küchenrollen nur noch vereinzelt zu finden. Außerdem habe es dort bereits wieder einen großen Ansturm auf Konserven gegeben.

Im E-Center im Lindenpark muss das Regal mit dem Toilettenpapier ebenfalls wieder permanent aufgefüllt werden. Viele Kunden legen nach kurzer Überlegung ein zweites Paket in den Korb. „Wahrscheinlich werden wir die Abgabemenge bald wieder beschränken“, blickt der stellvertretende Marktleiter Gordon Wermuth sorgenvoll ins Regal. Insgesamt sei der Umsatz im Markt in den vergangenen Tagen wieder stark angestiegen.

Das erinnert an den März. Da waren neben Toilettenpapier vor allem Hygieneartikel, Mehl, Nudeln, Reis, Konserven und H-Milch aus den Regalen verschwunden. Die Lieferanten konnten den steigenden Bedarf kaum decken, die Supermärkte waren dazu übergegangen, stark gefragte Waren nur noch in handelsüblichen Mengen abzugeben. So schlimm wie damals ist die Situation derzeit nicht, doch Gordon Wermuth sagt: „Wir haben gelernt.“

Lager werden aufgefüllt

Das heißt: Als sich vor Tagen sich herausgestellt hatte, dass die Corona-Pandemie wieder an Fahrt aufnimmt, hatte die Marktleitung begonnen, das Lager mehr als sonst aufzufüllen. Manches davon sehen auch die Kunden, beispielsweise steht am Eingang ein riesiger Block aus H-Milch-Kartons.

Doch Gordon Wermuth hat alle Regale im Blick. Wo die Flüssigseife aufgereiht ist, zeigt zumindest die untere Reihe mit den günstigeren Produkten bereits sichtbare Lücken. Ohne Prophet zu sein, weiß der E-Center-Vize-Chef aus Erfahrung: „Die Leere wächst mit der Zeit hoch.“ Die Seife wird quasi von unten nach oben gekauft, solange, bis alle Regale leer sind, bis lediglich im oberen Bereich die höherpreisigen Produkte bleiben.

Kundenzahl nicht beschränkt

Noch ist im E-Center die Kundenzahl nicht beschränkt. „Das wichtigste“, sagt Gordon Westphal, „ist Abstand halten und Maske tragen.“ Für die Hygiene stehen Desinfektionsspender am Eingang bereit.

Noch liegt Wolmirstedt mit 8,19 weit unter der kritischen Sieben-Tages-Inzidenz, die angibt, wie viele neue Corona-Infizierte je 100 000 Einwohner es in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. Bei 35 Neuinfektionen springt eine Art Warnsystem an, ab 50 Neuinfektionen kann die Politik Maßnahmen ergreifen. Davon sind Wolmirstedt und die Börde zum Glück weit entfernt.