Meitzendorf l In diesem Jahr feiert der Weisse Ring, ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, sein 40-jähriges Bestehen. Das Geburtstagsjahr steht unter dem Motto „Sei stark, hol dir Hilfe“ und ist hauptsächlich auf Prävention ausgerichtet. Dies steht bereits seit Jahren im Fokus der Arbeit der Außenstelle Börde mit Sitz in Barleben.

„Dazu gibt es seit längerem eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendclubs. Wir wollen die Jugendlichen anregen, über die leider zunehmende Gewalt an Schulen und speziell über Ursachen und Folgen nachzudenken und offen zu sprechen“, erklärt Dieter Montag, Leiter der Außenstelle Börde. Der Weisse Ring bekomme oft Aufklärungsfilme zum Thema aus dem Bundesgebiet. Damit sei es allerdings schwer, Identifikation zu schaffen, fügt Dieter Montag hinzu.

Jugendliche drehen eigenen Film

So entstand die Idee, dass Kinder und Jugendliche einen eigenen Film drehen. Das Thema Mobbing haben sie sich selbst ausgesucht. Acht Jugendliche und Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sowie zwei Erzieherinnen und eine Mutter aus Meitzendorf schrieben das Drehbuch, führen Regie oder stehen vor der Kamera. Andreas Richter führt die Kamera und gibt den Laienschauspielern Tipps.

Die ersten der sechs Szenen sind mittlerweile im Kasten. Jede Woche kommen die Filmemacher im Kidsclub in Meitzendorf zusammen, um den etwa acht bis zehn Minuten langen Streifen zu vollenden. Dabei sind regelmäßig auch Vertreter des Weissen Rings wie Manfred Knechtel, der im Film eine Rolle als Berater spielt, Kati Matthias, die als Mutter auftritt oder Sozialarbeiterin Renate Schwirzke. Sie alle zeigen sich beeindruckt, mit welchem Engagement die jungen Leute dabei sind.

Schlüsselszene aus dem Alltag

„Kein Wunder! Vieles haben sie selbst erlebt oder kennen es von Mitschülern“, sagt Dieter Montag. So wie die Schlüsselszene des Filmes: Ein Mädchen wird von ihren Mitschülern geärgert, und schließlich wird ihr neues Handy zerstört. Das Lästern in Gruppenchats wie WhatsApp, das sogenannte Cyber-Mobbing, sei ein weiteres Problem der jungen Leute. Auch Gewalt unter Kindern oder die Ohnmacht mancher Lehrer sollen thematisiert werden.

Wenn ihr Film fertig ist, dürfen die Schauspieler zuerst einen Blick darauf werfen. Etwa Mitte Mai, schätzen die Verantwortlichen, soll feierliche Premiere sein. Dazu werden neben den Akteuren auch Eltern, Lehrer und Politiker sowie Sponsoren eingeladen. Unterstützt wird das Projekt des Weissen Rings und Jugendclubs Barleben/Meitzendorf zum Beispiel vom Lions Club Ohrekreis, der 300 Euro für DVDs und die Präsentation gespendet hat. Zum 21. bundesweiten Präventionstag am 6. und 7. Juni in Magdeburg soll der Film dann einem breiten Publikum vorgestellt werden.

Für das Thema sensibilisieren

Außerdem ist geplant, ihn anderen Schulen als Lehrfilm zur Verfügung zu stellen. Nach der Vorführung ist immer eine Diskussionsrunde vorgesehen. Einladungen zu solchen Projekttagen liegen dem Weissen Ring bereits vor. „Wenn es uns gelingt, Jugendliche und Pädagogen für das Thema zu sensibilisieren, hat der Film sein Ziel erreicht. Es ist bekannt, dass Jugendliche, die Opfer von Mobbing und Gewalt wurden, in ihren Leistungen nachlassen. Es gab sogar schon Selbstmorde. Die Dunkelziffer ist hoch“, betont Dieter Montag.