Barleben l Schon seit Oktober geht das Thema durch die politischen Gremien. Die Verwaltung hatte die Übertragung des Betriebs des Jersleber Sees an einen privaten Betreiber vorgeschlagen. In einer vorbereiteten Beschlussvorlage wollte sich die Gemeinde von den Ratsmitgliedern die Legitimation zur Erstellung eines entsprechenden Konzeptes holen. Kurz vor Weihnachten kam dann das OK der Kommunalpolitiker.

Diese Machbarkeitsstudie kann nun bald in Auftrag gegeben werden. Die Mittel für das Projekt werden fließen, und zwar aus dem Europäischen Sozialfonds. Das hat jetzt Margitta Häusler von der Lokalen Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“ (LAG) mitgeteilt. Die LAG ist das organisatorische Herzstück der Leader-Aktivitäten in der Region und lenkt die regionale Arbeit von der Colbitz-Letzlinger-Heide bis zur A2. Als zentrales Instrument unterstützt und steuert das Zweckbündnis von inzwischen etwa 40 verschiedenen Akteuren den Entwicklungsprozess. Neben Barleben sind weitere Kommunen, Institutionen, Verbände, Unternehmen, Vereine und Privatpersonen vertreten.

Klärung durch Studie

„Eine der großen Fragen, die es zu beantworten gilt, lautet: Wie ist der Jersleber See in Zukunft zu betreiben? Die von uns geplante Machbarkeitsstudie soll dies klären“, sagt Barlebens Bürgermeister Frank Nase (CDU) auf Volksstimme-Nachfrage. Im Fokus stehe dabei, das Erholungszentrum für die Bürger attraktiver zu gestalten. „Wir als Kommune können den Jersleber betreiben. Aber kann das ein privater Betreiber besser? Diese Frage müssen wir uns stellen“, betont der Rathauschef. Außerdem gelte eine gesetzliche Vorgabe, die da heißt: „Was gewerblich zu betreiben ist, soll auch gewerblich betrieben werden.“ „Die von uns in Auftrag zu gebende Studie soll schauen, welche Wege dafür beschritten werden müssen“, erklärt der Bürgermeister weiter.

Der Bescheid für das Projekt ist Ende Mai in Barleben eingetroffen. Die Ausschreibung ist laut Nase bereits erfolgt. „Ich gehe davon aus, dass wir schon sehr bald die Ergebnisse der Studie sehen können“, ist sich Frank Nase sicher. Er geht davon aus, dass das Konzept schon sechs bis zwölf Wochen nach der Auftragsvergabe auf dem Tisch liegt. Das würde noch im dritten Quartal sein. Je nach Ergebnis würden entsprechende Beschlussvorlagen erarbeitet und in den Gremien diskutiert. Das Ziel des Bürgermeister ist es, dass bis zum Mai kommenden Jahres ein neuer Betreiber die Arbeiten am Jersleber übernimmt. „Bis dahin muss natürlich eine entsprechende Ausschreibung schon gelaufen sein“, hebt der Rathauschef hervor.

Verschiedene politische Strömungen

Das klingt alles sehr ambitioniert. So weiß der Rathauschef auch um die verschiedenen politischen Strömungen innerhalb der Gremien. Deshalb zeigt er auf, was ihm und seinen Mitarbeiterin künftig am Jersleber See vorschwebt. So sei in der Verwaltung eine Liste mit 38 Punkten erstellt worden, mit denen das Erholungszentrum attraktiver gestaltet werden soll. So könnte in Zukunft eine Wasserski-Strecke entstehen sowie ein Indoor-Spielplatz. Außerdem könnten zusätzliche Bungalows zur Vermietung gebaut werden. Zielgruppen wären Wochengäste wie Familien mit Kindern. Zudem könnte eine Seeterrasse das Areal weiter mit Leben füllen. Außerdem sollen Tretboote angeboten, Strandsportmöglichkeiten gebaut und eine Hüpfburg-Landschaft installiert werden. Nicht zuletzt könnte ein WLAN-Netz für sorgenfreies Surfen im Internet sorgen.

„Ich bin ein echter Fan des Jerslebers. Er ist ein ungeschliffener Diamant, der von einem Profi geschliffen werden muss“, so die Ansicht des Bürgermeisters. Er wolle das Erholungsgebiet nicht loswerden, sondern aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Das diene schließlich der Steigerung des Gemeinwohls. Die Bungalow-Siedlung bleibt von alldem unberührt.

Vereinbarungen mit den Betroffenen

Doch geht es der Verwaltung wohl nicht nur um die „Steigerung des Gemeinwohls“. Die Eigentumsverhältnisse am Jersleber See sind für Außenstehende nur schwer zu durchschauen. Es gibt Flächen, die gehören der Gemeinde Barleben, andere Flächen der Niederen Börde, Wolmirstedt sowie privaten Eigentümern. Der Betrieb des Erholungszentrums jedoch steht unter der Verantwortung Barlebens. So ist es durch Zweckvereinbarungen mit den Betroffenen geregelt.

Doch dabei handelt es sich um ein Verlustgeschäft. So wurden die Zuschüsse zwar im Zuge der Haushaltskonsolidierung der vergangenen Jahre reduziert, indem Einnahmen erhöht und Kosten gesenkt wurden. Dennoch schreibt der Jersleber See alljährlich rote Zahlen. Allein 2018 musste Barleben das Geschäft mit fast 60 000 Euro bezuschussen, ein Jahr zuvor waren es sogar fast 100 000 Euro mehr. Laut Frank Nase liegen die jährlichen Kosten aktuell bei rund 400 000 Euro. Auch deshalb müssen also Ideen her.