Wolmirstedt l Etwa 5600 Euro hat der Förderverein „Gestrandeter Zug -Förderung des Gedenkens der Befreiung des KZ-Zugs in Farleben am 13. April 1945“ bereits sammeln können, sagt Museumsleiterin Anette Pilz in Wolmirstedt.

Ziele des Fördervereins sind die Errichtung eines Mahnmals am Ort der Befreiung zum Jubiläum im April 2020, die Organisation einer Gedenkwoche, die Errichtung eines Informationsleitsystems in Farsleben und Hillersleben, die Gestaltung einer Sonderausstellung im Museum Wolmirstedt und die Herausgabe einer Broschüre in Kooperation mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Opfern Identität zurückgeben

Das wichtigste Ziel aller Aktivitäten sei es, so heißt es auf einem Flugblatt des Fördervereins, den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur ihren Namen, ihre Biografie und damit ihre Identität zurückzugeben. Für diese Vorhaben braucht der Verein insgesamt 10.000 Euro. Unterstützt wird er auch von Kreis, Bund und Land. „Aber wir sind bisher erfreut, dass wir schon so viele Förderer, Privatleute und Firmen gefunden haben“, sagt Annette Pilz.

Bilder

Etwas enttäuscht sei Karin Petersen darüber, dass so wenige Politiker sich bisher für die Benefiz-Radtour am 7. September angemeldet haben. „Es wäre doch eine gute Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen“, sagt die Geschichtslehrerin. Mit dabei sein werden unter anderem Holger Stahlknecht (CDU) und der Antisemitismus-Experte des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Schneiß. „Jetzt, wo Rechtsradikalität und Antisemitismus immer mehr in die Mitte der Gesellschaft rückt, ist es sehr wichtig, an die Geschichte zu erinnern“, sagt Karin Petersen.

Veranstaltungen zur Erinnerung

Bevor sich die Geschichte des gestrandeten Zuges im nächsten Jahr zum 75. Mal jährt, sollen viele Veranstaltungen die Erinnerung wachhalten. Die nächste ist eine Lesung am Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium in Wolmirstedt, bei der der Zeitzeuge Micha Tomkiewicz aus den USA anwesend sein wird. Lesen werden Schüler des Gymnasiums. Bei der Veranstaltung wird ein Übersetzer zugegen sein, sodass Besucher ihre Fragen im Anschluss an die Lesung auch auf Deutsch stellen können, erklärt Petersen.

Die Schüler werden aus der Autobiografie von Mina Tomkiewicz „There was life even there“, auf deutsch „Es gab sogar dort Leben“ vorlesen. „Darin beschreibt die Mutter von Micha Tomkiewicz ihre Erfahrungen während der deutschen Besatzung in Warschau und im Konzentrationslager Bergen-Belsen bis zur Befreiung. Micha Tomkiewicz selbst wurde gemeinsam mit seiner Mutter durch US-amerikanische Gruppen in Farsleben befreit. Heute lebt er in New York und ist ein Experte und Autor zahlreicher Fachbücher auf dem Gebiet globale Erwärmung, Energie- und Klimawandel. Auch darüber dürfen Fragen gestellt werden, sagt Petersen.

Die Lesung findet am 19. August um 17 Uhr im Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium statt. Informationen dazu, wo gespendet werden kann, gibt es im Museum.