Wolmirstedt l Eigentlich hatten die Mitglieder des Bau- und Wirtschaftsausschusses nur über zwei Anträge zur Friedhofskonzeption zu entscheiden. Die beschäftigen sich mit der bestehenden Trauerhalle.

So schlägt die Fraktion SPD/Linke/Grüne vor, „die vorhandene Friedhofskapelle, unter Beachtung der denkmalbaulichen Gegebenheiten, hinsichtlich ihrer Nutzung“ zu überplanen und „durch Erweiterungen den gegenwärtigen Anforderungen“ gerecht herzurichten. Dazu gesellte sich der Vorschlag der AfD, den „Zugang zur Kapelle auf dem Friedhof in der Kernstadt Wolmirstedt“ barrierefrei zu gestalten. Das hieße, den Kapellenzugang stufenlos zu ermöglichen.

Als diese beiden Punkte zum Ende der Ausschuss-Versammlung heranrückten, präsentierte die Fraktion KWG, WWP, FDP, FUWG in Person des Ausschussvorsitzenden Mike Steffens gar einen dritten Antrag. Dabei geht es um einen Variantenvergleich. „Wir möchten die Verwaltung bitten zu ermitteln, was Sanierung sowie Ausbau der bestehenden Kapelle und was der Neubau einer Trauerhalle kosten würden“, sagte Steffens. Die eingereichten Anträge der anderen Fraktionen wären an sich nicht schlecht und durchaus begrüßenswert, aber im Sinne der Einwohner sollte auch ein Neubau zur Debatte stehen. Zumal ohnehin die Bürger – auf der Basis eines Dialogs – das letzte Wort in Sachen Gestaltung haben sollen, hieß es.

Idee sorgt für erstaunte Gesichter

Die Verkündung sorgte für erstaunte Gesichter, aber die Reaktion der vertretenen Stadträte war durchaus positiv. So fand Nico Henning (SPD/Linke/Grüne) den Gedanken interessant. „Allerdings kann ich hier nur sagen, wie ich das persönlich finde“, merkte er an. „Wir müssen erst einmal in der Fraktion dazu sprechen. Das wird der AfD sicher ähnlich gehen.“ Prinzipiell stehe er dem Vorschlag aber positiv gegenüber. Mathias Knispel (AfD) äußerte sich ähnlich: „Ganz sicher müssen wir bei uns erst einmal darüber reden. Ich persönlich finde die Idee gut und wäre durchaus dafür.“

Die beiden zuvor gestellten Anträge wurden dennoch abgestimmt. Der Vorschlag zur Sanierung wurde mit einigen Enthaltungen durchgewunken, da er bei der künftigen Debatte einen der Grundpfeiler darstellt. Der AfD-Antrag erhielt eine Ablehnung. Dazu äußerte sich Henning wie folgt: „Es ist in der heutigen Zeit sowieso üblich, barrierefrei zu bauen.“ Daher sei der zusätzliche Antrag seiner Meinung nach überflüssig. Er bat allerdings darum, den Zusatz der Barrierefreiheit in den Antrag seiner Fraktion nachträglich aufzunehmen. Die Fraktion KWG, WWP, FDP, FUWG hat inzwischen den genauen Wortlaut ihres Antrags präzisiert und bei der Stadtverwaltung eingereicht.

So erklärte Mike Steffens im Gespräch mit der Volksstimme, dass seine Fraktion schon von vornherein eine Variante, die mehrere Möglichkeiten für die Kapelle vorsieht, einreichen wollte. „Es ging jedoch darum, erst einmal die Friedhofskonzeption zu verabschieden. Die beschreibt ja erst einmal die Aufteilung der jeweiligen Flächenbereiche“, sagte er. „Nun, wo es direkt um die Kapelle geht, war der Zeitpunkt gekommen unsere Ideen vorzustellen.“

Insbesondere sollen Investitionskosten, Gebührenkalkulation sowie die Vor- und Nachteile der beiden Varianten dargestellt werden. Wert wird auch auf die Beachtung des Denkmalschutzes gelegt. Als weitere Voraussetzungen werden die Barrierefreiheit sowie eine mögliche Nutzung für 50 bis 100 Personen genannt. Auch das Vorhandensein einer behindertengerechten Toilette sei wichtig.

„Sobald die Gegenüberstellung der Varianten vorliegt, soll diese in die nächste Beratungsfolge gehen. Das Ergebnis dieser soll dann in das geplante Bürgerforum gegeben werden“, beschreibt Steffens. Letztendlich beinhaltet diese Vorlage die Anliegen der AfD und der Fraktion SPD/Linke/Grüne. Steffens ist sich sicher, dass für den Antrag Mehrheiten im Stadtrat zu bekommen sind. Darin haben ihn die positiven Antworten der Ausschussmitglieder bestärkt. Daher soll das Papier auch schon zur nächsten Stadtratsversammlung zur Abstimmung stehen.

Kurios mag es für den Außenstehenden erscheinen, denn im Prinzip wollen alle drei Antragsteller das selbe. Das ist auch Steffens klar. „Ja, wir sollten fraktionsübergreifend mehr miteinander reden“, sagte er. Die Voraussetzung dafür sieht er, denn es gehe durchaus konstruktiv bei Ratssitzungen zu.