Wolmirstedt l Die Nachricht war gut. Wolmirstedt bekommt von den Stadtwerken 127.000 Euro mehr als ursprünglich angenommen. Schnell war im Rathaus ein Plan gestrickt, wofür dieses zusätzliche Geld ausgegeben werden soll. Drei Positionen wurden dem Stadtrat vorgestellt. Doch die Stadträte haben inzwischen eigene Vorstellungen entwickelt. Nun wurde für den 17. Oktober ein Sonderstadtrat einberufen.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, 55.000 Euro für einen neuen Sonnenschutz für die Kitas „Pusteblume“ und „Ohrespatzen“ auszugeben, 47.000 Euro für das Küchenhorn-Stadion „Glück auf“ bereitzustellen, damit es noch ein paar Jahre nutzbar ist, und 25.000 Euro für einen neuen Gerberbrunnen. Der war im März von Unbekannten gesprengt worden. Die Versicherung zahlt den Herstellungspreis von 30.000 Euro, inzwischen kostet ein Neuguss der Bronzeplastik allerdings 55.000 Euro.

Im Zuge der Debatte ploppte die Frage auf, ob es überhaupt einen neuen Gerberbrunnen geben müsse. Rebecca Lange (KWG Börde) schlug vor, Studenten der Kunsthochschule nach neuen Entwürfen zu fragen. Fritz-Georg Meyer (CDU) konnte sich eine Mini-Variante vorstellen, einen Gerber, der für die Versicherungssumme von 30.000 Euro zu haben sei. Diese Vision regt Heinz Maspfuhl (SPD) ziemlich auf. Ein „Hutzelmännchen“ auf der Schlossdomäne? Das geht nicht.

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Sein Argument: Die Schlossdomäne ist der beliebteste Ort der Wolmirstedter. Das wurde im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ermittelt. Dorthin führen Einwohner ihre Gäste, dort befinden sich Bibliothek, Bürgerhaus, Museum und ein stark frequentiertes Eiscafé.

Gerber ist ein Stück Stadtgeschichte

„Der Gerber ist ein Stück Stadtgeschichte“, meint auch Stefanie Schneider, „er gehört dort wieder hin.“ Die Kantorin der evangelischen Kirche würde am liebsten selbst spenden. „Wenn sich die Bürger an der Finanzierung beteiligen, kann die Stadt das Geld für andere Dinge ausgeben“, sagt sie. Noch hat sie wenig Mitstreiter gefunden, aber es gibt Ideen: „Wir könnten in einer getöpferten Gerberfigur Spenden sammeln.“

Übrigens: Stefanie Schneider wehrt sich keineswegs gegen moderne Kunst. „Aber an dieser Stelle hat der Gerber gestanden, dort soll er auch wieder hin.“ Unter anderem, damit nicht denjenigen das Feld überlassen wird, die diese Bronzeskulptur gesprengt haben.

Videoüberwachung ab 1. November

Die Stadt hatte auf den zunehmenden Vandalismus reagiert und eine Videoüberwachung vorgeschlagen, auch, um der allgemeinen Zerstörung und Vermüllung des Platzes entgegenzuwirken. Besonders in den Sommermonaten waren vor allem an den Wochenenden immer wieder Lampen zerstört und Scherben und Müll hinterlassen worden. Der Stadtrat hatte der Videoüberwachung zugestimmt, sie soll am 1. November in Betrieb gehen. Bis dahin kontrolliert ein Sicherheitsdienst.

Die 127.000 Euro der Stadtwerke haben bei den Stadträten noch andere Begehrlichkeiten geweckt. Die Ortschaften wollen vom Kuchen ein Stück abhaben, und zwar wurden für Mose 1000 Euro, für Farsleben, Glindenberg und Elbeu jeweils 1500 Euro zur freien Verfügung gefordert. Die AfD möchte von der Gesamtsumme ein Begrüßungsgeld für alle Neugeborenen auszahlen. Das Geld steht allerdings nur in diesem Jahr zur Verfügung.

Sportler schalten sich in die Debatte ein

In die Debatte haben sich mittlerweile die Sportler eingeschaltet, die das Küchenhorn-Stadion nutzen. Sie würden sich freuen, wenn die 47.000 Euro wie geplant ins Küchenhornstadion fließen. Selbst, wenn das angesichts der nötigen Investitionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre.

Michael Knackmuß spricht für die „Ohrekicker“ und fordert, dass der Fußballplatz wieder hergerichtet wird. „Wir können den Hauptplatz nur noch für den Spielbetrieb nutzen. Für das Training weichen wir auf andere Sportplätze aus.“ Training und Spielbetrieb gleichermaßen sei dieser Platz nicht mehr gewachsen. Michael Knackmuß hofft, dass sich der Stadtrat den nötigen Investitionen nicht widersetzt. „Es ist wichtig, dass etwas passiert. Dann sind auch die Eltern wieder bereit, sich mehr zu engagieren.“ Die hatten den Fußballplatz wieder hergerichtet, nachdem er von Wildschweinen zerwühlt worden war.

Für die Leichtathleten springt Sabine Große in die Bresche. Die aktive Sportlerin, die außerdem ein Sportgeschäft in Magdeburg betreibt, ist inzwischen Oma und begleitet ihre Enkelkinder zum Training ins Küchenhorn-Stadion.

Für sie sind Investitionen in diese Sportstätte unerlässlich. „Wenn es regnet, müssen sich die Kinder im Sprecherturm unterstellen, doch der ist von Schimmelpilzen befallen.“ Die Überdachung der Tribüne ist aus Sicherheitsgründen vor mehreren Jahren abgetragen worden. Außerdem müsse die Laufbahn saniert werden. „Wenn nicht dringend etwas passiert, brauchen wir im nächsten Jahr nicht mehr zum Training zu kommen.“

Sabine Große hat die schlimmsten Stellen fotografiert und wird diese Bilder am 17. Oktober den Stadträten vorlegen. In einem Punkt ist sie sich mit den „Ohrekickern“ ohnehin einig: „Es ist wichtig, dass sich die Stadt mit den Fußballern und Leichtathleten zusammensetzt, damit besprochen wird, welche Maßnahmen die wichtigsten sind.“

Wie lange das Küchenhorn-Stadion Bestand hat, ist ungewiss. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz stellt Geld für einen Neubau an anderer Stelle zur Verfügung. Dann könnte das Küchenhorn wieder Auwald werden, die Gefahr einer Überflutung des Stadions bei Hochwasser wäre gebannt.