Wolmirstedt l Die Geschichte des Farsleber Zuges wurde schon oft erzählt. Nun soll sie in Farsleben sichtbarer werden. Überlebende, Nachkommen und Hinterbliebene sollen einen Ort finden, der die Geschichte des Zuges lebendig hält. Dafür will sich der Verein „Gestrandeter Zug“ stark machen. Elf Mitglieder haben ihn am Dienstagabend im Museum gegründet. Vorsitzende ist Karin Petersen.

„Wir wollen nicht allein der Toten gedenken, sondern der Befreiung des Zuges“, macht Karin Petersen deutlich. Obwohl dieser Zug im Wortsinn nicht befreit worden ist, die Geschichte hatte es mit vielen Insassen gut gemeint. Karin Petersen ist Geschichtslehrerin am Gymnasium. Vor gut vier Monaten hatte sie die Geschichte des gestrandeten Zuges entdeckt und wird davon seither nicht mehr losgelassen. „Es gibt Bücher von Überlebenden, es gibt Filme und Zeitzeugenberichte. Das wollen wir zusammenfassen.“

Vier Stelen und ein Monument geplant

Dafür will das Museum eine Ausstellung organisieren, einzelne Schicksale sollen erzählt werden, es soll eine Broschüre geben, ein Informationsleitsystem, vier Stelen und ein Monument. Die Stelen sollen auf dem Farsleber Friedhof, in der Nähe von Webers Hof, auf dem Platz der einstigen Farsleber Küche sowie auf dem Gelände des jüdischen Friedhofs in Hillersleben errichtet werden. Das Monument soll seinen Platz möglichst an den Bahngleisen bekommen, dort, wo der Zug am 13. April 1945 gehalten hat. Der Verein hofft, dass dieses Monument am 75. Jahrestag, dem 13. April 2020, der Öffentlichkeit übergeben wird.

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Auf die Vereinsmitglieder wartet viel Arbeit. Vor allem muss ein Finanzplan aufgestellt und Gelder beantragt werden. Bücher und Zeitzeugenberichte sind meist auf Englisch verfasst und brauchen eine deutsche Übersetzung. „Wir wollen den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur den Namen, die Biografie und die Identität zurückgeben“, erklärt Karin Petersen ein Vereinsziel. Dafür arbeitet sie mit der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen zusammen. „Dort stehen auf Listen 2200 Namen von Menschen, die in dem Zug gesessen haben.“

Viele der Insassen waren damals Kinder, deshalb gibt es noch immer Überlebende. „Manche wollen erst jetzt über die Ereignisse reden“, weiß Karin Petersen. Wohl auch, weil sie wissen: Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit.