Ebendorf l Martin Oppermann ist in der Region bekannt, nicht zuletzt durch die vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die er übernommen hat. Der 41-Jährige ist Vorsitzender des Elternkuratoriums in der Ebendorfer Kindertagesstätte (Kita), Mitglied im Elternrat der Grundschule in Dahlenwarsleben, Ortschaftsratsmitglied sowie stellvertretender Wehrleiter. Er ist verheiratet mit seiner Frau Kristin, einer Ur-Ebendorferin, und hat mit ihr zwei Kinder, welche sieben und drei Jahre alt sind. Beruflich ist er tätig als pädagogischer Referent im Bundesfreiwilligendienst für unter 27-jährige bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD), Sicherheitsbeauftragter und Betriebsratsvorsitzender.

Strukturierter Arbeitstag

„Das ist sicher eine lange Liste von Funktionen“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. „Aber per Telefon und Internet kann man heutzutage schon eine ganze Menge von zu Hause aus managen.“ Die Bundesfreiwilligen betreut er derzeit auf diese Weise. Er begleitet sie pädagogisch, organisiert die Stellen. „Das geht quasi vom ersten Interesse her weiter zur Bewerbung über das ganze Jahr bis hin zum Abschluss“, erklärt er. Das macht er seit 2011 – seit dem generellen Beginn des Bundesfreiwilligendienstes. Damit verbinden sich im Normalfall viele Reisen, Seminare, Besprechungen und Vor-Ort-Termine – die finden in der Form so erst einmal nicht statt.

Seit Dienstag ist Oppermann im Homeoffice. Angeordnet wurde dies bis erst einmal zum 13 April. „Das gilt für alle Mitarbeiter, das sind immerhin 26 in Halberstadt, Magdeburg und am Standort Thüringen“, erzählt er.

Wie läuft da so ein normaler Arbeitstag ab? „Ich stehe kurz vor 5 Uhr auf, bereitet Frühstück vor, kümmere mich um die Tiere – also zwölf Hühner und einen Hahn“, erzählt er. „Die Kinder wecke ich spätestens 6.30 Uhr. Meine Frau darf schon allein aufstehen. Dann gibt es Frühstück. Die Kinder putzen ihre Zähne und bereiten sich wie zur Schule oder zur Kita vor.“

Dann werden die Schulaufgaben für 7-jährige Tochter abgesprochen. Die Schule hat Aufgaben gegeben und die müssen gelöst werden. „Es wurde das Angebot gemacht, diese telefonisch zu erklären. Wer Fragen hat, kann in der Schule anrufen, es ist immer ein Lehrer erreichbar“, sagt der 41-Jährige. „Die Tochter macht dann Schulaufgaben und ich kümmere mich um den dreijährigen Sohn.“ Der sortiert die Spielsachen und sucht sich etwas aus.

Laptop an und los

„Wenn bis dahin das Telefon noch nicht geklingelt hat, beginne ich auch tatsächlich selber zu arbeiten“, beschreibt Martin Oppermann. „Das heißt, Laptop an und vorwärts geht‘s. Da warten Verwaltungsarbeiten, Emails, es müssen Telefonate geführt werden und alle zwei Tage gibt es eine Telefonkonferenz zu festgesetzten Terminen am Montag Mittwoch und Freitag – immer um 10 Uhr.“ Mit dem Chef und dem Betriebsrat – das sind dann vier Leute – werden Aufgaben besprochen.

Der Kontakt zu Bundesfreiwilligen und deren Stellen erfolgt per Telefon oder Mail. Diese sind in Hundisburg, Seehausen, Wolmirstedt sowie Bülstingen aktiv. „Wir sind auch Dienstleister für das freiwillige soziale Jahr, das freiwillige ökologische Jahr und die Bundesfreiwilligen“, erzählt Oppermann weiter. „Dabei arbeiten wir zum Beispiel eng mit der Lebenshilfe Ostfalen zusammen.“

Selbst im derzeitigen Krisenmodus muss immer kommuniziert werden, was neu angeordnet worden ist und welche Zeiträume festgelegt sind. Dazu zählen Verhaltensempfehlungen und die Überprüfung, wer freigestellt worden ist und aus welchen Gründen.

„Die Nachweise sind wichtig, denn es geht um Fördergelder, das muss schon alles genau laufen“, sagt der Pädagoge. „Das nimmt Zeit in Anspruch und kann schon einmal langweilig werden. Aber letztendlich betreue ich allein 33 Teilnehmer. Insgesamt tragen wir für 300 Leute die Verantwortung. Die müssen koordiniert werden.“

Eine Coronainfektion wäre informationspflichtig, denn die Mitarbeiter sind meist in sensiblen Bereichen tätig, wie Altenpflege, Kindertagesstätten , Krankenhäuser und Behindertenhilfe.

Papa kümmert sich um das Mittagessen

Der Tagesablauf im Homeoffice bringt aber noch weitere Aufgaben mit sich. Martin Oppermann kümmert sich um das Mittagessen. „Dafür haben wir uns auf einen langen Plan verständigt. Jeder durfte seine Wünsche äußern. Da stehen auch schon einmal Nudeln drauf.“ Als Koch ist er aktiv und da hat Oppermann schon einige Erfahrungen. „Es gibt schon etwas Vernünftiges. Beschwerden sind selten“, merkt er schmunzelnd an.

Das Einkaufen erledigt er immer zwischendurch, zumal die Familie immer etwas vorrätig hat. „Wir haben eine große Kühltruhe, sind aber jetzt nicht diejenigen, die drei Wochen nach einem Atomkrieg überleben würden. Drei Tage Stromausfall kriegen wir aber hin“, fügt er hinzu.

Danach räumt die Tochter den Schreibtisch auf und hat ein wenig Freizeit, während der Sohn seinen Mittagsschlaf absolviert. „In der Zeit arbeite ich noch einmal am Rechner“, sagt Martin Oppermann. „Am Nachmittag gehen wir zusammen in den Garten an die frische Luft. Zuletzt war ja richtig gutes Wetter.“ Der Spielplatz ist jedoch passé, da er gesperrt ist. Außerdem bleibt die Familie auf dem Grundstück, so wie es vorgeschrieben ist.

Dann kommt aber auch schon Mutter Kristin von der Arbeit und die Lage für den Hausmann entspannt sich etwas. „Es gibt noch ein paar Telefonate, aber dann geht es wirklich auf den Feierabend zu“, sagt er. „Nach so einem Tag ist man auch fertig.“ So habe er einen großen Respekt vor der Arbeit von Lehrern und Erziehern entwickelt, die ganze Tage mit vielen Kindern verbringen.

Kinder kommen gut klar

Die beiden Kinder der Familie kommen mit der Situation klar. „Es ist jedenfalls noch keines ausgezogen“, sagt der 41-Jährige. „Wir haben uns mit ihnen unterhalten und sie verstehen die Situation. Das Reden ist ganz wichtig. Wenn ich in zwei Wochen vielleicht wieder arbeiten gehe, wollen sie vielleicht, dass die Mama zu Hause bleibt.“

Die viel zitierten Hamsterkäufe der letzten Zeit haben Martin Oppermann auch beschäftigt. „Wenn ich da einige Regale sehen, dann macht mich das schon nachdenklich“, sagt er. „Wir holen viel frisches Gemüse. Da ist immer genug von da, wenn auch Paprika aus Italien kommen. Da hofft man, dass sie schon ein wenig länger unterwegs sind.“

Ratschläge für das Homeoffice hat er auch noch parat. „Man sollte sich die Arbeit den Tag über aufteilen und nicht alles auf einmal machen“, bringt er vor. „Da bleibt dann viel Restzeit und es fällt einem vielleicht die Decke auf den Kopf.“

So solle man den Ablauf strukturieren und sich Zeit nehmen. „Sinnloses Herumsitzen macht etwas mit einem, das ist nicht gut“, sagt er. „Wichtig ist es, auch immer die Fröhlichkeit zu behalten.“ Dennoch freut sich Martin Oppermann auf die Zeit, wo er wieder direkten Kontakt zu den anderen Mitarbeitern und seinen Schützlingen hat. „Das macht den Beruf aus und mir macht es Spaß, den persönlichen Draht zu halten“, betont er.