Barleben l Teils mehrere Jahre schon ist es her, dass sich Bürger in der Gemeinde Barleben für einen kostenlosen Breitbandanschluss über das kommunale Glasfasernetz angemeldet haben. Nun geht es endlich los. Am Freitag, 16. Oktober, sollen mit einem Spatenstich in Meitzendorf die Bauarbeiten für das Mega-Vorhaben begonnen werden. Der genaue Ort sowie die Uhrzeit werden noch bekannt gegeben. „Der Termin muss mit den Projektbeteiligten noch finalisiert werden“, erklärte Bürgermeister Frank Nase (CDU) gegenüber der Volksstimme.

Der Ausbau wird in drei Stufen erfolgen. In der ersten Stufe wird Meitzendorf komplett ausgebaut sowie der nördliche und mittlere Teil Barlebens. Laut Bauamtsleiter Jens Sonnabend laufen die Arbeiten in Meitzendorf bis Juli 2021. Begonnen werde zunächst mit den Hausanschlüssen. Dann folgen die Erdarbeiten, um die Leerrohre zu verlegen. Anschließend werden die Glasfaserkabel eingeblasen. In Barleben Nord sollen die Arbeiten von März bis September 2021 laufen, im Wohngebiet Backhausbreite von Mai bis September 2021.

Hart umkämpfter Markt

Damit mischt die Gemeinde nun auch auf dem mittlerweile hart umkämpften Markt mit. Eigentlich hatten Bundesregierung und EU schon vor Jahren Millionen von Euros locker gemacht, um den Breitbandausbau mit Glasfaser auch in jenen Regionen voranzubringen, in denen ein sogenanntes Marktversagen vorliegt. Das heißt, dass die großen Telekommunikationskonzerne hier kein schnelles Internet aufbauen, weil es sich perspektivisch für sie nicht lohnt.

So hatten sich im Landkreis Börde acht Gemeinden zur Arbeitsgemeinschaft „Arge Breitband Börde-Ohre“ zusammengeschlossen, um von den Förderprogrammen zu profitieren und kommunale Glasfasernetze aufzubauen, die per Glasfaserleitungen jeweils bis in die Häuser reichen. Dafür haben sie sich mit DNS.net einen Partner an die Seite geholt, der die technische Infrastruktur liefert.

Erste Kunden können im Sommer 2021 surfen

Doch mittlerweile sind unter anderem mit der Telekom und MDDSL weitere Anbieter zumindest in jenen Gebieten Barlebens unterwegs, in denen sie sich eine schnelle Amortisierung ihrer Investitionskosten erhoffen. Die Konzerne machen dabei Tempo – und Barleben mit seinem kommunalen Netz hinkt hinterher. Das ist zumindest die Meinung aus Teilen der Kommunalpolitik. Bürgermeister Frank Nase hatte das mit fehlenden Quoten in einzelnen Clustern begründet. Haben sich nicht wenigstens 47 Prozent aller Haushalte für einen Breitbandanschluss registrieren lassen, so der Rathauschef, könne er auch keine Steuergelder für die Genehmigungs- und Ausführungsplanungen locker machen. Schließlich müsse ein kommunales Breitbandnetz auch wirtschaftlich arbeiten.

Weil die Barleber Räte eine andere Rechtsauffassung vertraten, hatten sie den Bürgermeister in einer Ratssitzung vor gut einem Jahr per Beschluss dazu verpflichtet, die Planungsleistungen zumindest für jene Bereiche auszulösen, in denen die Quote von 47 Prozent bereits erreicht ist. Gut zwei Wochen später hatte Nase mitgeteilt, die ersten Planungsleistungen ausgelöst zu haben.

Im November 2019 wurde dann ein wichtiger Meilenstein erreicht: So hatte der Partner DNS:Net einen sogenannten Pop in Barleben in Betrieb genommen. Dieser zentrale Hauptknotenpunkt ist sozusagen das Einfallstor des Anbieters in den Norden Sachsen-Anhalts.

Auf die weitere Planung der Breitbandausbaus hatten sich die Mitglieder des Gemeinderates dann im März verständigt. So wurden die Planungsleistung für das gesamte Gemeindegebiet bis zur Entwurfsplanung sowie die Projektsteuerung freigegeben. Während die einen Bürger in Barleben bereits im superschnellen Internet surfen, müssen sich Bewohner von Meitzendorf, Ebendorf und Teilen Barlebens noch gedulden. In Ebendorf läuft der Ausbau größtenteils privatwirtschaftlich. MDDSL und DNS:Net haben hier bereits mit dem Bau ihrer Netzte begonnen. So will DNS:Net in nicht-förderfähigen Ortslagen Lücken durch einen eigenwirtschaftlichen Ausbau schließen.

Wann der Rest der Ortschaft an das kommunale Netz angeschlossen wird, steht noch nicht fest. „Aktuell läuft gerade die Ausführungs- sowie die Genehmigungsplanung für die zweite und dritte Ausbaustufe, zu der auch Ebendorf gehört. Der Auftrag dafür ist raus“, berichtet Bauamtsleiter Jens Sonnabend. Anschließend müsse der Gemeinderat final entscheiden.

Und ab wann können die Meitzendorf über Glasfaser im Internet surfen? „Da können wir uns nicht festlegen. Die Bauarbeiten sollen zwar im Juni kommenden Jahres beendet sein. Doch Erfahrungen in anderen Gemeinden zeigen, das bis dahin nicht auch der Datenstrom schon funktionieren muss“, erklärt der Amtsleiter.