Wolmirstedt l Zu den Jägern, die rund um Wolmirstedt aktiv sind, gehören Alexander Lessing und Oliver Grundt. Ihre Reviere stoßen entweder direkt an das Stadtgebiet an oder gehen sogar bis hinein. „In der Stadt selber wird natürlich nicht geschossen“, erklärt Kreisjägermeister Heinrich Schulze aus Meseberg. „Wir sprechen da von dem sogenannten befriedeten Gebiet. Das Erlegen von Wild macht aber nur den prozentual geringsten Teil der Waidmannsarbeit aus.“

Als Naturschützer unterwegs

Da sind sich die Jäger einig. Die meiste Zeit sind sie quasi als Naturschützer unterwegs. „Jetzt im Winter ist zum Beispiel eine gute Zeit, die Nistkästen auf Vordermann zu bringen“, sagt Oliver Grundt. „Außerdem nehmen wir Anpflanzungen vor, natürlich in Absprache mit dem jeweiligen Landeigentümer.“ Der Kreisjägermeister verdeutlicht das mit klaren Worten. „Wenn wir einmal deutschlandweit die von den Jägern gepflanzten Bäume zusammenrechnen würden, käme eine Summe heraus, die so manche Umweltorganisation blass aussehen ließe“, äußert er sich.

Gute Gründe für Jäger

Das werde in der Öffentlichkeit oft verdrängt. Es sprechen jedoch ganz klare Gründe für den Einsatz von Jägern – und die sind gesetzlich fixiert. Der Landkreises Börde weist übrigens eine jagdbare Fläche von 251.574 Hektar auf und das ohne die befriedeten Bezirke. Darum kümmern sich insgesamt 1128 Waidmänner und -frauen.

Wildunfälle eindämmen

Der Kreisjägermeister verweist auf die Notwendigkeit der Jagd. Diese sorgt dafür, dass die bestellten Äcker nicht komplett leergefressen werden und dient auch der Verkehrssicherheit. „Die meisten gemeldeten Verkehrsunfälle sind bei uns im Land Wildunfälle“, betont er. „Ohne Eingriffe würde es aber ganz sicher noch sehr viel mehr Wildunfälle geben, zumal viele Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs sind und Warnschilder einfach missachten.“

Fress-Schäden in Grenzen halten

Ohne die Jäger würde es auch auf den Feldern ganz anders aussehen. „Wildschäden auf dem Acker entstehen zu 99,9 Prozent auf waldnahen Ackerflächen. Durch Wildschweine oder Rotwild. Alle anderen Landwirte haben damit weniger zu tun. Wildschaden ist ein übermäßiger Schaden durch Wildtiere“, sagt Alexander Lessing, der seine Reviere bei Jersleben und Samswegen hat. „In einem Randgebiet zum Wald natürlich vermehrt.“ Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass auch im Wald Schäden durch Wild, besonders an jungen Bäumen, entstehen.

Eine Familie von Jägern

„Das ist eben die Natur“, fügt er hinzu. Er muss es wissen, sind in seinen Revieren doch Feld wie Wald zu finden. Außerdem stammt Alexander Lessing lebt in einer echten Jägerfamilie. „Auch meine Frau ist Jägerin, so wie ihr Vater und Großvater“, erzählt er. „Unsere Kinder machen wir ebenfalls damit bekannt.“ Es sei für Heranwachsende wichtig, ein Verhältnis zur Natur zu entwickeln. „Wir erlegen Tiere für den Eigenbedarf, sie werden komplett verwertet“, erklärt er. „Wenn das nicht gewährleistet ist, dann schieße ich das Wild auch nicht.“ Das sei der Waidmann seinem Kodex, aber auch der Natur schuldig.

Ein Jäger im Fuchsbau

Lessing bringt aber auch den anderen Kindern in seiner Region die Ökologie näher. So profitiert die Kindertagesstätte „Fuchsbau“ in Samswegen von seinen Kontakten. Er organisiert acht Waldspaziergänge im Jahr, bei denen Pflanzen und Bäume bestimmt werden, betreut das Waldfuchsprojekt und stellt Kontakte zur Milchviehanlage, dem Haus des Waldes in Hundisburg sowie zum Imker her.

Biotope und Lehrpfade

Auch Oliver Grundt und Heinrich Schulze können von ähnlichen Projekten berichten. So richten die Jäger Biotope ein oder gar ganze Lehrpfade. „Im Wolmirstedter Küchenhorn gibt es noch heute Tafeln in der Landschaft, die über Tiere und Pflanzen infor- mieren“, sagt Grundt. „Hier habe ich Kinder mit der Natur bekannt gemacht.“

Waffe ist selten im Gepäck

Außerdem sind die Jäger das wandernde ökologische Bewusstsein in Feld und Flur. „Meine Waffe habe ich eher selten im Gepäck“, bringt der Kreisjägermeister vor. „Eine Rolle mit Abfallsäcken ist aber immer dabei.“ Er hat das akute Wildmüllproblem in der Volksstimme verfolgt. „Was meine Jagdkameraden da berichtet haben, das kann ich nur bestätigen“, sagt er. „Es ist unverantwortlich, was gewisse Zeitgenossen so in die Landschaft kippen.“

Verwunderlich ist das große Engagement der Waidmänner nicht, denn der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt schon 1994 vom Umweltministerium als Naturschutzverband anerkannt worden.