Wolmirstedt l Schnell und herzlich wurden die Gewinner des neunten Kanal-Ultralaufs geehrt. Kaum war der Drittplatzierte ins Ziel gerannt, rief Organisatorin Petra Schultz zur Siegerehrung. Ihre Sportfreunde vom Magdeburger Verein „Laufkultur 08“ hatten die Laufzeiten erfasst und auf Urkunden verewigt. Die wurden quasi noch druckfrisch übergeben, denn Läufer scheinen auch im Alltag schnell unterwegs zu sein. Viele wollten unmittelbar nach dem Lauf nach Hause oder zum nächsten Termin eilen. Dennoch: Die „Laufkultur 08“ hatte jeden zum Eis eingeladen und zwei Kugeln der Wahl holten sich die Läufer gern im Katharinensaal ab. So viel Zeit musste sein.

Die Läufer waren aus Wolmirstedt, Stendal oder Braunschweig gekommen, manche extra wegen der herzlichen Atmosphäre in Wolmirstedt. So wie Stephan Mattheis. Der Stendaler ist die 30-Kilometer-Strecke zum dritten Mal mitgelaufen und erreichte den dritten Platz. Laufen gehört für den Pfleger eines Hospizes zum Alltag, ein bisschen sogar zum Berufsalltag. Die Stendaler Hospizmitarbeiter organisieren regelmäßig Spendenläufe zugunsten des Hospizes, allen voran laufe der Pastor, erzählt Stephan Mattheis. Er selbst sei natürlich auch immer dabei, ebenso gerne starte er jedoch in Wolmirstedt. „Mit meinem dritten Platz bin ich zufrieden“, sagt er, „ich laufe ohnehin nicht wegen einer Bestzeit, sondern weil ich dankbar bin, dass ich gesund bin.“

Für Chamaon Nabil ist es der erste Kanal-Ultralauf. Der 52-Jährige läuft seit sechs Jahren. „Damals habe ich 90 Kilo gewogen“, erzählt er. Durch das regelmäßige Laufen fühle er sich wesentlich besser und außerdem seien die Pfunde erheblich gepurzelt. Bisher war er eher auf anderen Strecken unterwegs, beim Rennsteiglauf beispielsweise. Die Strecke am Mittellandkanal habe ihm jedoch sehr gefallen, weil die Landschaft sehr schön sei. „Außerdem bin ich acht Minuten schneller gelaufen, als ich wollte“, strahlt er zum Schluss, „vielleicht laufe ich beim nächsten Mal die 60- Kilometer-Distanz.“

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Der nächste, der zehnte Kanal-Ultralauf, wird der letzte sein. „Der Aufwand ist für die wenigen Helfer sehr hoch“, sagt Petra Schultz. Die gesamte Strecke muss im Vorfeld abgekreidet werden, damit sich niemand verläuft, es müssen ausreichend Streckenposten organisiert werden, damit die Läufer alle fünf Kilometer einen Versorgungsstand mit Wasser, Äpfeln und Salzgebäck vorfinden, es braucht Begleiter auf Fahrrädern, damit jemand bemerkt, wenn etwas schief geht und Hilfe holen kann... und viel mehr. „Ich bin froh, dass uns längst auch viele Wolmirstedter unterstützen“, sagt Petra Schultz, „schon wegen der guten Beziehungen zu den Helfern und auch der Helfer untereinander hören wir auch mit einem weinenden Auge auf. Auf jeden Fall werden wir uns für den letzten Kanal-Ultralauf etwas Besonderes einfallen lassen.“ Der Termin steht schon fest, der 24. August 2019.

Ebenso wie die Helfer scheinen auch die Läufer eine große Familie zu sein, oder eine Karawane, die von Lauf zu Lauf weiterzieht. Der Magdeburger Robert Linz hat im vergangenen Jahr den Magdeburg-Marathon gewonnen und am Sonnabend den 60-Kilometer-Lauf des Kanal-Ultras. Diesen Lauf hat er das erste Mal mitgemacht und schwärmt von der langen Strecke. „Die ist so entspannt.“ Nunja, er ist auch schon den einhundert Kilometer langen Zugspitzenlauf mitgelaufen. Die einzige Frau auf der 60-Kilometer-Kanalstrecke war die Helmstedterin Ariane Buhtz, die somit von vornherein als Siegerin feststand.

Egal, welchen Platz die Läufer am Ende errangen, welche Zeit sie für ihre Strecke benötigt hatten, jeder einzelne wurde im Zieleinlauf begrüßt. Petra Schultz fand für jeden nette Worte, ein letztes Anfeuern, bis die Ziellinie endgültig überschritten war. Stephan Mattheis lächelt: „Es ist sehr herzlich hier, sehr familiär.“