Wolmirstedt l Andreas Bruns ist oft unterwegs, wandert in Südtirol, bezwingt die Berge der Dolomiten. Diese Touren reizen den Farsleber nicht allein wegen der Höhe, er schätzt vor allem die Einsamkeit und die Ruhe. Während er einen Fuß vor den anderen setzt, scannen seine Augen den Boden ab, er hat seinen Blick längst geschärft für knorrige Baumwurzeln und Steine, in denen das Licht gefangen zu sein scheint. Diese Schätze wandern hinein in den Rucksack. „Der ist auf dem Heimweg immer sehr schwer.“

Die Steine und Wurzeln lagert er zu Hause in seiner Werkstatt, weiß, dass sie eines Tages Teil eines Krippenstalls werden. Diese Ställe baut er seit gut 17 Jahren, arbeitet akribisch jedes Detail darin aus, formt den bröckelnden Putz, die abgeschubbelte Farbe. Die Ställe wirken, als seien sie Jahrhunderte alt, scheinen von einer Patina überzogen, wie vom Hauch der Geschichte. Meist zeigt Andreas Bruns die Jesusfamilie im Stall inmitten eines beinahe kompletten Dorflebens. Doch gerade erfindet er Krippen neu. Sein jüngstes Werk ist reduziert auf die heilige Familie, auf Maria, Josef, den kleinen Jesus im angedeuteten Stall unter dem Stern von Bethlehem. Weniger ist inzwischen mehr.

Krippenbau und Almhüttentouren, das gehört für Andreas Bruns zusammen. „Die Ruhe, die ich in den Bergen finde, möchte ich auch mit meinen Krippen vermitteln.“ Deshalb setzt er auf Naturmaterial, Tiefe und heimelige Beleuchtung. So entfalten die Krippen ihren besonderen Zauber erst in der Dämmerung. Dann glitzern die Steine der Bergtouren, so als wären darin winzige Sterne gefangen.

Bilder

Arbeit von mehreren Wochen

Bis ein Krippenstall fertig ist, vergehen mehrere Wochen. „Ich fange erst an, wenn ich weiß, wie der Stall aussehen soll“, beschreibt der 50-Jährige. So manche Nacht lässt er Ideen in seinem Kopf arbeiten und erst, wenn das Bild stimmt, macht er sich an die Arbeit. „Es genügt nicht, wenn die Familie oder Freunde meine Werke gut finden“, nennt er den Maßstab, „es muss für mich passen.“

Familie und Freunde mögen seine Krippenställe, das hört er oft. Viele Werke sind im Haus aufgestellt, manche bleiben das gesamte Jahr über stehen.

Verkaufen wird er die Ställe nicht. Er verleiht an die Familie oder Freunde, aber die Arbeitsstunden, die er in die Krippen hereingesteckt hat, seien unbezahlbar. Außerdem steckt in jedem Exemplar so viel Herzblut, dass er sie lieber alle bei sich behält.

In Süddeutschland und Südtirol sei es hingegen üblich, mit Krippenställen zu handeln. Dort sei die Tradition gewachsen und wohl auch mehr Geld in den Familien vorhanden, das für solche handgefertigten Kunstwerke ausgegeben wird.

Kontakt zu anderen Künstlern

„Ich würde dort gerne mal ausstellen“, träumt Andreas Bruns, „doch als Fremder habe ich dort keine Chance.“ Die Einheimischen bleiben mit dieser Art Kunst offenbar gern unter sich. Dennoch, der Farsleber Weihnachtskrippenbauer hat längst einen Fuß in der Tür. Schon seit Jahren möchte ein Krippenbauer aus Südtirol die Tricks und Kniffe seiner Handwerkskunst an ihn weitergeben. Doch Andreas Bruns bedauert: „Ich müsste dort mehrere Wochen mitarbeiten und das gibt mein Urlaub nicht her.“ Sein Geld verdient er als Servicetechniker für Getränkeautomaten.

Dennoch hält er Kontakt zu den Künstlern im südlichen Raum, freut sich, wenn ihm die Menschen ein paar Schätze zustecken. Eine alte Südtirolerin schenkte ihm hölzerne Dachschindeln, mit denen einst das Dach ihres Großeltenhauses gedeckt war. Diese Schindeln sind nun Boden und Rückwand seiner neuesten, sehr spartanischen Krippe, die an einem rostigen Stab befestigt ist.

Krippen bauen und Bergtouren, das sind für Andreas Bruns zwei Seiten derselben Medaille. In seiner kleinen Werkstatt schleift und beizt er, versunken in aller Abgeschiedenheit, so als wäre er allein unterwegs in den Bergen.