Wolmirstedt l Viel Streit hat es um die Zukunft eines Stadions in Wolmirstedt gegeben, alles drehte sich um die Frage Sanierung oder Neubau. Am Ende erschien es sinnvoller zu sein, ein neues Stadion zu bauen. Fast alles sprach dafür. Doch nun zeigt sich: Alle Reibereien und Neubaupläne waren umsonst. Das Umweltministerium wird sich finanziell wohl nicht an einem Stadionneubau beteiligen. Es gibt zwar kein klares Nein, aber Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hat erfahren: „Mehr als eine Absichtserklärung ist nicht drin.“

Damit ist ein wesentlicher Teil der Finanzierung eines neuen Stadions weggebrochen. Das sollte etwa sechs Millionen Euro kosten, Wolmirstedt wollte 3,25 Millionen beisteuern. Sind die Neubaupläne nun gestorben? Bleibt nur die Sanierung des Küchenhorn-Stadions?

Damit will sich Martin Westphal nicht zufrieden geben. Er ist Vorsitzender des SV Kali, ein Verein, dessen Sportler im Küchenhorn-Stadion „Glück auf“ trainieren und hat prompt um einen Termin beim Staatssekretär des Umweltministeriums gebeten. „Ich habe die Hoffnung auf eine vernünftige Lösung noch nicht aufgegeben.“ Vernünftige Lösung heißt: neues Stadion in der Samsweger Straße.

Küchenhorn soll Auwald werden

Dieser Plan ist mit dem Rückzug des Umweltministeriums wohl vom Tisch. Bleibt die Sanierung des Küchenhorn-Stadions. Das wäre kein Problem, doch das Küchenhorn soll auf lange Sicht Auwald werden, der Wald als Überflutungsfläche dienen. Dafür soll der jetzige Deich verschwinden und kurz vor Glindenberg ein neuer errichtet werden.

Der Pferdefuß: Das Küchenhorn-Stadion liegt dann mitten in diesem künftigen Auwald. Um es vor Hochwasser zu schützen, sollte drumherum ein etwa 1,9 Millionen Euro teurer Ringdeich errichtet werden. Martin Westphal gibt zu bedenken: „Für einen Ringdeich müssen sehr viele hundertjährige Eichen gefällt werden.“

Auch deshalb hatte unter anderem die CDU die Idee erarbeitet, in der Samsweger Straße ein neues Stadion zu bauen. Nach vielen Diskussionen gewann dieser Plan immer mehr Befürworter, auch im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), einer Behörde des Umweltministeriums. Vom LHW wurde die Möglichkeit geboten, das Geld, das nicht für einen Ringdeich ausgegeben werden muss, zu einem Neubau zuzugeben.

Warum sich ausgerechnet das Umweltministerium nicht dazu bekennen will und indirekt dafür sorgt, dass diese Eichen eines Tages für einen Ringdeich fallen könnten, erschließt sich Martin Westphal nicht. „Ich verstehe nicht, warum diese 1,9 Millionen Euro nicht lieber in ein neues Stadion gegeben werden.“ Er hatte gehofft, dass sich zwei Ministerien dahingehend einigen.

Förderantrag muss bis 30. September vorliegen

Mit den beiden Ministerien meint er neben dem Umwelt- auch das Innen- und Sportministerium. Letzteres hat für die Sanierung des Küchenhornstadions 1,18 Millionen Euro Förderung in Aussicht gestellt, zeigt sich aber auch bereit, das Geld für einen Neubau zuzugeben. Bedingung: Der Förderantrag muss bis zum 30. September vorliegen, das Geld steht nur in diesem Jahr bereit.

Das Umweltministerium denkt in anderen Dimensionen. Mit einem neuen Deich wird erst in einigen Jahren gerechnet. Bisher gibt es lediglich Studien, handfeste Planungen liegen noch nicht vor. Zehn Jahre können bis zu einem Deichbau samt Ringdeich durchaus ins Land gehen. Erst dann wird auch das Geld dafür bereitgestellt. Ein Zuschuss für den Stadionneubau wäre also eine Art finanzieller Vorgriff gewesen. Der nun wohl nicht kommt.

„Jetzt müssen wir weiter mit dem Ringdeich planen“, bedauert auch Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW), einer Behörde des Umweltministeriums. Er hatte sich stets dazu bekannt, Wolmirstedt bei einem Stadionneubau zu unterstützen. „Wir haben alles fachlich dargestellt, da gibt es keinen Dissenz. Es ist schade, dass man das nicht hinbekommt.“

Dabei sah es lange aus, als zögen alle an einem Strang. Im Mai hieß es aus dem Umweltministerium noch auf Volksstimme-Nachfrage, zwischen den Staatssekretären des Innen- und des Umweltministeriums bestehe Konsens, die Deichrückverlegung und den Stadionneubau sinnvoll zu kombinieren. Warum das Umweltministerium nun einen Rückzieher macht, war nicht zu erfahren. Eine E-Mail blieb unbeantwortet, eine telefonische Nachfrage war nicht möglich, weil die Telefonanlage des Umweltministeriums laut Aussage der Zentrale nicht funktionierte.

Enttäuscht zeigten sich auch die Stadträte. „Ich höre mit Bedauern, dass das Umweltministerium sich zu gar nichts äußern möchte“, sagt Waltraud Wolff, Fraktionsvorsitzende SPD/Linke/Grüne. „Mich nervt, wie bei Problemen auf Zeit gespielt wird“, bekannte Mike Steffens, Fraktionsvorsitzender KWG-WWP-FDP-FUWG. CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Claus nennt es eine „Unverfrorenheit, dass es aus dem Umweltministerium weder ein ja noch ein Nein gibt. „Man hat uns hingehalten.“ Afd-Fraktionsvorsitzender Felix Zietmann sagt: „Aus historischen Gründen wollten wir sowieso eher die Sanierung des Küchenhornstadions. Wir stellen uns aber keiner Lösung entgegen, wir sind für die zeitnächste.“

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn sieht ohne die Mittel aus dem Umweltministerium nur die Möglichkeit, das Küchenhorn-Stadion zu sanieren. 2,96 Millionen Euro soll das kosten. Der Antrag auf die 1,18 Millionen euro Fördermittel wird bis zum 30. September an das Innenministerium gestellt. SV-Kali-Vorsitzender Martin Westphal kann damit leben. „Egal was, aber es muss etwas passieren, und zwar zeitnah.“