Hohenwarsleben l Auf eine Plauderei über Privates und sein Arbeitsleben ließ sich der Landwirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, Hermann Onko Aeikens, am Donnerstagnachmittag in der Schaustuwe des Hohenwarsleber Dorfgemeinschaftshauses ein. Auf Plattdeutsch natürlich. Nicht nur weil es einer Einladung der Plattspreeker des Kulturvereins „Hohe Börde“ gefolgt war, sondern weil er das Plattdeutsche auch von Hause aus kennt – ist er doch ein gebürtiger Ostfriese.

Dort, wo Aeikens jetzt ein Zuhause gefunden hat, in Drackenstedt nämlich, ergibt sich, wie er verriet, selten die Gelegenheit, um Platt zu sprechen. Dass er es aber trotzdem nicht verlernt hat, bewies er dann im Gespräch mit den Hohenwarslebern und ihren Gästen. Und der Minister war bestens vorbereitet, denn der Vorsitzende des Kulturvereins, Erhard Beulecke, hatte ihm schon vorher Fragen geschickt, die er zusammengetragen hatte.

So ging es um das Platt in seiner Heimat Ostfriesland ebenso wie um Gestaltung eines normalen Tages des Familienvaters und Ministers. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Landwirten und um diesen Berufsstand im Allgemeinen drehten sich einige Fragen. Auch die Schwerpunkte der Arbeit des Ministers auf den Gebieten der Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft interessierten die Zuhörer brennend. Und Hermann Onko Aeikens hätte darüber wahrscheinlich stundenlang reden können, aber sein Zeitfonds war begrenzt, schließlich hatte er anschließend noch eine Verpflichtung im Harz zu erfüllen.

Kurz schätzte er deshalb ein, dass es der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt nicht schlecht ginge, der Umweltschutz aber auch noch für nachfolgende Generationen eine Herausforderung sein werde, obwohl sich schon vieles gebessert habe. Ein besonderes Thema in der Wasserwirtschaft sei der Hochwasserschutz, dem eine hohe Aufmerksamkeit zukomme. „Die Menschen sollen keine Angst um Leben, Hab und Gut haben, deshalb investieren wir“, unterstrich der Minister. Die Nahrungsgüterwirtschaft sei die stärkste Branche im verarbeitenden Gewerbe, in der der Umsatz und die Beschäftigtenzahlen stetig steigen.

Aktuelle Themen angesprochen

Doch auch die Themen der aktuellen Nachrichten bewegten die Gäste an der Kaffeetafel und so musste sich Hermann Onko Aeikens auch mit der Flüchtlingspolitik befassen. Zahlreiche Fragen gab es hier zu beantworten. Auf lokaler Ebene beschäftigte die Hohenwarsleber zudem der Radweg, der entlang der Kreisstraße in Richtung Dahlenwarsleben angedacht ist. Der Minister sicherte in dieser Hinsicht Unterstützung zu.

Erstaunt war die Kaffeerunde, dass sie das Platt des Ministers so gut verstanden und regionale Unterschiede zwischen dem Bördeplatt und dem ostfriesischen Platt kaum zu merken waren. „Ich habe mich ja auch bemüht, dass Sie mich verstehen“, antwortete der Minister amüsiert.

Hermann Onko Aeikens ließ es sich aber auch nicht nehmen, gemeinsam mit den Plattspreekern zu singen. „Und da wir den Landwirtschaftsminister hier haben, singen wir auch was Landwirtschaftliches“, erklärte Erhard Beulecke, der extra einen Liedtext über die Kartoffel geschrieben hatte. Bei der Schreiberei ist er von der Weitsicht beflügelt worden, denn im kommenden Jahr möchte der Kulturverein Hohe Börde nach Aussage von Erhard Beulecke beim Kartoffelfest in Wellen mitmischen. Das Mitwirken soll sich aber nicht nur auf das Einsammeln der Erdäpfel beschränken, sondern es soll auch ein plattdeutsches Programm aufgeführt werden. Außerdem ist die Krönung einer Kartoffelkönigin und der Wettbewerb um einen Kartoffelschälmeister geplant.

Das nächste Treffen der Vereinsmitglieder mit Minister Hermann Onko Aeikens ist aber schon eher vorgesehen - nämlich am 6. März des kommenden Jahres. Dann dreht sich in Hohenwarsleben wieder alles um die „BMW“. Die Abkürzung steht für „Börde-Meisterschaften im Würfeln“ und gesucht werden bei dieser nicht ganz ernst zu nehmenden Veranstaltung die Meister im Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen. Seit Jahren erfreut sich die Veranstaltung großer Beliebtheit auch bei den Prominenten aus der Politik. So saß nicht nur Hermann Onko Aeikens schon am Spielbrett, sondern auch Innenminister Holger Stahlknecht und der einstige Landrat und heutige Verkehrsminister Thomas Webel. „Wir wollten erst am 13. März die BMW durchführen, aber es kommt wohl nicht gut, wenn wir zur Landtagswahl ‚Mensch ärgere dich nicht spielen‘“, erklärte der Vereinschef mit einem Grinsen.