Wolmirstedt l Frank Meyer (Wolmirstedter Wählergemeinschaft Plan B) ist Mitglied der Fraktion und hat sich Gedanken zum Thema Ärztemangel auf dem Lande gemacht. „Wir müssen schon jetzt etwas tun, um den künftigen Bedarf abdecken zu können“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. „Die Bevölkerung in der Stadt wird älter werden und auch unsere jetzt schon vorhandenen Ärzte brauchen einmal Nachfolger.“

Es gebe deutschlandweit viele Bemühungen, Mediziner anzusiedeln und ihnen ein möglichst attraktives Umfeld zu bieten. Das sogenannte „flache Land“ sei für viele junge Ärzte und Studienabsolventen nicht gerade die erste Wahl. „Ortsfremde Ärzte für die Region zu gewinnen ist daher ein schwieriges Unterfangen“, sagt Frank Meyer. Daher empfehle sich ein anderer Weg, der zum Beispiel auch in Osterburg gegangen werden. Der Kommunalpolitiker habe sich das Konzept einmal genauer angeschaut und entsprechende Gespräche geführt. Dieses Modell sieht Meyer als bespielgebend für Wolmirstedt und wird darin von seiner Fraktion unterstützt. So soll es demnächst in den entsprechenden Fachausschüssen des Stadtrates vorberaten werden.

„Dabei geht es darum, am Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium Wolmirstedt mit entsprechenden Absolventen ins Gespräch zu kommen“, erläutert Meyer. „Diesen künftigen Medizinstudenten könnte man ein entsprechendes Stipendium anbieten, wenn sie denn später in die Stadt zurückkehren und sich hier als Fachärzte ansiedeln.“ Für die Stadt sei dies eine Investition in die Zukunft. Außerdem sei ein Medizinstipendium nämlich nicht nur alleinige Angelegenheit der Stadt, sondern praktisch ein Dreier-Abkommen. So wären der künftige Absolvent, die Kassenärztliche Vereinigung und eben die Kommune bei einem solchen Vertrag gemeinsam im Boot.  Frank Meyer hat auch schon bei eben der Kassenärztlichen Vereinigung vorgefühlt und auch diese würde sich beteiligen.

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„Eine künftige Vorlage des Bundesgesundheitsministeriums wird einen Ärzteschlüssel enthalten, in den Erkenntnisse über die Einwohner einfließen“, sagt Meyer. „Das betrifft nicht mehr nur die Menge, sondern auch das Alter der Bürger und die Häufigkeit an gewissen Krankheiten.“ Damit werde eine völlig neue Formulierung des Bedarfs erfolgen. Diese Themen werden sowohl die Kassenärztliche Vereinigung und auch die Stadt ganz sicher beschäftigen.

Osterburger Modell

„Da kommt nun das Osterburger Modell ins Spiel“, sagt der Kommunalpolitiker. „Die Altmarkstadt hat es als eine der ersten Kommunen in Deutschland entwickelt und wendet es erfolgreich an.“ Es geht darum langfristig den Ärztenachwuchs zu fördern.

„Ehe ein Student mit seiner Ausbildung fertig ist und als Facharzt gearbeitet hat, vergehen natürlich einige Jahre“, bringt Frank Meyer vor. „Allerdings hätte man am Ende das Ziel erreicht, nämlich Ärztenachwuchs zu generieren.“ Die Stadt würde sich bei einem Dreier-Vertrag auch keinem Risiko aussetzen. „Es werden klare Vorgaben ausgehandelt“, beschreibt Meyer. „Kommt ein Stipendiat nicht wie vereinbart zurück, so muss er die Gelder, die er erhalten hat, wieder zurückzahlen.“ Ähnlich verhalte es sich, wenn die Kassenärztliche Vereinigung einen anderen künftigen Einsatzort sieht. Dann müsse sie die entstandenen Kosten ausgleichen.

Frank Meyer sieht auch noch weitere Dinge, die die Stadt für ihre künftigen Mediziner tun kann. „Da wäre beispielsweise eine entsprechende Mediziner-Wohngemeinschaft, in die sich Gleichgesinnte begeben könnten. Es gibt viele Sachen, die wir als Kommune ermöglichen können.“ Die Interessen des in der Ohrestadt bestehenden Vereins „Gesundheit für Wolmirstedt“ würden, laut Frank Meyer, keineswegs mit seiner Idee kollidieren und sollen auch nicht angetastet werden. „Der Verein beschäftigt sich ebenfalls mit der gesundheitlichen Versorgung der Stadt. Das vom mir angesprochene Stipendium ist ein spezielles Angebot zur Gewinnung von Ärzten.“

Die genauen Zahlen eines Medizin-Stipendiums wären in der zu erwartenden Diskussion in den Gremien des Stadtrates zu ermitteln. Eine Orientierung am vom Bund prämierten Osterburger Modell sei wünschenswert.