Wolmirstedt l Das Unkraut wächst neben der Jahnhalle in die Höhe, Graffiti-Schmierereien verschandeln die Fassade. Und noch immer ist die Zukunft des Hauses ungewiss. Der Stadtrat hat lediglich die nächste Runde eingeläutet. Und die lautet: Das Mindestgebot für eine Versteigerung muss erhöht werden. Zum aktuell ermittelten Preis soll sie nicht unter den Hammer kommen. Mieter und Kaufinteressent Sascha Zimmermann ist genervt.

„Ich hatte wirklich die Hoffnung auf eine Versteigerung“, sagt Mieter und Fitnessstudiobetreiber Sascha Zimmermann gegenüber der Volksstimme, „dann hätte es endlich eine Entscheidung gegeben.“ Doch die für Dezember anvisierte Versteigerung ist in weite Ferne gerückt.

Der Stadtrat konnte sich nicht mit dem Mindestgebot anfreunden. Das war vom Auktionshaus vorgeschlagen und von der Verwaltung angepasst worden. Genaue Summen sind nicht bekannt, die Angelegenheiten um den Verkauf und die Versteigerung der Jahnhalle werden - wie alle Vertragsangelegenheiten - stets nichtöffentlich behandelt.

Mindestgebot nur Drittel des Verkehrswertes?

Trotzdem sickerte durch, das Mindestgebot sollte nur etwa ein Drittel des Verkehrswertes betragen. Der Verkehrswert war durch ein Gutachten auf gut 600.000 Euro festgelegt worden. Mit gut einem Drittel, also etwa 200.000 Euro, als Einstiegssumme für eine Versteigerung wollten sich die Stadträte auf gar keinen Fall zufrieden geben, darüber waren sich die Fraktionen einig. Sie wollen ein Anfangsgebot von mindestens 400.000 Euro in die Waagschale werfen. Diese Zahl ist auch bei Sascha Zimmermann angekommen.

„So viel habe ich im Januar als Kaufpreis geboten, da wollte niemand drauf eingehen“, ärgert er sich. Im März gab es noch einmal die Gelegenheit, ein Kaufangebot abzugeben, aber da hatte Corona die Welt bereits fest im Griff, das Fitnessstudio musste den Betrieb einstellen, die Bank war unter Corona-Bedingungen nicht mehr bereit, so viel Geld mitzufinanzieren. Das neue Gebot fiel niedriger aus und wurde vom Stadtrat nicht angenommen.

Vor der jüngsten Stadtratssitzung am 13. August hatte Sascha Zimmermann ein erneutes Kaufangebot abgegeben, auch das wurde vom Stadtrat abgelehnt, ebenso das Angebot eines weiteren Interessenten.

Damit wäre eigentlich die Versteigerung gefolgt. Doch ein Mindestgebot von gut einem Drittel des Verkehrswertes konnte sich keine Fraktion vorstellen. Einhelliger Tenor: Es ist schon zu viel Steuergeld in die Jahnhalle geflossen. „Wir wollen verkaufen, aber nicht für’n Appel und ’n Ei“, sagt Waltraud Wolff, die Fraktionsvorsitzende der SPD/Linke/Grüne-Fraktion, wir sind den Bürgern der ganzen Stadt verpflichtet.“

Wieviel Steuergeld bisher genau in Form von Fördermitteln, Gerichtskosten und mehr in die Halle geflossen ist, darüber schweigt sich Bürgermeisterin Marlies Cassuhn aus. Die Millionengrenze dürfte lange geknackt worden sein. Die Stadt ist derzeit Eigentümerin der Jahnhalle, hat sie im Rahmen des Insolvenzverfahrens wieder zurückbekommen. Zuvor hatte die Halle dem Taekwondo-Verein gehört, der sie mit Hilfe von Fördermitteln saniert hatte.

Stadtrat war sich weitgehend einig

Auch die CDU-Fraktion war sich einig, die Halle nicht unter 400.000 Euro herzugeben. „Es soll mit dem Auktionshaus neu verhandelt werden“, fordert Fraktionsvorsitzender Uwe Claus von der Stadt. Trotz dieser festen Meinung ist er nicht glücklich über das endlose Prozedere. „Es ist eine verfahrene Kiste, bei der keiner gewonnen hat, sondern alle verloren.“ Gerade in der Corona-Zeit ist er pessimistisch, ob für die Halle ein angemessener Preis erzielt werden kann.

Dennoch schloss sich auch die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion der Meinung der anderen an und wollte das niedrige Mindestgebot erhöht wissen. „Sonst ginge es zu Lasten aller Steuerzahler“, begründet Fraktionsvorsitzender Mike Steffens. Ebenso argumentierte die AfD. Fraktionsvorsitzender Felix Zietmann drückt sich klar aus: „Wir können keine Steuergelder verschenken.“

Stadtratsvorsitzender Heinz Maspfuhl fasst die Debatte zusammen: „Es gab im Stadtrat keine großen Meinungsverschiedenheiten. Und: Im Gegensatz zum Wert, der im Verkehrswertgutachten ermittelt wurde, wäre das vom Stadtrat geforderte Mindestgebot immer noch sehr niedrig.

Betrieb im Fitnessstudio läuft weiter

Aber was passiert, wenn es kein Auktionshaus gibt, das zum vom Stadtrat geforderten Preis versteigert? Gibt es einen Plan B?

„Ich wünsche mir auch, dass in dieser Halle künftig Sport getrieben wird, dass es dort ein Fitnessstudio gibt“, sagt Waltraud Wolff, „aber es gibt sicher auch andere Konzepte.“ Einzelheiten lässt sie sich nicht entlocken.

Mieter und Fitnessstudiobetreiber Sascha Zimmermann indessen betreibt sein Gesundheits- und Fitnessstudio unbeirrt weiter, hätte darüber hinaus aber lieber einen Plan für die Zukunft. „Andere Fitnessstudios kämpfen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie“, sagt er, „damit kämpfen wir auch und zusätzlich mit der ungewissen Zukunft der Halle.“

Sascha Zimmermann gibt trotzdem die Hoffnung nicht auf, die Halle eines Tages doch noch zu bekommen. „Ich bin traurig, dass seit zwei Jahren nichts passiert ist, außer, dass ein gut funktionierendes Fitnessstudio nur noch die Hälfte der Mitglieder hat.“

Aufgrund der ungewissen Situation verzichtet er auf langfristige Verträge der Mitglieder, sondern räumt eine monatliche Kündigungsfrist ein. Ansonsten freut er sich auf den Herbst, wenn es wieder Gesundheitstage in den Betrieben gibt. Dann kommt wieder Geld in die Kasse.