Mose l Ortschronistin Helga Steinig und Architektin Gabriele Fischer berichten über die Ereignisse und den Bau des Denkmals. Wer sich mit der Geschichte des Weltraumflugs beschäftigt, würde sicherlich nicht einmal im Traum auf den Wolmirstedter Ortsteil Mose kommen. Im Wolmirstedter Museum und in Mose selber weiß man es allerdings besser, denn der Vater der modernen Raumfahrt, Wernher von Braun, war im Juni 1933 in Mose zu Gast und nahm an den Vorbereitungen zum Teststart einer Flüssigtreibstoffrakete teil – seinerzeit sogar noch als Projektbeteiligter. Beim eigentlichen Start war er allerdings nicht anwesend.

Raketenpionier teste in Mose

„Der Magdeburger Raketenpionier Rudolf Nebel hat seine Rakete auf dem Gelände des Gutes Mose getestet“, berichtet Helga Steinig, Ortschronistin und ehemalige Ortsbürgermeisterin von Mose. Der Magdeburger Bürgermeister Ernst Reuter habe Nebel einst in die Elbestadt gelockt. Magdeburg sollte als fortschrittlicher Wissensstandort wieder belebt werden. Nach Mose sind die Raketeningenieure gekommen, weil ihnen Amtsrat und Gutsbesitzer Alfred Druckenbrodt sein Grundstück als Ort für die Versuche angeboten hatte. Der Platz wurde als ideal angesehen.

Der Traum vom Flug in das Weltall

Bei Nebels Feststoff-Modell handelte es sich übrigens um eine echte Pilotenrakete, die zur Vorbereitung von bemannten Flügen ins Weltall getestet wurde. Das bestätigen nicht nur die Moser über etliche Zeitzeugen sondern auch die Deutsche Areospace (Dasa) in ihren Ausarbeitungen zu dem Thema.

„Der Test ist nur bedingt erfolgreich verlaufen“, sagt die Ortschronistin. „Die Rakete verkantete beim Start, da sich das Holzgestell durch Regen verzogen hatte. Danach flog sie in einer Höhe von 30 Metern etwa 60 Meter weit. Die ganze Aktion soll etwa zehn Sekunden gedauert haben. Aber es gibt sogar Filmaufnahmen und zahlreiche Bilder davon.“ Dieser weltgeschichtliche Moment bleibt auf jeden Fall immer mit dem Ort Mose verbunden.

Beobachtungen im Museum hinterlegt

Es gab sogar Augenzeugen aus der Region, die seinerzeit mit dabei waren. So hat der inzwischen verstorbene Wolmirstedter Günter Keuck dem Museum wie auch der Volksstimme eine Schilderung seiner Beobachtungen an den Vorbereitungstagen zum Start hinterlassen. Ihm ist besonders die persönliche Begegnung mit Wernher von Braun in Erinnerung geblieben, mit dem er einige Worte gewechselt hat. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er mit dem zukünftigen Vater der modernen Raumfahrt gesprochen hat. Auf einem Bild aus der Zeit hat er ihn aber eindeutig wieder erkannt.

Heute steht in Mose ein Denkmal, welches an den Versuch des Magdeburger Ingenieurs Rudolf Nebel erinnert. Aufgestellt wurde es anlässlich der 1075-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2012. An diesen Tag und die Vorbereitungen erinnert sich die Architektin Gabriele Fischer aus Samswegen noch ganz gut. Sie stammt aus Mose und hat das Denkmal geplant. Dabei setzte sie die Idee des Unternehmers Hans-Jürgen Weiß um, hier eine Rakete zu errichten, die dieser auch noch selber als Modell bauen würde.

Startrampe aus Holz und Stickstoff aus der Ka

„Ich hatte mich mit der Geschichte des Raketenstarts beschäftigt und die entsprechende Literatur dazu gelesen“, schildert sie. „Da war ich Feuer und Flamme und außerdem ist dieser denkwürdige 29. Juni auch noch mein Geburtstag.“

Beeindruckt hat sie die Pionierleistung der damaligen Ingenieure. „Die Startrampe war ein Holzgestell und die Rakete wurde aus der Kanne heraus mit der Hand mit Flüssigstickstoff befüllt“, erzählt sie. „Ich habe die entsprechenden Filmaufnahmen gesehen.“ Sie hat großen Respekt vor der Leistung der Raketenforscher, die zur Zeit der Weltwirtschaftskrise so etwas entwickelt haben.

„Die wollten mit den einfachsten Mitteln in den Weltraum fliegen und haben ihr Ziel verfolgt“, sagt sie. „Und an dem Tag wollte auch noch einer in die Rakete einsteigen. Das hat er dann aber glücklicherweise gelassen.“ Nach dem Teilerfolg in Mose gelang den Ingenieuren übrigens ein weiterer Start in Berlin.

Denkmal aus Holz, Metall und Beton

Diese Geschichte bei der Jahr-Feier in Mose entsprechend darzustellen, war für die Beteiligten ein Anliegen. „Das Denkmal besteht aus Holz, Metall und Beton“, beschreibt die Architektin. „Die Rampe ist aus Eiche, der Sockel aus Beton und die Rakete ist eigentlich eine ausrangierte große Gasflasche.“ Da waren die Projektbeteiligten wenigstens so erfinderisch wie die Akteure beim seinerzeitigen Raketenstart. Die Darstellung entspricht übrigens dem Maßstab 1:3, wobei auch Details stimmig sind. Dazu haben sich die Architektin und Hans-Jürgen Weiß im Vorfeld ein Modell im Technikmuseum in Magdeburg angeschaut.

Ganz so gebaut wie geplant, wurde das Denkmal aber nicht. Das Modell musste vor Ort noch gedreht werden, da der Kabelverlauf hin zur heute nachts leuchtenden LED-Lampe auf der falschen Seite der Konstruktion entlang ging. Diese Lampe stellt übrigens das einstige Cockpit dar.

Ideenreichtum ist bei auch Umsetzung gefragt

„Der angelieferte Sockel entsprach nicht den von uns angegebenen Maßen, daher wurde einen Tag vor der feierlichen Enthüllung des Denkmals ein Betonsockel gegossen“, verrät Gabriele Fischer augenzwinkernd. „Die Gedenktafel hatten wir zur Feier nur aufgelegt, da der Beton noch aushärten musste.“ Alle Beteiligten waren kurz vor dem Jubiläum ganz aufgeregt. „Aber wir haben es hinbekommen und die Tafel später festgeklebt“, erzählt sie weiter. Zwischendurch hatte die Moserin Ute Röhrmann das gute Stück bei sich zu Hause zwischengelagert.

Das Projekt wurde ausschließlich mit Sponsorgeldern finanziert, wobei die Architektin auf ihr Salär verzichtet hat. „Als Moserin war es mir das wert“, sagt sie. „Fördergelder haben wir für die Umsetzung nie bekommen.“ Allerdings habe sich die ganze Aufregung gelohnt. So erinnert das Denkmal heute an eine weltgeschichtliche Begebenheit und die Moser können eine engere Verbindung zu ihrem Ort aufbauen, wenn sie sich mit der Historie vor ihrer Haustür beschäftigen.

Zudem kommen im Jahresverlauf etliche Touristen und Pilger durch den Ort. Das Denkmal für die „Magdeburger Pilotenrakete“ steht nämlich direkt am Jakobsweg, der durch den Ort führt. Außerdem weist ein Schild am Ortseingang auf die einmalige Kon-struktion hin.