Wolmirstedt l In Wolmirstedt gelten zurzeit zwei Bürger als corona-infiziert. Insgesamt wurden seit dem 9. März in der Stadt und den Ortsteilen 24 Fälle registriert. „Es wäre gut, wenn auch in der Zukunft keine drastische Zunahme des Infektionsgeschehens zu verzeichnen ist“, hofft Bürgermeisterin Marlies Cassuhn. Bei den Bürgern bedankt sie sich für das bisherige umsichtige Verhalten. „Hygienevorschriften und Abstandsregeln einzuhalten sowie die Kontakte zu anderen zu minimieren sind ein wichtiger Faktor, um gesund zu bleiben.“ Trotz des bisher vergleichsweise glimpflichen Infektionsgeschehens in der Stadt ändert sich in den mindestens kommenden vier Wochen auch für die Bürger wieder ein Teil des Lebens.

Freizeiteinrichtungen

 Das Museum muss bis Ende November für den Besucherverkehr geschlossen bleiben. Die Mitarbeiter nutzen die Zeit unter anderem, um ihren Bestand zu digitalisieren und neue Vorträge und Ausstellungen vorzubereiten.

Das Bürgerhaus auf der Schlossdomäne ist zwar jeden Tag von 8 bis 20 Uhr begehbar, dennoch können die Mitglieder der ansässigen Vereine und Zirkel weder kreativ tätig sein noch gemeinsam ihrer Vereinsarbeit nachgehen. Zusammenkünfte sind tabu. „Wir öffnen lediglich, damit beispielsweise einzelne Vereinsvorstände ihre Räume betreten können, natürlich unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln“, betont Bürgerhaus-Chefin Christina Laqua.

Die Bibliothek hat weiterhin geöffnet. Dort können vier Besucher gleichzeitig in den Regalen stöbern, sofern sie einen Mund- und Nasenschutz tragen.

Rathaus

Im Rathaus werden Bürger seit Beginn der Pandemie nur empfangen, wenn sie vorher telefonisch einen Termin vereinbart haben. Dieses Prozedere wird auch in den kommenden vier Wochen beibehalten und gilt für alle Fachbereiche, ebenso für das Einwohnermeldeamt.

Sport

In den Sporthallen findet lediglich der Schulsport statt, für den Vereinssport sind sie geschlossen. Damit müssen die Freizeitvereine ihr Training aussetzen, aber auch der Profisport ist betroffen. Die SBB Baskets stellen ihren Trainings- und Spielbetrieb vorerst für vier Wochen ein, drei Heim- und drei Auswärtsspiele fallen aus.

Schließen musste auch das Gesundheits- und Fitnessstudio „Speed“. „Wir haben alle Mitglieder informiert“, sagt Inhaber Sascha Zimmermann. Fortführen wird er die Gesundheitstage, die in Unternehmen angeboten werden. Bei diesen Angeboten sind nur zwei Personen in einem Raum anwesend.

Gaststätten und Hotels

Gaststätten müssen schließen, jedoch ist ein Außerhaus-Verkauf möglich. Den bieten die meisten Gaststätten an. Bürger können sich im Internet informieren oder in der Gaststätte ihrer Wahl telefonisch nachfragen.

Hotels dürfen - wie schon im März - nur Geschäftsreisende beherbergen. Damals durfte ihnen jedoch lediglich das Frühstück gereicht werden, jetzt dürfen Hotelgäste auch zu anderen Zeiten beköstigt werden. Klingt gut, ist aber keine leichte Aufgabe. Ursula Pankonien, Wirtin in Auerbachs Mühle, erklärt: „Manche möchten um 18 Uhr essen, manche um 20 Uhr. Der Koch muss die ganze Zeit vor Ort sein.“ Das ist in normalen Zeiten kein Problem, sofern neben den Geschäftsgästen der Publikumsverkehr läuft, aber der fällt derzeit wegen Corona weg. Nun müssen Hoteliers tatsächlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen. Ursula Pankonien hat ein teil ihres Personals bereits wieder in die Kurzarbeit geschickt und wird sich fürs Erste selbst in die Küche stellen: „Heute Abend gibt’s strammen Max.“

Kommunalpolitik

Die politischen Gremien werden zusammenkommen, voraussichtlich in der Halle der Freundschaft. Ein Platzproblem dürfte es nicht geben, da der Vereinssport ausgesetzt ist. Kürzlich hatten die Stadträte in Erwägung gezogen, den Bauausschuss, den Kultur- und Sozialausschuss sowie den Finanzausschuss Mitte November ausfallen zu lassen, um die sportlichen Aktivitäten nicht zu vereiteln. Doch nun gibt es keinen Vereinssport und die Politik hat ausreichend Platz.

Die politischen Gremien tagen gewöhnlich im Ratssaal, doch der ist zu klein, um allen Personen unter Coronabedingungen Platz zu bieten, deshalb dient die Halle der Freundschaft seit Beginn der Pandemie als Ausweichtagungsort. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Im Übrigen darf auch laut Gesetz das Selbstorganisationsrecht der Gemeinderäte nicht eingeschränkt werden.

Eine Finanzausschussitzung am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr in der Halle der Freundschaft beschäftigt sich ausschließlich mit dem Haushalt des kommenden Jahres und wird ebenfalls durchgeführt.

Schulen, Horte, Kita

Die Schulen, Horte und Kitas sind geöffnet. In den Schulen lernen alle Kinder gemeinsam, dennoch ändert auch dort der Lockdown das außerunterrichtliche Geschehen, da Kinder in ihrem Klassenverband oder der Lerngruppe bleiben sollen.

Das wäre in Arbeitsgemeinschaften nicht möglich, denn da kommen Kinder nach Interessenlage zusammen, Klassen würden sich also beim Sport oder Gitarrespielen durchmischen. „Wir haben unsere externen Arbeitsgemeinschaftsleiter abbestellt“, sagt Doreen Haensch, Leiterin der Gutenberg-Grundschule.

Außerdem wurden die Pausenzeiten gestaffelt, in den Fluren oder anderen orten, an denen sich viele Menschen begegnen, ist der Mund-Nasenschutz Pflicht. „Im Unterricht ist das nicht durchzuhalten“, hat die Schulleiterin festgestellt, „in den Klassenräumen setzen wir auf regelmäßiges Stoßlüften.“