Wolmirstedt l Im Baugebiet Lindhorster Weg wird die letzte Runde eingeläutet. Der fünfte Bauabschnitt kann kommen. Sofern der Stadtrat zustimmt. Und dann müssen noch Zauneidechsen gefunden, gefangen und umgesiedelt werden. Viele sind es wohl nicht. Doch die wenigen haben die Planungszeit um gut ein halbes Jahr verlängert.

Günter Lauenroth ist trotzdem optimistisch. Unter seiner Federführung haben sich seit 2009 schon die anderen Bauabschnitte des Lindhorster Weges prächtig entwickelt. Der Schlehenweg, der Robinienweg und der Lupinenweg sind längst bebaut. Derzeit schießen im vierten Bauabschnitt die Häuser in die Höhe. Auf 24 von 31 Baugrundstücken stehen bereits Häuser. Die anderen Grundstücke sind verkauft, beziehungsweise reserviert.

Josefine Finger lebt dort seit November in einem neugebauten Häuschen. Inzwischen gehört sogar ein Baby zur Familie. „Ich stamme aus Havelberg“, erzählt die junge Frau, „habe in verschiedenen Städten gelebt. Jetzt wollten wir gerne wieder in eine knuffige Kleinstadt ziehen.“ Wolmirstedt habe sich angeboten, da sie und ihr Mann in Magdeburg arbeiten. Und sie ist zufrieden: „Hier gibt es alles, Schulen, Kitas, die Nähe zu Magdeburg.“

Diese Vorteile scheinen viele, vor allem junge Familien zu schätzen, denn es sind längst nicht alles Ur-Wolmirstedter, die am Lindhorster Weg bauen. Günter Lauenroth weiß von Magdeburgern, Haldenslebern, aber auch Menschen aus anderen Orten der Umgebung, die ein Haus in Wolmirstedt suchen. Doch das wird zunehmend schwer.

Noch unter 100 Euro pro Quadratmeter

Noch liegen die Grundstückspreise unter hundert Euro. Für diesen Preis ist in Magdeburg längst kein Bauland mehr zu haben. Dort müssen laut Immowelt für 500 bis 600 Quadratmetergroße Grundstücke durchschnittlich 185 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch gelegt werden.

Vielleicht ist auch deshalb die Nachfrage in Wolmirstedt so hoch. Das Elbeuer Wohngebiet „Sonnenblick“ ist innerhalb weniger Jahre fast vollständig bebaut worden. In Glindenberg-West ist gerade der erste Spatenstich für eine neue Wohnsiedlung erfolgt. Nun soll es auch im Lindhorster Weg in die fünfte und letzte Runde gehen. 44 Baugrundstücke stehen zur Verfügung. Die Nachfrage ist um ein Vielfaches höher.

Doch bis es im Frühjahr 2021 losgeht, sind ein paar Hürden zu überwinden. Zuerst muss der Stadtrat zustimmen, der tagt am 24. September. Auch Naturschützern des Nabu stehen noch einige Aufgaben bevor.

Schützenswerte Tiere ausgemacht

Eine Bürgerin aus dem niedersächsischen Eystrup hat sich mit dem künftigen Baugebiet eingehend beschäftigt und dort die Vogelarten Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke sowie die Zauneidechse und mehr schützenswerte Tiere ausgemacht. Außerdem hat sie im neuen Wohngebiet mehr privates und öffentliches Grün gefordert. Pro 300 Quadratmeter angefangener Grundstücksfläche sollen die Grundstücksbesitzer ihrer Meinung nach einen heimischen Baum sowie fünf heimische Sträucher pflanzen. Auch im öffentlichen Straßenraum sollen viele Bäume wachsen.

Dem will die Stadt nicht folgen. Sie möchte Häuslebauern nichts vorschreiben, sondern setzt eher auf Eigeninitiative, die Gärten und Vorgärten selbst zu gestalten. Lediglich wird festgesetzt, dass es zwischen Straße und straßenseitiger Baugrenze mit Ausnahme der Zufahrten grün sein muss, Steinschüttungen unzulässig sind.

Die von der niedersächsischen Bürgerin aufgezählten Vögel seien laut Gutachten nicht bedroht. Das wurde sorgfältig geprüft. Aufgrund der Einwände hatte es mehrere Vororttermine mit dem Nabu, Rathausmitarbeitern und Gutachtern gegeben. Ein artenschutzrechtliches Gutachten wurde ausgearbeitet. Die Zauneidechsen sollen nun aufgespürt und in den Kronsberg umgesiedelt werden. Dafür hat sich Günter Lauenroth mit dem Nabu kurzgeschlossen.

Mit dem fünften Bauabschnitt endet das Wohngebiet am Lindhorster Weg. Die Sachsen-Anhaltinische Baulandentwicklungs GmbH (Saleg), der Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband (WWAZ), die Stadtwerke und die Telekom werden auch in diesem Areal Hand in Hand arbeiten. Ist diese Lücke geschlossen, sieht Günter Lauenroth dieses Wohngebiet als gelungenen Abschluss des nordwestlichen Wolmirstedts an.

Derzeit werden im vierten Bauabschnitt die Straßen gebaut. Bis zum Jahresende sollen sie befahrbar sein. Straßennamen für die letzten beiden Abschnitte schweben Günter Lauenroth längst vor. „Wir wollen uns weiter im Bereich der Pflanzen bewegen“, sagt er, „ich denke an Melissenweg und den Lavendelweg.“ Doch auch bei der Namensgebung hat der Stadtrat ein Wörtchen mitzureden.