Wolmirstedt l Klaus Gerike ist aus Buchhorst angereist, das liegt bei Oebisfelde, nah an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, in der damaligen Sperrzone. Auf dem Anhänger seines 59 Jahre alten Mercedes liegt ein großer, gebrochener Feldstein, dessen Spalt ein roter Strich markiert. Das Symbol für die deutsche Teilung. „Das hier ist Berlin, da ist es zuerst gerissen“, zeigt der 75-Jährige auf einen weiteren, sehr feinen Riss. Die Mauer hat sein Leben geprägt, deshalb hat er die Relikte aufbewahrt. Das Sperrzonenschild, ein DDR-Kennzeichen, auch den Willy-Brandt-Spruch „Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Wie Klaus Gerike haben viele Teilnehmer der 11. Ohreclassic Geschichte aus Schubladen zutage befördert. Mandy Poppe und Annette Stein zeigen alte Personalausweise. „Schließlich müssen wir heute noch über die Grenze“, ulkt Mandy Poppe.

Ganz Unrecht hat sie nicht, auch wenn die Grenze seit 30 Jahren offen ist. Der Höhepunkt der 11. Ohreclassic-Tour war ein Besuch der Gedenkstätte „Deutsche Teilung“ in Marienborn. „Viele Teilnehmer hatten diese Gedenkstätte noch nie besucht“, hat Tourfotograf Marcus Schröder unterwegs erfahren, „die Begeisterung war so groß, dass manche ihren Besuch wiederholen wollen.“ Eine kleine Nostalgie gab es dafür zum Tourbeginn. An einem „Grenzschild“ salutierte ein „Volkspolizist“ fürs Foto.

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Schirmherr der 11. Ohreclassic war Verkehrsminister Thomas Webel. In seinem Grußwort betonte er die magische Bedeutung der 30 für Oldtimerfreunde, neben dem Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“. „Nur Fahrzeuge, die über 30 Jahre alt sind und möglichst im Originalzustand und doch noch technisch fit, bekommen das Adelsprädikat Oldtimer.“ Webel startete als Erster, steuerte einen Wartburg 311 Coupé.

Bei Politikern beliebt

Die Ohreclassic-Tour ist bei Politikern beliebt. Bundestagsabgeordnete, Bürgermeister, Landrat, die Justizministerin fuhren mit, auch Kulturstaatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger mit seiner Frau Andrea. „Wir haben diese Tour als Anlass genommen, selbst eine zu organisieren“, sagt er. Die heißt „Oldtimer meets Schlösser.“ Mit solchen Touren lasse sich das Land hervorragend bekannt machen.

Bekannt wird Sachsen-Anhalt, besonders Wolmirstedt, auf dieses Weise auch in Litauen. Ilja Andrusenko gehörte zu den Oldtimerfreunden aus Klaipeda. Der junge Mann war mit seinem VW-Bus T3 per Fähre einen Tag unterwegs, für den Rückweg wird er länger brauchen, den will er komplett mit dem Auto fahren.

Die Tour meisterte er - wie die anderen - bravourös, ohne Beifahrer geht es jedoch nicht. Meist lotsen Ehepartner oder Freunde, Ilja Andrusenko brauchte außerdem jemanden, der das Tourenbuch übersetzt. Dafür fand sich spontan Jasmin Schadlou aus Helmstedt ein. Beide spielten sich schnell zu einem Team ein.

Auch bei der elften Ohreclassic-Tour gab es eine Tombola für einen guten Zweck. Diesmal ging der Erlös zugunsten der Stiftung Mitteldeutsche Kinderkrebsforschung. Schauspieler und Stiftungsbotschafter Thomas Rühmann hatte im Vorfeld mit einem Grußwort im Roadbook gedankt. Die nächste Tour startet am 6. Juni 2020.