Wolmirstedt l Kaum sind die Festreden verklungen, steht die Zukunft des OK-Live-Ensembles wieder auf tönernen Füßen. „Wir wollen endlich mal aufatmen“, sagt Vereinsvorsitzender Kurt Prilloff, „und uns um die Kunst kümmern.“ Das Aufatmen muss er wohl verschieben, denn im nächsten Jahr beginnt die Zitterpartie um die Finanzen erneut.

„Für das Ensemble wäre eine institutionelle Förderung über mehrere Jahre gut“, sagt der Vereinschef. Dann könnte das Ensemble langfristig Verträge schließen und planen. Doch bisher wurde das Ensemble mit diesem Wunsch nicht erhört. So wird der Vorstand auch für das nächste Jahr wieder verschiedene Anträge auf Fördermittel stellen, Sponsoren ins Boot holen und auf die Finanzspritzen der Kommunen hoffen.

In diesem Jahr hat es gut funktioniert. Trotzdem: Um den Leitungsnachwuchs ist es schlecht bestellt. Kurt Prilloff würde die Ensembleleitung gern in jüngere Hände legen. Ein paar Versuche hat es gegeben, doch bisher sah sich dauerhaft niemand in der Lage, diesen Verein ehrenamtlich zu leiten. Kurt Prilloff kann das verstehen. Er selbst nimmt diese Aufgabe deshalb an, weil er das Ensemble mit aufgebaut und viele Jahre geleitet hat. Trotz dieser Herzensbindung: Endlos will er sich dem OK-Live-Ensemble nicht widmen. „Bis Ende 2020 werde ich dabei sein, dann ist Schluss.“ Dann ist er 76 Jahre alt.

Zuletzt erschien Gaby Albrecht als künstlerische Leiterin auf der Bildfläche. Sie war sogar im Gespräch, das Ensemble eines Tages zu übernehmen. Recht schnell hat auch sie aus finanziellen Gründen die Segel gestrichen. Umsonst kann niemand arbeiten.

Trainer sind gut ausgebildet

Zum OK-Live-Ensemble gehören über 400 Mitglieder, die meisten davon sind Kinder. Sie trainieren in verschiedenen Sparten, von der Artistik bis zum Hip-Hop, von der Moderationstechnik bis zum Parkour. Jeden Tag wird trainiert, in Wolmirstedt, Barleben und anderen Orten, die Trainer sind gut ausgebildet, ihre Leistungen werden honoriert.

So ein vielfältiges Ensemble ohne einen Leiter führen zu wollen, sei so, als würde eine Schule ohne Direktor agieren, sagt Kurt Prilloff. Mit 25 000 Euro könnte eine Teilzeitstelle finanziert werden, doch dieses Geld ist partout nicht aufzutreiben.

Zur Jubiläumsveranstaltung hat CDU-Verkehrsminister Thomas Webel Unterstützung versprochen. Damit sei jedoch kein finanzieller Betrag gemeint, heißt es aus dem Verkehrsministerium auf Volksstimme-Nachfrage. „So gern Minister Webel dem OK-Ensemble gleich direkt finanziell unter die Arme greifen würde – aber das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr verfügt über keinen Fonds der Kulturförderung.“ Der sei in der Staatskanzlei dem Ministerium für Kultur angesiedelt. Dahinein versteht sich Thomas Webel als Türöffner. Kurt Prilloff weiß: „Darauf können wir uns verlassen.“

Keine konkreten Vorschläge

Gute Worte kamen auch aus dem Landkreis. Bildungs- und Kulturdezernent Dirk Michelmann will prüfen, was der Landkreis im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Unterstützung des Vereines leisten kann. Konkrete Vorschläge gibt es noch nicht.

Das OK-Live-Ensemble ist ein Verein, wie viele andere auch. Eigentlich. Sportvereine beispielsweise verfügen nicht über hauptamtliche Leiter, warum ist eine Leitungsfunktion beim OK-Live-Ensemble so wichtig? „Wegen der vielen verschiedenen Sparten“, sagt Kurt Prilloff. Die müssen koordiniert werden, ebenso wie die Trainingszeiten, Kostümbeschaffungen und Hallennutzungen.

Außerdem tritt das Ensemble auf nationalen und internationalen Bühnen auf. Auch diese Reisen bedürfen einer intensiven Vorbereitung, zudem müssen Kontakte gepflegt werden. „Das Ensemble ist in solchen Fällen das Gesicht Sachsen-Anhalts.“

Das OK-Live-Ensemble wird unter anderem von den Kommunen Barleben und Wolmirstedt unterstützt. Aus beiden Haushalten standen in diesem Jahr jeweils 10 000 Euro für OK-Live zur Verfügung. Barleben orientiert sich dabei an dem, was Wolmirstedt zahlt. Auch 2020 haben beide Gemeinden diese Summen im Blick, müssen aber erst ihre Haushalte festzurren und schauen, ob eine so hohe Förderung auch im kommenden Jahr noch möglich ist. Eine hauptamtliche Geschäftsführerstelle wird davon jedoch nicht finanziert.

Vielen anderen Vereinen sind Fördervereine angegliedert, die auf ihre Weise Geld fürs Vereinsleben beschaffen, sei es durch Kuchenverkauf, Grillfeste oder Sponsorensuche. Auch darüber wurde im Ensemble schon nachgedacht. Kurt Prilloff sagt: „Dafür finde ich keine Leute.“

Sport, Kunst und Kultur gehören zu den freiwilligen Leistungen einer Kommune. Mit dieser Definition tun sich viele Verantwortliche zunehmend schwer. Sie würden sich die Unterstützung selbstverständlich im Sinne der Daseinsvorsorge wünschen. Auch Kurt Prilloff sieht die Förderung von Kindern und Jugendlichen als gesellschaftliche Aufgabe, die finanziert werden muss. „Allerdings habe ich das Gefühl, dass es einigen Leuten egal ist, was mit den Kindern passiert.“