Wolmirstedt l Schon ein halbes Menschenleben lang pflegen Sportler aus Wolmirstedt und der polnischen Stadt Końskie eine Partnerschaft. Die Beziehung zwischen den Jugendlichen beider Städte wurde 1974 von Günter Oelze ins Leben gerufen, er war Wolmirstedts „Vater der Leichtathletik“. Der Kontakt ist nie abgerissen, hat sich nur leicht gewandelt. Inzwischen hält Leichtathletik-Abteilungsleiter Birger Orlamünde die Fäden in der Hand und aus Końskie kommen nicht mehr die Sportler, sondern Jugendliche einer Fachoberschule. Begleitet wurden sie von ihrer Deutschlehrerin Renata Miler.

Zu ihrem Programm gehörte auch ein Empfang im Wolmirstedter Rathaus. Dabei übergab Renata Miler an Bürgermeisterin Marlies Cassuhn ein Schreiben des Bürgermeisters von Końskie. Der heißt Krzysztof Obratański und bittet um eine Städtepartnerschaft. Internationale Kontakte können seiner Meinung nach dazu beitragen, dass sich beide Städte dynamisch und harmonisch entwickeln. Marlies Cassuhn versprach, diesen Vorschlag im Stadtrat zur Diskussion zu stellen.

Eine Tagesreise

Zwischen Wolmirstedt und Końskie liegen über 700 Kilometer, Końskie zählt fast 20 000 Einwohner und befindet sich zwischen Warschau und Krakau. „Ja, es ist eine Tagesreise“, lächelt Renata Miler.

Witold Fitas, Sportlehrer und Leichtathletiktrainer aus Końskie, hat diese Reise schon oft auf sich genommen. Er gehörte zur ersten Delegation, die sich 1974 auf den Weg nach Wolmirstedt gemacht hat, damals war er 15 Jahre alt. Er war auch dabei, als elf Jahre später das Küchenhorn-Stadion „Glück auf“ eingeweiht wurde. Das hat inzwischen seine besten Tage längst hinter sich, dessen Zukunft ist ungewiss. Marlies Cassuhn hätte gerne verkündet, ob und wann es eine neue zentrale Sportstätte geben wird. „Doch das kann ich zurzeit leider nicht.“

Wolmirstedt pflegt bereits eine Städtepartnerschaft, und zwar mit dem niedersächsischen Wunstorf. Die Feuerwehren besuchen sich regelmäßig, lange bestand außerdem eine enge Zusammenarbeit zwischen den Briefmarkenfreunden. Die Wunstorfer Verwaltung hatte sich vor einiger Zeit Wolmirstedt angeschaut, in diesem Jahr gab es den Gegenbesuch der Wolmirstedter Verwaltung in Wunstorf.

Zusammenarbeit intensivieren

Marlies Cassuhn würde diese Zusammenarbeit gern intensivieren, besonders im Hinblick auf den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung, der im kommenden Jahr festlich begangen werden soll. Der Kontakt zu Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt steht, ein gemeinsames Arbeitsgespräch im Vorfeld ist geplant.

Eine weitere Städtepartnerschaft war vor gut zehn Jahren mit dem bulgarischen Sredez anvisiert worden. Es hatte gegenseitige Besuche gegeben, auch zur 1000-Jahrfeier Wolmirstedts waren bulgarische Gäste zum Fest angereist. Diese Kontakte sind eingeschlafen, es wurde nie eine Unterschrift unter eine Partnerschaftsurkunde gesetzt.

Wirtschaftlicher Austausch

Städte, die Partnerschaften eingehen, sind an einem kulturellen und wirtschaftlichen Austausch interessiert. Um eine Partnerschaft zu pflegen, bedarf es der Sprache. Wie haben sich die polnischen Jugendlichen mit den Leichtathleten des SV Kali verständigt? „Vor allem auf Englisch“, erzählt Deutschlehrerin Renata Miler. Zwar lernen sie in der Schule auch Deutsch, aber dafür steht nur eine Wochenstunde zur Verfügung.

Begeistert zeigten sich die 15- bis 19-Jährigen allemal. Besonders eine Stadtführung in Magdeburg und der Besuch der Zielitzer Kalihalde haben sie sehr beeindruckt. „Und“, erzählt Kamil, „das Mülltrennsystem hat uns gefallen“.