Wolmirstedt l Bald herrscht gähnende Leere im Landratsamt in der Farsleber Straße. Ende Juni sollen alle Mitarbeiter ausgezogen sein. Noch sind dort Fachdienste tätig, zwei Bereiche des Natur- und Umweltschutzes, außerdem der gesamte Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung. All diese Abteilungen werden demnächst nach Oschersleben ziehen. Sobald auch die letzten Mitarbeiter das Haus in der Farsleber Straße in Wolmirstedt verlassen haben, wird es abgeschlossen und kann verkauft werden. Eigentümer ist die Stadt Wolmirstedt.

Mit dieser Endgültigkeit mag sich Klaus Mewes nicht abfinden. Er sitzt für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Stadtrat, außerdem im Kreistag und meldet sich jetzt öffentlich zu Wort. Mit einer Petition fordert er, vor Ort eine Außenstelle des Landratsamtes zu erhalten. Einige Fachdienste sollen ihren Sitz in Wolmirstedt behalten, außerdem weitere Sprechstunden der Kreisverwaltung eingerichtet werden. Dabei hat er insbesondere das Sozialamt und die Kfz-Zulassungsstelle im Blick. Das Sozialamt ist erst kürzlich aus Wolmirstedt weggezogen, die Kfz-Zulassungstelle gibt es schon seit Jahren ausschließlich in der Haldensleber Kronesruhe 8. Bürger finden aber auch in der Oschersleber Nebenstelle Ansprechpartner.

Das Aus wurde 2013 beschlossen

Das gilt für alle anderen Fachdienste ebenso. „Grundsätzlich können Bürger alle Dienstleistungen in beiden Standorten, in Haldensleben und in Oschersleben, in Anspruch nehmen“, sagt Landkreis-Sprecher Uwe Baumgart. Die Wolmirstedter Region geht hingegen leer aus. „Für viele Bürger in Wolmirstedt und den umliegenden Dörfern verschlechtern sich die Bedingungen erheblich“, hat Klaus Mewes im Petitionstext formuliert. Zu den stark frequentieren Ämtern gehören neben der Kfz-Zulassungsstelle und dem Sozialamt auch der Fachdienst Jugend sowie der Fachdienst Migration.

Überraschend kam das Aus für die Wolmirstedter Zweigstelle des Landratsamtes jedoch nicht. Bereits 2011 hat der Kreistag beschlossen, dass sich ein Arbeitskreis mit dem künftigen Verwaltungsstandort beschäftigen möge. Zwei Jahre später lag das Ergebnis vor und wurde dem Kreistag zur Abstimmung vorgelegt. Im September 2013 stimmte die Mehrheit der Mitglieder für den Neubau eines Landratsamtes in Haldensleben sowie den Weiterbetrieb einer Nebenstelle in Oschersleben für die Dauer einer unbestimmten Zeit.

An diesem Beschluss wurde seither nicht gerüttelt. Inzwischen ist das neue Landratsamt in der Haldensleber Bornsche Straße 2 für 26,5 Millionen Euro gebaut worden, die Mitarbeiter sind dort eingezogen.

1000 Unterschriften angestrebt

Klaus Mewes hat bereits im Wolmirstedter Stadtrat für eine Art Protest gegen den vollständigen Wegzug des Landrats- amtes geworben, war jedoch auf wenig Resonanz gestoßen. Nun sieht er den Weg zur Wolmirstedter Nebenstelle über den Bürgerwillen. „Ich strebe 1000 Unterschriften an“, sagt der Farsleber und hofft, dass dann auch der Stadtrat auf diesen Zug mit aufspringt. Das Ergebnis soll dem Landrat und dem Kreistag vorgelegt werden. „Wir brauchen die Bürgernähe im ländlichen Raum“, begründet Klaus Mewes.

Er sieht eine Ungleichbehandlung der Bürger Wolmirstedts und Umgebung, die sich mit dem Wegzug des Landratsamtes eigentlich nur fortsetzt. „Durch die Schließung des Krankenhauses war hinsichtlich der medizinischen Versorgung bereits eine erhebliche Schlechterstellung der Bürger des Altkreises Wolmirstedt zu verzeichnen“, blickt er zurück. Außerdem sieht er einen Widerspruch zum aktuellen Trend. „Im Land wird derzeit viel zur Verbesserung der Lebensverhältnisse im ländlichen Raum und für mehr Bürgernähe getan. Hier geht es demonstrativ in die entgegengesetzte Richtung.“

Die Petition ist auch auf der Internetseite der Stadt Wolmirstedt zu sehen. Bürger haben dazu bereits kommentiert. Sie sprechen davon, dass Wolmirstedt bisher die Stadt der kurzen Wege war und merken an, dass wohl künftig auch die Kaufkraft von 150 Angestellten fehlt.