Öffnungen

Pfingsten: In Wolmirstedt fällt der Mühlentag aus

In der Börde gibt es immer weniger Neuinfektionen. Die Bundesnotbremse wird aufgehoben, Lockerungen sind möglich. Gibt es also ein Pfingsten der vollen Gaststättenterrassen?

Auerbachs Mühle
Auerbachs Mühle Foto: Gudrun Billowie

Gudrun Billowie - Wolmirstedt l Die niedrigen Neuinfektionszahlen in der Börde erlauben vorsichtige Öffnungen, seit dem 12. Mai liegt die Inzidenz unter 100. Gaststätten können ihre Außenbereiche öffnen, mehr Personen als bisher miteinander Sport treiben, im Einzelhandel entfällt die Testpflicht. Bedeutet das eine Rückkehr zur Normalität?

Mühlentag fällt aus

Die Euphorie der Wolmirstedter Gastwirte hält sich in Grenzen. Sie sind weit davon entfernt, ihre Betriebe hochzufahren, sehen sich zu vielen Unwägbarkeiten ausgesetzt. So wird auch der Mühlentag am Pfingstmontag in Wolmirstedt ausfallen, zum zweiten Mal in Folge werden beide Mühlen nicht zugänglich sein.

Auerbachs Mühle ist besonders zu Pfingstmontag beliebtes Ausflugsziel. Gewöhnlich drehen sich die Flügel der Windmühle, das Fest drumherum lockt hunderte Besucher aus der Umgebung an. Doch auch in diesem Jahr bleibt dort alles still. Mühlenwirtin Ursula Pankonien wird die Außengastronomie vorerst nicht öffnen, auch wenn die Corona-Bestimmungen das Öffnen erlauben. Sie sieht die Hürden für Gastronomen zu hoch.

„Die Corona-Lage verhindert den Betrieb im Innenbereich, das Wetter vielleicht den Betrieb im Außenbereich.“ Heißt: Selbst, wenn sie den Außenbetrieb öffnen würde, wüsste sie bei einer plötzlichen Regenhusche nicht wohin mit den Gästen. In den Gastraum darf sie niemanden hineinlassen. „Wir öffnen wahrscheinlich Anfang oder Mitte Juni“, sagt Ursula Pankonien. Dann aber gut geplant und gut vorbereitet. „Mit einem Paukenschlag.“

Einige bieten ein to-go-Angebot

Nach der Verordnung dürfen auch Gäste im Außenbereich nur bedient werden, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen, außerdem müssen weiterhin die Kontaktdaten abgefragt werden.

Diese Kontrollen lassen sich auch für Evamaria Schmeier schwer im laufenden Café-Betrieb stemmen. Die Wirtin der Elbeuer Wassermühle empfängt besonders zum Mühlentag hunderte Besucher. Doch unter diesen Umständen wird sie das Café am Pfingstmontag geschlossen halten. Immerhin: Am Sonnabend und Sonntag bietet sie jeweils nachmittags Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen an. Bei diesem Einbahnstraßen-to-go-Betrieb müssen keine negativen Tests vorgezeigt und keine Daten erfasst werden. Das Prinzip sei bereits am vergangenen Wochenende gut angenommen worden.

Beliebt ist auch der Freilufthof des griechischen Restaurants „Sorbas“. Doch auch dort werden die Stühle hochgestellt bleiben. „Wir haben uns entschlossen zu renovieren“, sagt Inhaberin Ourania Soufri. Davon abgesehen habe auch sie wenig Lust, die Gäste nach einem negativen Corona-Test zu fragen. „Es gibt Leute, die wollen sich nicht testen lassen. Und dann?“ Andererseits möchte sie ihren Gästen ersparen, sich vor Ort zu testen. „Nachher steht ein Gast da und jeder sieht, mit diesem Test ist etwas nicht in Ordnung.“ Die Privatsphäre der Gäste möchte sie gerne gewahrt wissen. Trotzdem: Ab 15. Juni möchte auch sie wieder Menschen bewirten.

Susanne Kützing traut sich ein bisschen mehr. Sie betreibt das Café auf dem Zentralen Platz und wird schon zum Wochenende hin vorsichtig einige Tische und Stühle herausstellen, kontrollieren, ob negative Corona-Tests vorliegen und Gäste im Außenbereich bedienen. Daneben widmet sie sich weiter dem Außer-Haus-Verkauf, wie in den vergangenen Wochen. „Es gab weniger gute, aber auch viele gute Tage.“

Die Aufhebung der Bundesnotbremse bedeutet auch, dass wieder mehr Sportler gemeinsam trainieren können. Das werden die Leichathleten des SV Kali nutzen, bestätigt Leichtathletik-Abteilungsleiter Birger Orlamünde. Schon lange trainieren die Leichtathleten im Küchenhornstadion, in Gruppen von maximal vier Sportlern unter 14 und einem (getesteten) Trainer. Für über 14-Jährige gab es diese Möglichkeit nicht. Somit musste ein Mädchen, dass vor kurzem seinen 14. Geburtstag gefeiert hat, am Tag darauf das Training einstellen. Am Freitag kann sie nun aufgrund der gefallenen Bundesnotbremse wieder auf dem Platz mitmachen. Ab da sind sogar Gruppen von 25 Sportlern mit einem (getesteten) Trainer möglich, solange es im Training keinen Körperkontakt gibt. Vereine müssen ein Hygienekonzept vorlegen.

Das Schwimmbad wird voraussichtlich am 1. Juni wieder öffnen. Auch dort wird von den Besuchern ein negativer Corona-Test erwartet. Nach Pfingsten gelten in Sachsen-Anhalt allerdings neue Regeln.

Der Sprung ins kalte Nass - in diesem Sommer könnte er im Landkreis Börde wieder möglich sein.
Der Sprung ins kalte Nass - in diesem Sommer könnte er im Landkreis Börde wieder möglich sein.
Symbolfoto: dpa/Sven Hoppe