Hohenwarsleben l Obwohl es schon mehr als 20 Jahre her ist, weiß Erhard Beulecke noch genau, was am 5. März 1998 war. Damals wagte der heute 84-Jährige wieder einmal einen Neuanfang. Er machte sich mit einer Mundartgruppe unter dem Dach des Kulturvereins Hohe Börde „selbständig“. Jetzt wurde der runde Geburtstag der Mundarttreffen groß gefeiert.

Mit am Tisch saßen auch die, die die ganze Sache mit angeschoben hatten, und Wegbegleiter. Anderer – zum Teil bereits Verstorbenen – wurde gedacht. Als eine der Initiatoren sieht Erhard Beulecke auch Herta Tope aus Neuenhofe.

Erhard Beulecke als Initiator

„Als ich 1991 nach Hohenwarsleben zurückkam, hat mich mein altes Haus handwerklich sehr gefordert, da suchte ich noch was für meinen Kopf“, erinnert sich Erhard Beulecke noch heute, wie er zu der Plattspreeker-Gruppe kam, die Herta Tope damals im Haldensleber Alsteinklub leitete. Diesmal brachte sie ihm einen Plattspreeker-Orden mit. „Ich bin stolz, dass ich den Orden von Herta bekommen habe, sie war meine Lehrmeisterin."

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Und Herta Tope weiß genau, dass die alte „Schaulstuwe“ im Hohenwarsleber Dorfgemeinschaftshaus – wo die Treffen immer stattfinden –viele Geschichten über die Mundarttreffen erzählen könnte. Wie sie gestalteten viele Plattspreeker aus der Region die Mundartveranstaltungen mit. Diethard Brüggemann, Monika Mettner, Minneken Muusekeddel alias Rosemarie Mendt, der damalige Minister Hermann Onko Aeikens, Marta Rothe, Otto Gewalt, Arthur Etterwindt zählte Erhard Beulecke beispielsweise auf.

Treffen im Dorfgemeinschaftshaus

Eine, die häufig den Weg aus Oschersleben in die Hohe Börde auf sich genommen hat, ist Eva Brandt aus Oschersleben. Sie hatte auch zum runden Geburtstag einige Worte für Erhard Beulecke und seine Mundartfreunde parat: „Die Rechnungsprüfer stellen jedes Jahr im Schwarzbuch fest, wo Geld verschwendet wurde. Die Kultur gehört nicht dazu, denn hier besinnt man sich auf sich selbst“, so Eva Brandt. Eines der besten Beispiele ist Erhard Beulecke und seine Vereinsmitglieder. Die Angebote müssen gefallen, damit sie Zuspruch finden und auch der Rahmen muss passen. „Erhard hat Einfälle und war auch immer der Motor“, fügte sie hinzu.

Und das können die Hohenwarsleber Munndartfreunde auch mit Taten belegen. Sie erinnern sich an die Traditionen wie die regelmäßige Wahl der Prilleken-Muhme oder Wiehnachten opp Platt, die Videonachmittage mit Geschichten von Plattspreekern aus aller Welt, fünf große Mundartfeste zu verschiedenen Themen oder auch Ehrungen für „große“ Plattspreeker. Das Jubiläum war übrigens insgesamt die 175. Mundartveranstaltung des Kulturvereins Hohe Börde.