Barleben l Einen grausigen Fund haben zwei Schülerinnen am Mittwoch kurz vor 14 Uhr nahe des Adamsees in Barleben gemacht. An einem von Gestrüpp umwachsenen Durchgang zwischen dem See und einer angrenzenden Pferdekoppel entdeckten sie eine Leiche ohne Kopf.

Die herbeigerufene Polizei sperrte das Gebiet ab, der Kriminaldauerdienst aus Magdeburg nahm die Ermittlungen auf. Wie Marc Becher von der Pressestelle der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord der Volksstimme am Donnerstag mitteilte, seien nun die Rechtsmediziner gefragt. Bei der Obduktion des Körpers würden sie nicht nur DNA-Spuren mit Vermisstenfällen aus der Region abgleichen.

Ermittlungen in alle Richtungen

Neben vielen anderen Untersuchungen schauen die Ermittler auch, ob sie nicht natürliche Verletzungen auf dem Leichnam finden können oder ob die Person eines natürlichen Todes gestorben ist. Außerdem soll verglichen werden, ob der Körper zu einem Schädel gehört, der bereits am 10. März auf der angrenzenden Pferdekoppel gefunden wurde – ebenfalls von Kindern.

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Nähere Erkenntnisse über die Herkunft des Schädels und dazu, ob er zu einem vermissten Barleber passt, der im Sommer 2017 verschwunden ist, konnte die Rechtsmedizin bislang noch nicht gewinnen, so Polizeisprecher Marc Becher. Nun werde jedoch mit Hochdruck daran gearbeitet, mögliche Zusammenhänge aufzudecken und die Herkunft der Körperteile zu klären. Dass die Polizei zunächst nicht von einem Gewaltverbrechen ausgehe, sagte Polizeioberkommissar Enrico Grube am Mittwoch vor Ort der Volksstimme.

Abgleich mit Vermisstenliste

Ihm zufolge sei es wahrscheinlich, dass es sich bei dem aufgefundenen Körper und dem Schädel um den vermissten Barleber handelt. Er habe an Diabetes gelitten und bei seinem Verschwinden sein Insulin nicht dabei gehabt. Demnach könne der Mann einen Zuckerschock erlitten haben.

Nun müssen die Untersuchungen der Kriminalpolizei und der Rechtsmedizin allerdings Aufschluss darüber geben, was wirklich passiert ist. Dass der Schädel einige Meter entfernt von dem Körper gefunden wurde, könnte auch mit Tieren zusammenhängen, die den Kopf weggeschleppt hätten, so Enrico Grube. So lag der menschliche Schädel im März mitten auf der offenen Pferdekoppel.

Kein Verbrechen vermutet

PD-Nord-Pressesprecher Marc Becher erläutert auf Nachfrage, dass Knochenfunde nicht sehr häufig seien. „Im Harz kommt so etwas schon das eine oder andere Mal vor“, sagt er. Allerdings seien aufgefundene Knochen in den allermeisten Fällen historische Funde. Nur in etwa einem Prozent der Fälle, so Marc Becher, könne nachträglich ein Verbrechen nachgewiesen werden.