Wolmirstedt l Spätestens im Frühling, wenn die Temperaturen klettern, die Sonne scheint, werden Fahrräder aus Kellern und Schuppen geholt. Dabei dienen die Radtouren nicht allein dem Freizeitsport. Für Wolmirstedter ist das Fahrrad auch Fortbewegungs- und Transportmittel, sie fahren damit zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen. Einige Strecken verfügen über gut ausgebaute Radwege, an anderen gibt es Nachholbedarf. Wie genau der aussehen soll, wird in einem Konzept erarbeitet.

Derzeit führen von der Kernstadt aus gute Radwege nach Farsleben, Glindenberg und Mose. Die Anbindung nach Farsleben spielt unter anderem deshalb eine Rolle, weil sie einerseits die Anbindung zum Wolmirstedter Lindenpark bedeutet, andersherum können Mitarbeiter des Zielitzer Kaliwerkes darauf von Wolmirstedt aus zur Arbeit fahren.

Stark frequentiert

Ähnlich stark wird der Radweg zwischen Wolmirstedt und Glindenberg frequentiert. Darauf fahren Freizeitradler, aber ebenfalls Bürger zum Einkaufen, für Schülerinnen und Schüler dient er zumindest in den helleren Monaten als Schulweg.

Die Glindenberger wünschen sich schon lange einen Radweg, der bis nach Magdeburg führt. Allein die Straße zwischen Glindenberg und Magdeburg-Rothensee wird rege genutzt, so entfällt schließlich der Umweg über Wolmirstedt samt Bahnschranken in der Glindenberger Straße. „Die Glindenberger wünschen sich schon lange, dass an dieser Straße auch ein Radweg nach Magdeburg führt“, weiß Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt.

Nach Elbeu gibt es gar keinen durchgehenden Radweg. Radfahrer müssen den Fußweg nutzen oder können den Weg über die Amtsbrücke nehmen, an der alten Elbe entlang fahren. Dieser Weg mündet immerhin in Elbeus Ortsmitte mündet. Eine direkte Anbindung an der alten B189 in Richtung der Jersleber Straße wäre jedoch auch für Schulkinder eine Hilfe.

Offensichtliche Defizite

Auch innerhalb der Kernstadt gibt es Nachbesserungsbedarf. Wo genau, soll die Studie herausfinden. Manche Defizite sind offensichtlich: So macht Kopfsteinpflaster zu schaffen, führt beim Darüberrollen zu unschönen Erschütterungen. Das ist unter anderem in der Straße „Am Amtstor“ der Fall, aber auch neben der Halle der Freundschaft.

Harald Liebscher, der oft mit dem Fahrrad von Zielitz nach Wolmirstedt pendelt, fühlt sich auf den Radwegen sicher, vermisst aber auch ordentliche Radspuren entlang der Colbitzer Straße oder in der Bahnhofstraße.

Radwanderungen durch das Küchenhorn

Hermann Grimm, der mit seinem Radwanderverein seit Jahren in der Region unterwegs ist, sagt: „Ein Fahrradweg durch das Küchenhorn wäre schön.“ Der Weg ist lediglich mit Kopfsteinpflaster befestigt. Außerdem würde er sich im Namen aller Radfahrer freuen, wenn der Radweg am Elbeuer Sportplatz ausgebessert würde.

Im Konzept sollen verbesserungswürdige Stellen erst einmal gefunden und unter die Lupe genommen werden. Der Stadt ist bewusst, wie wichtig ein Radwegenetz ist. Schon allein, weil Bürger, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, der Stadt und den Mitmenschen näher kommen. In der Ausschreibung für das Konzept heißt deshalb: „Die Gestaltung des öffentlichen Straßenraumes, insbesondere der Geh- und Radwege, trägt in besonderem Maße zur Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt bei.“ Dieses Wohlgefühl kann durchaus finanzielle Folgen nach sich ziehen. „Eine hohe Aufenthaltsqualität kann zudem den Wert der Immobilien steigern und zusätzliche Besucher und Bewohner anlocken.“

Wie weit Wunsch und Wirklichkeit am Ende zusammenkommen, hängt nicht nur von der Stadt und ihrem gefüllten Stadtsäckel ab, manchmal müssen auch andere Partner ins Boot geholt werden. Beispielsweise müssten bei einem Radweg zwischen Glindenberg nach Magdeburg auch der Landkreis sowie die Stadt Magdeburg an einem Strang ziehen. Um solch überörtliche Lösungen hinzubekommen, ist Wolmirstedt der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen beigetreten.

Weiterhin sollen im Konzept der demografische Wandel sowie die Barrierefreiheit berücksichtigt, Blindenleitsysteme integriert werden. Nicht zuletzt spielt der Umweltschutz eine Rolle sowie die Möglichkeit, das Auto stehen zu lassen und sich an der frischen Luft zu bewegen.